Dicke Luft und viele Fragen im ZAWM St.Vith

<p>Der Direktor ist seit einem Jahr krank, der stellvertretende Direktor hat zum Ende des Schuljahres gekündigt, der Leiter des Weiterbildungsbereichs hat sich beruflich umorientiert: Im ZAWM gibt es viele personelle Fragen. Foto: GrenzEcho</p>
Der Direktor ist seit einem Jahr krank, der stellvertretende Direktor hat zum Ende des Schuljahres gekündigt, der Leiter des Weiterbildungsbereichs hat sich beruflich umorientiert: Im ZAWM gibt es viele personelle Fragen. Foto: GrenzEcho

Seit mittlerweile fast einem Jahr ist der langjährige Direktor des St. Vither Zentrums für Aus- und Weiterbildung im Mittelstand (ZAWM), Erich Hilger, wegen Krankheit nicht im Dienst. Sein Stellvertreter und diensttuender Direktor Thomas Niederkorn hat nach GrenzEcho-Informationen gekündigt und wird das Zentrum zum Ende des Schuljahres verlassen. Der Leiter des Weiterbildungsbereichs, Erni Mreyen, hat sich dem Vernehmen nach ebenfalls beruflich umorientiert.

Lehrerschaft bat Verwaltungsrat um eine Stellungnahme.

Nach GE-Informationen wollte er kündigen, nachdem er Ende April die Zusage seines neuen Arbeitgebers erhalten habe. Doch quasi zeitgleich sei er seitens der Führung des ZAWM überraschend freigestellt worden und habe dabei eine mehrmonatige Kündigungsentschädigung erhalten.

Dies sind dann wohl auch die „internen Umstrukturierungen“ bzw. der Grund dafür, warum in den nächsten Monaten keine neuen Weiterbildungen angeboten werden, wie auf der Webseite des ZAWM St.Vith zu lesen ist. Die Kündigung des stellvertretenden Direktors und die Freistellung des Weiterbildungsverantwortlichen hat offenbar in großen Teilen der Lehrerschaft endgültig das Fass zum Überlaufen gebracht und diese dazu veranlasst, den Verwaltungsrat um eine Stellungnahme zu bitten. Dies bestätigten dem GrenzEcho mehrere Quellen, die aus verständlichen Gründen nicht namentlich genannt werden möchten.

Letzte Woche sei es zu einer Begegnung zwischen zahlreichen Lehrern, Vertretern der Präsidien der ZAWM-Verwaltungsräte und des IAWM gekommen, bei dem neben der Personalentwicklung auf Direktionsebene vor allem auch Fragen zur Zukunft der Einrichtung gestellt worden seien.
Diese Versammlung soll nicht zur Zufriedenheit von Großteilen des Personals verlaufen sein und vor allen Dingen weit entfernt von dem, was man sich als konstruktiven Dialog vorstellt.

Nach den Informationen, die dem GrenzEcho vorliegen, sollen mehrere Lehrkräfte ernsthaft in Erwägung ziehen, im kommenden Schuljahr nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Auch in der Verwaltung des Zentrums gebe es aufgrund der Situation Langzeitkranke bzw. Ausfälle wegen Burnouts.
Die Problemlage scheint also komplex und die Baustellen vielfältig. Zum 1. Juli sollen die beiden ZAWM in Eupen und St.Vith auf administrativer Ebene fusionieren. Dies ist schon länger bekannt und wird von einer Arbeitsgruppe mit Verwaltungsratsmitgliedern beider Zentren und des IAWM vorbereitet, der Taskforce.

Die Fusion selbst werde von den Personalmitgliedern nicht wirklich in Frage gestellt, nur die Art und Weise, wie dieser Prozess ablaufe. Entscheidungen der Taskforce laufen den Aussagen hinter vorgehaltener Hand zufolge weitgehend hinter verschlossenen Türen ab. Direktion, Personal und Lehrkörper seien nicht genügend in den Prozess einbezogen, sondern nur oberflächlich oder gar nicht informiert.

In St.Vith stellen nun offenbar viele Leute die Frage, wie die Zukunft des Zentrums aussehen soll und welche Rolle der Standort künftig noch spielen wird. Nach den Aussagen unserer Gesprächspartner sei die St.Vither Niederlassung sowohl finanziell als auch pädagogisch bisher sehr gut aufgestellt gewesen. Durchgedrungen ist mittlerweile, dass es neben zwei pädagogischen Direktoren an den beiden Niederlassungen einen übergeordneten Direktor geben soll. Während die Besetzung der beiden Direktorenstellen nach den jüngsten Personalentwicklungen zumindest in der Eifel mehr als fraglich ist, wird für den Posten des übergeordneten Direktors immer wieder der Name Ludwig Bastiaansen genannt. Eine Bestätigung gibt es dafür aber nicht. Der 61-Jährige hatte zuletzt als Interimsdirektor der Klinik St. Josef fungiert.
Neben der mangelnden Transparenz in dem sogenannten Change Prozess zur Erarbeitung der neuen Struktur scheint zudem das Tischtuch mit dem langjährigen Direktor Erich Hilger komplett zerschnitten. Mehrere ZAWM-Mitarbeiter und Lehrpersonen zeigten sich in höchstem Maße erschrocken, in welches Licht Hilger von den führenden Kräften des Zentrums gerückt werde. Hilger hat das Zentrum knapp 30 Jahre geleitet.

Lehrer wünschen schon lange ein verbindliches Statut.

Seiner Krankschreibung vorausgegangen waren nach übereinstimmenden Aussagen Unregelmäßigkeiten in administrativen Prozessen, die von der Staatsanwaltschaft untersucht wurden. Das Verfahren sei mangels eines schuldhaften Verhaltens jedoch eingestellt worden. Aus juristischer Sicht schienen die Vorwürfe gegen Erich Hilger also augenscheinlich irrelevant. In der Lehrerschaft herrscht darüber hinaus schon länger Unmut, da die Ausübung dieser Tätigkeit auf Honorarbasis erfolgt und ein Großteil der Lehrer sich ein verbindlicheres Statut und mehr Planungssicherheit wünschen würde. Auch dies dürfte bei den Fusionsgesprächen Thema sein. Wie Manfred Weber, seit 2011 Verwaltungsratspräsident des ZAWM St.Vith, dem GrenzEcho auf Anfrage erklärte, soll noch vor Ende des Schuljahres eine Pressekonferenz stattfinden, bei der die Fusion der Öffentlichkeit präsentiert wird. Der Zusammenschluss zum 1. Juli ist wohlgemerkt „nur“ auf administrativer Ebene geplant und soll den pädagogischen Bereich nicht betreffen.

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