Eine Schöffin auf Abwegen

<p>Der Raerener Gemeinderat tagt seit einigen Monaten im Bergscheider Hof.</p>
Der Raerener Gemeinderat tagt seit einigen Monaten im Bergscheider Hof. | Archivfoto: Ralf Schaus

Minutenlang relativierte Esfahlani-Ehlert Entwicklungen, negierte Fakten und propagierte nachweislich falsche Informationen. Das allein mag man seltsam, sogar ziemlich abgehoben finden, doch außer einer gehörigen Portion Mitleid – und eines maßgeschneiderten Aluhuts – dürfte man ihr hierfür nichts mit auf den Weg geben.

Als deutlich schwerwiegender erweist sich jedoch, dass Esfahlani-Ehlert bewusst diesen Schritt wählte, um ungefragt, aber öffentlichkeitswirksam ihre Corona-Verharmlosungen loszuwerden. Dafür nutzte sie gezielt die Verabschiedung einer Prämien-Vergabe für krisengeplagte lokale Betriebe. Sie kaperte eine für so manchen Raerener existenziell wichtige Unterstützung, um ihren selbst gesponnenen „Erkenntnissen“ eine größtmögliche Plattform zu bieten.

Vor allem – und das ist der springende Punkt – tat sie dies nicht als Privatperson, sondern als Schöffin der Gemeinde Raeren. Ein Amt, das ihr die Verantwortung für die Bereiche Gesundheit, Familien, Senioren und Soziales zuweist. Eine Position innerhalb des Gemeindekollegiums, die stärker als andere auf die Fürsorge für Mitmenschen ausgerichtet ist. Diese Pflicht lässt sie geflissentlich außen vor, indem sie mit ihrem „Corona-Rundumschlag“ die Sorgen und Ängste dieser Menschen mit Füßen tritt. Das ist der eigentliche Eklat. Heike Esfahlani-Ehlert hat das ihr anvertraute öffentliche Amt zur persönlichen Profilierung missbraucht.

Dass sich die „Noch-Schöffin“ bei der aufflammenden Kritik hinter der Meinungsfreiheit versteckt, entbehrt da nicht eines gewissen Hohns. Gerade sie, die bewusst die geltenden Regeln des Gemeinderats aushebelte und für sich die Deutungshoheit beansprucht, verlangt jenen Respekt, den sie anderen abspricht. Verkehrte Welt und ein Ritt in die politische Sackgasse.

So sehen es zum Glück alle Fraktionen im Raerener Gemeinderat. Sie wollen dieses Fehlverhalten nicht durchgehen lassen. Mit ihrer Rücktrittsforderung setzen sie dort an, wo eine Handhabe besteht. Denn an ihrem skurrilen Corona-Weltbild kann Esfahlani-Ehlert durchaus weiter festhalten, an ihrem Amt als Schöffin jedoch nicht.

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