Clarinval in Malmedy: „Corona-Hilfen sind weiter erforderlich“

Der Geschäftsmann Stéphan Heinen, Miteigentümer des Malmedyer Eiswürfelherstellers Cubiglace, ist es von Berufs wegen gewohnt, sich in eiskalter Umgebung aufzuhalten. Dennoch wurde auch er bzw. sein Unternehmen von der Coronakrise kalt erwischt. „Wir sind mit unserem Geschäft größtenteils auf die Veranstaltungsbranche und den Horeca-Sektor angewiesen. Mit anderen Worten: Im März vergangenen Jahres ist unser Business praktisch von heute auf morgen zum Stillstand gekommen.“

Eiswürfelhersteller Cubiglace wurde als Zulieferer doppelt bestraft.

Was die Sache aus seiner Sicht aber noch viel schlimmer machte, war die Tatsache, dass sein Unternehmen, das er mit seinen Geschäftspartnern Vincent Maraite und Christian Mignon vor acht Jahren von Firmengründer André Dumoulin übernommen hat, fast vollständig durch das Netz der Corona-Beihilfen gefallen ist. „Wir haben lediglich eine Überbrückungshilfe von der Ostbelgieninvest erhalten, sind ansonsten aber bei den Kapitalbeihilfen komplett leer ausgegangen.“

Für Minister David Clarinval ist Cubiglace „der klassische Fall eines Unternehmens, das als Zulieferer des Veranstaltungs- und Horeca-Sektors doppelt durch die Krise bestraft wurde“. Das Malmedyer Unternehmen beschäftige zwar sehr wenig Personal, habe aber beträchtliche Fixkosten. „Wenn die Banken in einer solchen Ausnahmesituation nur zögerlich oder gar keine Überbrückungskredite gewähren, sind gravierende bis existenzielle Probleme für ein Unternehmen vorprogrammiert“, so der liberale Politiker aus Bièvre.

Während allerorts mit dem Fortschreiten der Impfkampagne und den bereits eingetretenen und noch bevorstehenden Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen die Hoffnung auf ein baldiges Anspringen der Konjunktur aufkeimt, so fällt diese aus Sicht von Stéphan Heinen noch viel zu zaghaft aus. Der Horeca-Sektor fährt nach der Wiedereröffnung der Außengastronomie noch nur mit halber Kraft und im Veranstaltungsgewerbe sind die Perspektiven vorbehaltlich weiterer Öffnungsschritte noch zu schwammig, um von einer baldigen Normalisierung der Lage zu reden. „Ohne frisches Kapital droht die Situation für viele Unternehmen in der Tat untragbar zu werden“, räumt David Clarinval ein. Was die Direkthilfen an die Unternehmen betreffe, sei natürlich die Wallonische Region gefragt. „Die Zulieferer wurden zwar nicht gezwungen zu schließen, jedoch blieb ihnen wegen des Wegfalls ihrer Absatzmärkte keine andere Wahl. Auf föderaler Ebene haben wir uns deshalb dafür eingesetzt, dass Selbstständige, die unverschuldet schließen mussten, das doppelte Überbrückungsrecht in Anspruch nehmen können.“

Clarinval bekräftigte bei seinem Besuch in Malmedy, dass man alles dafür tun müsse, damit sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Unternehmen wieder so schnell wie möglich verbessern. Dennoch habe sich die Regierung dafür ausgesprochen, Corona-Unterstützungsmaßnahmen wie das Überbrückungsrecht oder die Kurzarbeit bis Ende September zu verlängern. Viele Unternehmen stünden schlicht und einfach noch auf zu wackligen Füßen, um sie bereits Ende Juni ihrem Schicksal zu überlassen. „Insbesondere im Veranstaltungsbereich brauchen die Anbieter eine gewisse Planungssicherheit. Größere Events lassen sich schließlich nicht von heute auf morgen, sondern nur mit einem gewissen Vorlauf auf die Beine stellen“, so der Minister.

Für eine Gleichschaltung der Sperrstunde in der Gastronomie

Im Anschluss unterhielt sich David Clarinval auf der Terrasse des beliebten Malmedyer Cafés „Scotch Inn“ mit dessen Inhaber Pascal De Backer. Ein Thema war hier natürlich die Sperrstunde in der Gastronomie. Wie berichtet dürfen Gaststätten ihre Innenbereiche ab dem 9. Juni wieder öffnen, müssen diese aber um 22 Uhr wieder schließen, während die Terrassen bis 23.30 Uhr (bisher 22 Uhr) geöffnet bleiben dürfen. Der Mittelstandsminister unterstützt nach eigenen Angaben die Forderung des Gaststättengewerbes nach einer Gleichschaltung. „Darüber wird vor dem Konzertierungsausschuss am Freitag noch zu reden sein.“

Pascal De Backer befürchtet wegen der zweigleisigen Regelung Umsatzeinbußen, insbesondere während der Fußball-EM, aber auch Spannungen unter den Gästen. „Das muss nicht sein, zumal wir in der Coronakrise bereits genug gebeutelt wurden.“ Abschließende Stationen des Ministerbesuchs in Malmedy waren der Kinokomplex Movie Mills und das My Hotel.

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