Pflegefamilien in der Eifel gesucht

<p>Der Pflegefamiliendienst der Deutschsprachigen Gemeinschaft startet einen Aufruf, um Paten- und Pflegefamilien im Süden Ostbelgiens zu finden.</p>
Der Pflegefamiliendienst der Deutschsprachigen Gemeinschaft startet einen Aufruf, um Paten- und Pflegefamilien im Süden Ostbelgiens zu finden. | Foto: dpa

Allein seit Anfang des Jahres hat der Pflegefamiliendienst Anfragen für die Aufnahme von acht Kinder erhalten. Beim Vorbereitungsseminar im Frühjahr kam der Großteil der Bewerber aus dem Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Um auch Kindern aus der Eifel diese Hilfen ermöglichen zu können, werden nun besonders Interessentinnen und Interessenten aus dem Süden Ostbelgiens gesucht.

Der Bedarf in den Eifelgemeinden existiert, doch fehlt es aktuell an Pflege- und Patenfamilien.

In der Vergangenheit gab es tendenziell mehr Anfragen aus dem Norden der Gemeinschaft, weil in der Eifel die Familienstrukturen oft eine Unterbringung bei Familien und Freunden ermöglichte. Doch wie Michael Mertens vom Pflegefamiliendienst auf Nachfrage erklärt, sei der Bedarf auch in den fünf Eifelgemeinden gegeben, weshalb nun dieser Aufruf gestartet wird.

Die räumliche Nähe zum Wohnort ist wichtig bei Patenschaften, um die Fahrzeiten bzw. die Distanzen möglichst gering zu halten. Bei zeitlich befristeten Unterbringungen, beispielsweise aufgrund einer Krankheit der Eltern, sollte es den Kindern möglich bleiben, ihre gewohnte Schule zu besuchen, ihren Hobbys nachzugehen und ihre Freunde weiterhin zu treffen.

Bei Pflegschaften, die auf Dauer angelegt sind, ist die räumliche Nähe zum Elternhaus nicht maßgebend. Hier werden die Pflegekinder Teil der Familie und verlagern ihren Lebensmittelpunkt ganz in die Pflegefamilie.

Bei Patenschaften ist die räumliche Nähe wichtig.

Die Gründe, warum die Kinder nicht mehr in ihren Ursprungsfamilien leben können, sind ganz unterschiedlich. Das kann von einer kurzzeitigen Überforderung der Eltern, über Vernachlässigung oder seelische und körperliche Misshandlung gehen. Darum sucht der Pflegefamiliendienst Eltern für verschiedene Formen der Pflegschaft.

Pflegefamilien nehmen Kinder bei sich auf, wenn sie vorübergehend oder dauerhaft nicht von ihren leiblichen Eltern versorgt, betreut und erzogen werden können. Die Pflegeeltern sind für die Erziehung und Alltagsgestaltung der Kinder verantwortlich. Die Kinder sehen ihre leiblichen Eltern im Rahmen von organisierten Besuchskontakten. Bei der Unterbringung sind Pflegekinder oft noch sehr jung. Manchmal werden auch für mehrere Geschwister Familien gesucht.

Paten betreuen ihre Patenkinder etwa an jedem zweiten Wochenende und in Ferienzeiten. Sie entlasten die Eltern und werden eine wertvolle Ressource für die Kinder. Paten(familien) sind sozusagen ein Anker im Alltag. Hier erfahren die Kinder kleine Auszeiten und wertvolle Impulse für ihre Entwicklung. Sie behalten ihren Lebensmittelpunkt aber in ihrer Familie. Patenschaften eignen sich für Kinder ab dem Kindergartenalter. „Nehmen wir das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter, die isoliert mit ihrem Einzelkind lebt. In diesem Fall kann es positiv für die Entwicklung des Kindes sein, wenn es in ein anderes soziales Umfeld kommt. Das Angebot wird von den betroffenen Eltern wertgeschätzt, was positiv ist“, erklärt Michael Mertens.

Wer ein Kind bei sich aufnimmt, erhält eine Aufwandsentschädigung. Pflege- und Patenfamilien werden vor der Aufnahme eines Kindes ausführlich geschult. Aufgrund der Corona-Einschränkungen fand der Großteil des Seminars Anfang 2021 online statt. Inhalte, die online nicht vermittelt werden konnten, wurden in Kleingruppen besprochen. Ob die nächsten Seminare wieder in der Gruppe stattfinden können, hängt von der Entwicklung der Lage ab. Doch auch online erhalten die Bewerberinnen und Bewerber alle nötigen Infos und Raum für Fragen und Austausch, wie eine Teilnehmerin bestätigt: „Ich bin mit vielen Fragezeichen hierhergekommen und umfassend informiert worden. Es wurde viel geboten, jetzt müssen wir gucken, was die Zukunft bringt. Ich bin erstaunt, wie viel Mühe man sich gibt, aber die Kinder sind es wert.“

Zuletzt konnten sieben Kinder ein neues Zuhause finden.

Am Vorbereitungsseminar im Frühjahr haben vier Paare und sechs Einzelpersonen teilgenommen. Für sieben Kinder konnten diese gerade erst anerkannten Pflegefamilien bereits eine neue Perspektive schaffen. In diesem hofft der Pflegefamiliendienst, dass weitere Menschen ihr Herz öffnen und ein zweites Zuhause für Kinder anbieten möchten. (red/ab)

Interessierte Familien, Paare und Einzelpersonen können beim Pflegefamiliendienst ein unverbindliches Informationsgespräch vereinbaren unter

Tel. 087 596 402 oder pfd@dgov.be.

www.ostbelgienfamilie.be/pflegefamilie

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