Begleitet wird der Start des neuen Angebots durch eine Imagekampagne des DG-Ministeriums, denn Landwirte haben nicht immer den besten Ruf. Von Massentierhaltung ist die Rede und von der Verunreinigung der Umwelt. Hinzu kommt, dass der Job sehr zeitintensiv ist. Schwarz-Weiß-Malerei war aber noch nie hilfreich. „Die Realität der Landwirte sieht anders aus. Besonders im Grünland Ostbelgien“, weiß Bio-Landwirt David Meyer aus Herresbach. „Kritische Fragen sind gut, aber es gibt auch viel Unkenntnis“, ergänzt die Kollegin Elena Theissen aus Manderfeld.
Junglandwirte treten imageschädigenden Klischees entgegen.
In der dreiteiligen Porträt- reihe „Leben, Liebe, Landwirtschaft MUH-tig in die Zukunft“ erzählen die beiden Junglandwirte und der selbstständige landwirtschaftliche Dienstleister Christoph Baum aus Eynatten, wie sie ihren Beruf tagtäglich erleben. Anhand ihrer persönlichen Geschichten wird deutlich, dass der Beruf des Landwirtes im Wandel ist. Und dieser Wandel ist dringend notwendig, denn etwa ein Drittel der ostbelgischen Hofinhaber wird in den nächsten 15 Jahren einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin suchen. Der Altersdurchschnitt der Landwirte liegt zurzeit bei über 50 Jahren. „Es liegt also im ureigenen Interesse der Landwirte, in der Ausbildung aktiv zu werden und dem Fachkräftemangel entgegenzutreten“, sagte Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) am Mittwochvormittag bei einem Pressetermin auf dem Hof von David Meyer in Herresbach.
Paasch hatte die Lebenswirklichkeit der Landwirte am eigenen Leib erfahren, als er vor drei Jahren einen Tag auf dem Bauernhof verbringen durfte. „Mit dem Alltag, den ich aus meiner Kindheit auf dem Hof meiner Großeltern kannte, hatte das nicht mehr viel zu tun.“
Dabei sei im Gespräch mit den Junglandwirten des Grünen Kreises die Idee aufgekommen, gezielt etwas f
ür die Imageförderung dieses in Ostbelgien immer noch eminent wichtigen Berufszweiges zu tun. „Der Ruf der Landwirte leidet schon sehr unter den genannten Klischees. Dabei gilt es zu verdeutlichen, dass diese Vorwürfe in Ostbelgien keine Grundlage haben, weil wir sehr viele kleine, überschaubare Familienbetriebe haben. Die Landwirte prägen unsere Naturlandschaft durch eine adäquate Landschaftspflege und legen sehr viel Wert auf das Tierwohl.“
Der Ministerpräsident untermauerte seine Ausführungen auch mit Zahlen. So bewirtschaften ostbelgische Betriebe durchschnittlich 50 Hektar und liegt der mittlere Rindviehbestand bei 110 Tieren. Insgesamt hielten die ostbelgischen Landwirte heutzutage weniger Vieh als vor drei oder vier Jahrzehnten. Damals seien noch 90.000 Rinder gezählt worden, im Jahr 2019 waren es nur noch 56.000.
In der ostbelgischen Landwirtschaft würden zudem im Vergleich zu anderen Regionen (so etwa im durch Acker- und Getreideanbau bzw. Viehzucht geprägten Nordrhein-Westfalen) kaum Pestizide eingesetzt. Nicht zuletzt kämen modernste Gerätschaften zum Einsatz und bei den meisten Landwirten sei die Ausübung des Berufs verbunden mit einer absoluten Leidenschaft und Liebe zur Natur. So sei in Ostbelgien zudem ein steigender Bio-Trend feststellbar. In den Gemeinden Amel und Büllingen werden bereits über 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet, „und über 90 Prozent der Tiere haben regelmäßig Weidegang“.
Kaum ein Beruf ist so abwechslungsreich und anspruchsvoll wie der des Landwirtes. Landwirte versorgen die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln wie Milch, Eier, Fleisch oder Getreide. Moderne Landwirte sind hochqualifizierte Fachkräfte. In der Ausbildung lernen sie, wie sie umweltgerecht und ressourcenschonend mit Boden, Pflanzen und Tieren sowie mit modernster Technik umgehen.
„Wegen der vielen Falschinformationen, die in den sozialen Netzwerken kursieren, wissen viele Leute nicht mehr, was wir wirklich machen“, sagt David Meyer. Er selbst sei sehr auf eine klimafreundliche und ökologische Landwirtschaft bedacht. Die Fütterung der Tiere erfolge möglichst mit eigenem Futter. „Auf Antibiotika wird weitgehend verzichtet, es sei denn, das Tier ist krank und soll nicht leiden. Neben dem Tierwohl sei auch der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ein wichtiges Thema.
Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) betonte, dass die neue Lehrlingsausbildung zum Landwirten keinesfalls als Konkurrenz, sondern als komplementäres Angebot zur bereits bestehenden berufsbegleitenden und schulischen Aus- und Weiterbildung im Bereich der Landwirtschaft angesehen werden müsse. „Vielmehr erhoffen wir uns, neue Zielgruppen für den Beruf begeistern zu können. Warum nicht junge Erwachsene, die vielleicht schon das Abitur in der Tasche haben?“
Die Lehrlinge werden den praktischen Teil der Ausbildung in ostbelgischen landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieben absolvieren, während der theoretische Teil der Ausbildung an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen stattfindet.
Potenzielle Ausbildungsbetriebe können sich melden.
Die pädagogische Beraterin des IAWM, Christiane Weling, wies in diesem Zusammenhang ebenfalls auf die Sommerschnupperwochen hin, die vom 28. Juni bis 16. Juli stattfinden werden. „Sie sind natürliche eine optimale Gelegenheit, um die Arbeit auf dem Hof kennenzulernen.“ Das IAWM sucht indes noch nach Ausbildungsbetrieben. „Für Landwirte mit Betriebserfahrung ist die Anerkennung als Ausbildungsbetrieb relativ hürdenlos. Die meisten haben im Rahmen ihrer Ausbildung zum Betriebsleiter ohnehin bereits den pädagogischen Teil belegt oder können diesen gegebenenfalls noch nachholen.“ Am 1. Juli beginnt die Lehrvertragsperiode, während der die Interessentinnen und Interessenten sich für eine duale Ausbildung in Ostbelgien einschreiben können.

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