Gemeinde Raeren dreht Wirt den Zapfhahn zu

<p>Nach Vertragsende mit dem aktuellen Wirt Peter Schuller sollen sich die Vereine selbst um das Café kümmern.</p>
Nach Vertragsende mit dem aktuellen Wirt Peter Schuller sollen sich die Vereine selbst um das Café kümmern. | Foto: Petra Frösch

„Plötzlich und aus heiterem Himmel kam der Bürgermeister und hat die Kündigung überreicht“, beklagt sich Peter Schuller. Der begeisterte Tischtennisspieler betreibt das Café in der Sporthalle Bergscheid seit acht Jahren. Zuvor war er in Eupen der Wirt des „A ge Pömpke“ an der Klötzerbahn.

„Die Gemeinde will nur Geld sparen“, vermutet Wirt Peter Schuller.

Im noch laufenden Vertrag mit der Gemeinde Raeren enthalten ist die kostenlose Wohnung, die mit der Verpflichtung verbunden ist, die Sporthalle sauber zu halten. Schuller räumt anonyme Beschwerden betreffend mangelnde Hygiene ein. Umgehend habe er nach Abmahnungen die Vertreter der Gemeinde eingeladen, sich selbst vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen. Tatsächlich habe sich aber niemand blicken lassen, um zu überprüfen, ob die Anschuldigungen begründet sind. „Die Gemeinde will nur Geld sparen“, vermutet er. Statt der Kneipe soll es lediglich noch zwei Getränkeautomaten geben. „Was für ein erbärmliches Bild“, beklagt er sich.

Schuller schwärmt von der belgischen Feierkultur. „Wenn eine Meisterschaft in der Wallonie stattfindet, kann es sein, dass die Tischtennisplatten im letzten Schuppen stehen, aber das Buffet und die Bierauswahl hinterher sind vom Feinsten.“ Fehle die Kneipe, finden die wallonischen Gäste in der Gemeinde Raeren nur Automaten vor, beklagt sich der Wirt. Hinzu komme, dass die Kneipe zum sozialen Leben im Viertel beitrage.

Verstöße gegen irgendwelche Auflagen oder Vertragsbedingungen habe er nicht begangen, betont er. „Wir sind seit Monaten im Lockdown. Wie soll ich gegen etwas verstoßen haben?“, fragt er sich.

In einer Stellungnahme der Gemeinde Raeren heißt es, dass für die Vergabe einer Konzession der „gesetzeskonforme Betrieb, auch zu Coronazeiten“ unabdingbar sei.

Tatsächlich ist das Facebook-Profil Peter Schullers ein nur schwer verdauliches Sammelsurium gängiger Verschwörungserzählungen. Hier ist von „Plandemie“ und „Fake-Pandemie“ die Rede. Corona sei sechs Monate vor Ausbruch von der deutschen Bundeskanzlerin geplant worden, heißt es in einem anderem Facebook-Post Schullers. Dort spukt die vermeintliche „Neue Weltordnung“ herum, durch PCR-Tests würde „menschliche DNA gesammelt“, auch outet er sich als Fan des QAnon-Kults (Gruppierung, die Verschwörungstheorien mit rechtsextremem Hintergrund verbreitet, A.d.R.) und als Impfgegner. Selbstverständlich tauchen auch die Illuminaten und sogar handfester Antisemitismus auf. „Werbung für Trump und QAnon machen, und von Moral und Ethik sprechen. Genau mein Humor“, kommentiert ein Facebook-User unter einem der Posts.

Schon deshalb ist es durchaus möglich, dass Peter Schuller beispielsweise auf die Maskenpflicht nicht so geachtet hat, wie er verpflichtet ist. Angeblich soll er Besucher mit Maske verspottet haben. Auch von angeblichen Verstößen gegen das Rauchverbot ist die Rede. „Meine, wie Sie sagen, ‚unorthodoxe Meinung‘ stört in meiner Kneipe niemanden“, sagte Schuller gegenüber dem GrenzEcho. „Jeder hat seine Meinung und gut ist. Man kann trotzdem ein Bier zusammen trinken“, ist er überzeugt.

Vereine sollen den Ausschank künftig aufrecht erhalten.

In der Vergangenheit habe es jedenfalls diverse massive Regelverstöße gegeben, heißt es seitens der Gemeinde. Neben den Verstößen gegen die pandemiebedingten Hygieneschutzmaßnahmen weist die Gemeinde auch auf den „Unterhalt, Erhalt und die Pflege der gemeindeeigenen Infrastruktur“ und eine „Willkommenskultur auch für nicht einheimische Gäste“ hin. Die Beanstandungen seien hinreichend dokumentiert. Es habe diverse Begehungen und Gespräche gegeben, heißt es seitens der Gemeinde. Die Missstände seien nicht behoben worden.

Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) betont, dass die Entscheidung der Gemeinde auf breiten Schultern ruhe. Sowohl das Kollegium als auch der Sportrat haben sich für die Kündigung ausgesprochen. „Feiern können die Sportgäste freilich auch in Zukunft“, betonte das Gemeindeoberhaupt. Allerdings sollen jetzt die Vereine profitieren, indem sie selbst das Café betreiben und somit nicht nur an den Eintrittspreisen, sondern auch anteilig an den Getränken verdienen. Die Cola-Automaten seien lediglich für den alltäglichen Trainingsbetrieb gedacht.

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