Kopfschütteln im Gemeinderat: Raerens Sozialschöffin wittert „Corona-Manipulation“

<p>Sorgte mit ihrer Einschätzung zur Corona-Lage am Donnerstag für einen Eklat im Raerener Gemeinderat: Schöffin Heike Esfahlani-Ehlert.</p>
Sorgte mit ihrer Einschätzung zur Corona-Lage am Donnerstag für einen Eklat im Raerener Gemeinderat: Schöffin Heike Esfahlani-Ehlert. | Foto: GrenzEcho-Archiv

Als der Raerener Gemeinderat am Donnerstagabend so eben die Prämien genehmigt hatte, die lokalen Betrieben der Horeca- und Tourismusbranche zur Abfederung der Coronakrise dienen sollen, war die Tagesordnung eigentlich erschöpft. Eigentlich. Denn Sozialschöffin Heike Esfahlani-Ehlert, die als einziges Gemeinderatsmitglied gegen diese 250.000 Euro schweren Maßnahmen votiert hatte, die Raeren von der Deutschsprachigen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden, bat um das Wort. Sie wolle ihr Votum ausführlich begründen, erklärte die Ecolo-Politikerin - und setzte dann zu einem zehnminütigen Monolog an. Das vermeintliche Ziel ihres Redebeitrags erläuterte sie einleitend: „Nach acht Monaten (...) sollten wir uns endlich die Fakten über das angebliche Killervirus vor Augen führen.“

Ihre gewonnenen „Erkenntnisse“ wurden zu einer Generalabrechnung mit dem Corona-Management.

Erstens: „Der Verlauf von Covid-19 folgte dem Verlauf einer normalen Infektionswelle - ähnlich einer Grippesaison. (...) Es gab im Winter/Frühjahr 2020 nichts signifikant Auffälliges, was von dem abweicht, was wir normalerweise sehen.“

Zweitens: „Die Sterblichkeitsrate erwies sich um ein Vielfaches niedriger als vorhergesagt. Sie lag bei der einer normalen saisonalen Grippe (0,2 Prozent).“

Drittens: „Die tatsächlichen Corona-Todeszahlen sind um ein Vielfaches geringer als offiziell gemeldet, denn es besteht ein Unterschied zwischen an und mit Corona gestorben. (...) Außerdem muss man die Tatsache berücksichtigen, dass die meisten Menschen, die Symptome entwickeln, unter einer zusätzlichen Krankheit litten, sodass man nicht einfach schlussfolgern kann, dass ausschließlich eine Infektion mit Sars-Cov-2 die alleinige Todesursache sei. Obduktionen, die Klarheit über die Todesursache verschaffen würden, wurden nicht oder nur sehr begrenzt durchgeführt.“

Viertens: „Die am stärksten gefährdeten Personen sind klar identifizierbar. Die überwiegende Mehrheit der verstorbenen Menschen war 80 Jahre alt oder älter. Die Mehrheit der Verstorbenen, die jünger als 70 Jahre waren, hatten eine Grunderkrankung. (...) Die überwiegende Mehrheit der positiv Getesteten erkrankten nicht oder nur kaum oder erholten sich schnell.“

Fünftens: „Inzwischen gibt es für diejenigen, die schwere Krankheitssymptome zeigen, eine sichere und wirksame medikamentöse Therapie. Durch die Gabe unter anderem von Blutverdünnern und der Verzicht auf eine künstliche Beatmung, die sich - wie sich herausstellte - zu einer zusätzlichen Schädigung des Lungengewebes führte, kann die gefürchtete Komplikation eines akuten Atemnotsyndroms verhindert werden. Es handelt sich also nicht um ein tödliches Killervirus, sondern um eine inzwischen gut behandelbare Erkrankung. Von der Politik und den Medien wird diese Tatsache jedoch ignoriert. Stattdessen wird ein unerbittliches Bombardement mit Zahlen auf die Bevölkerung losgelassen - ohne diese Zahlen zu interpretieren, ohne sie mit Todesfällen aufgrund anderer Erkrankungen in Bezug zu setzen. Dies hat den Charakter einer Manipulation und hat in der Bevölkerung eine regelrechte Psychose der Angst ausgelöst. Die in der Vergangenheit getroffenen und derzeitigen Corona-Maßnahmen sind nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert, einseitig ausgerichtet und unverhältnismäßig. Das heißt, sie richten mehr Schaden als Nutzen an. (...) Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem verhängten Lockdown und dem Verlauf der Infektionen. Der Lockdwon führte nicht zu einer signifikant niedrigeren Sterblichkeitsrate.(...) Der Rückgang war also nicht die Folge der ergriffenen Maßnahmen.“

Spätestens an diesem Punkt des Monologs hielt es die Vertreter der CSL nicht mehr auf ihrem Stuhl, sie verließen kopfschüttelnd den Saal. Heike Esfahlani-Ehlert kommentierte dies mit den Worten: „Das ist mal wieder typisch. Da ist überhaupt keine Diskussionbereitschaft.“ Wobei man sich angesichts des minutenlangen Vortrags die Frage stellen durfte: Welche Diskussion?

Die Reaktion von CSL-Sprecher Mario Pitz: „Als Sozialschöffin so etwas zu verlesen: Das ist unterste Schublade. Jeder von uns im Raum kennt Menschen, die an dieser Krankheit leiden und vielleicht auch daran sterben werden. Und ich frage mich, ob sie diesen Menschen auch ihren Text vorlesen würden.“

Die Kritisierte zeigte sich hiervon unbeeindruckt, wurde jedoch von Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) ausgebremst. Er stoppte „Heikes Plädoyer“, da dies inhaltlich nicht zum abgestimmten Tagesordnungspunkt passe. Der derzeitige Blick in die Krankenhäuser, so Güsting, zeige, „dass wir es nicht mit einer kleinen Grippe zu tun haben“. Raerens Erster Schöffe, Ulrich Deller (Ecolo), sprang Erwin Güsting zur Seite, indem er seine Parteikollegin dazu aufforderte, sich an die Regeln zu halten und bei diesem Punkt nicht weiter vom Ursprungsthema abzuschweifen. Diese zeigte sich nur bedingt einsichtig, witterte indes das „Schwingen der Moralkeule“, doch ihre Corona-Offensive versandete an dieser Stelle. Mario Pitz, noch sichtlich empört über das kurz zuvor Geschehene, formulierte es abschließend deutlich: „Für so etwas kann man den Rücktritt der Sozialschöffin fordern.“

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