Lärmende Kampfjets stören Ablauf der Prüfungen

<p>Der Einsatz von F16-Kampfflugzeugen und Schießübungen im Lager Elsenborn sorgen in dieser Woche für eine teils ohrenbetäubende Lärmbelästigung in weiten Teilen der Nordeifel.</p>
Der Einsatz von F16-Kampfflugzeugen und Schießübungen im Lager Elsenborn sorgen in dieser Woche für eine teils ohrenbetäubende Lärmbelästigung in weiten Teilen der Nordeifel. | Foto: Photo News

Wie der zuständige Kapitän-Kommandant Gert De Potter als beauftragter Offizier der Bodenstreitkräfte auf Anfrage erklärte, führen die Boden- und Luftstreitkräfte in dieser Woche eine gemeinsame Übung auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn durch. Diese hätte eigentlich bereits vor einigen Wochen stattfinden sollen, musste aber witterungsbedingt verschoben werden. „Es geht im Großen und Ganzen darum, dass die Einsatzkräfte am Boden die Flugzeuge zu Zielen führen, die sie bombardieren sollen.“ Dabei kommen F16-Kampfjets zum Einsatz, die von den Militärflugplätzen in Florennes (Provinz Namur) und/oder Kleine-Brogel (Provinz Limburg) abheben.

Am Dienstag waren insgesamt sechs Kampfflugzeuge im Einsatz. „Sie fliegen immer in Zweierformationen, wie es bei Übungen und Einsätzen dieser Art üblich ist“, so De Potter. Der ohrenbetäubende Lärm macht sich am Boden nachhaltig bemerkbar, so auch am Bischöflichen Institut Büllingen (BIB), wo in dieser Woche die Jahresendprüfungen begonnen haben. „Es ist natürlich alles andere als optimal, wenn die Schülerinnen und Schüler gerade in dieser Zeit durch den außergewöhnlichen Lärm gestört werden, zumal die Fenster der Klassenräume wegen der Covid-19-Situation geöffnet bleiben müssen“, sagt Bürgermeister Daniel Franzen, selbst von Beruf Lehrer am BIB.

Lagerkommandant Major Pascal Thunus räumt ein, dass man diesem Umstand bei der Terminierung der Übungen leider keine Rechnung getragen habe, gelobt aber im gleichen Atemzug Besserung. „Das Lager Elsenborn ist und bleibt natürlich ein Truppenübungsplatz, jedoch müssen die Einsätze von Flugzeugen reserviert werden, um die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass weite Teile der dünn besiedelten Eifel als Tieffluggebiet (LLFA für Low Level Flying Area) ausgewiesen sind. Doch auch in diesen Gebieten, von denen es in den Ardennen insgesamt fünf gibt, sollen zwischen dem 1. Juni und dem 15. September normalerweise keine Tiefflüge stattfinden. Ebenso sind die Wochenenden und Feiertage tabu. An Wochentagen sollen Kampfjets nur zwischen 9.30 und 12 Uhr sowie zwischen 13.30 und 17 Uhr eingesetzt werden.

Die Zahl der Tiefflugübungen wurde drastisch reduziert.

Nachdem die Beeinträchtigungen durch Übungsflüge von Kampfjets auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, aber auch noch bis in die 90er Jahre hinein, massiv zugenommen und in Teilen der Bevölkerung für große Verärgerung gesorgt hatten, entschied die Armee nach dem Jahrtausendwechsel, die Zahl der Tiefflüge unterhalb von 1.000 Fuß, sprich 300 Metern Flughöhe, deutlich zu reduzieren. Viele dieser Übungen wurden zudem in der Zwischenzeit nach Kanada, Marokko oder Norwegen verlegt.

Im Einzugsgebiet des Lagers Elsenborn ist laut dem gutnachbarschaftlichen Abkommen mit den Anrainergemeinden von maximal zehn Flugtagen alle vier Jahre, also durchschnittlich 2,5 Trainingstagen pro Jahr, die Rede. „Das ist sicherlich vertretbar, wenn die entsprechenden Übungszeiten auch tatsächlich eingehalten werden“, so Büllingens Bürgermeister Friedhelm Wirtz, bei dem sich in dieser Woche wieder mehrere Bürger über spätabendlichen Kanonendonner aus dem Lager Elsenborn beschwert haben. „Am Montagabend wurde der letzte Schuss um 23.35 Uhr abgegeben. Das ist zwar rechtlich in Ordnung, weil Schüsse in der sogenannten roten Zone an diesem Montag und Dienstag bis Mitternacht erlaubt sind, jedoch kann ich den Frust der Menschen verstehen, die um ihre Nachtruhe gebracht werden.“ Major Pascal Thunus kündigt unterdessen für den Herbst eine Informationsversammlung für die Bevölkerung an. „Die Kommunikation über die Aktivitäten auf dem Platz ist nicht zuletzt wegen Corona, aber auch wegen der Umstrukturierung im Lager etwas auf der Strecke geblieben. Das möchten wir wieder verbessern.“

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