Krankenhäuser ziehen die Reißleine

<p>Auch das Lütticher Klinikum bereitet sich auf einen Ansturm von Covid-Patienten vor.</p>
Auch das Lütticher Klinikum bereitet sich auf einen Ansturm von Covid-Patienten vor. | Illustrationsfoto: Photo News

Kein Tag vergeht ohne neue Hiobsbotschaften angesichts der weiterhin steigenden Fallzahlen in Belgien. Bereits Ende dieser Woche könnte das Land auf einen Durchschnittswert von 10.000 neuen Corona-Fällen pro Tag zusteuern, erklärte der interföderale Sprecher, Yves Van Laethem, während der Pressekonferenz des Krisenzentrums und des Sciensano-Instituts für Volksgesundheit am Montagvormittag.

Sie möchten den kompletten Artikel lesen?
Bis zum 20.11: Zugang zu allen digitalen Inhalten bereits ab 1 € pro Monat
Jetzt bestellen
Bereits abonniert?

Kommentare

  • @Leonard,
    Wer eine saisonale grippe-ähnliche aber noch nicht heilbare Pandemie mit einem Ozean-Tsunami vergleicht, der vergleicht keine Äpfel mit Birnen, sondern Fahrradunfälle mit einem Flugzeugabsturz.

  • Zu einem Zeitpunkt, wo eine bis dato vermeintlich gelassene Sicht auf die Pandemieentwicklung auch unter Politikern, Virologen und Medizinern mehr und mehr einer sorgenvollen Haltung Platz macht, gibt es nach wie vor Stimmen, die in einer Herdenimmunität das probate „Konzept“ sehen, die Pandemie einzudämmen.

    Diese Stimmen sind nicht nur von Menschen zu hören, die in den bisherigen Maßnahmen zu Bekämpfung der Pandemie unzulässige Eingriffe in die individuellen Grund- und Freiheitsrechte sehen oder (wie Dr. Meyer und Co.) die Pandemie leugnen, sondern kürzlich erst von 3 Epidemiologen aus den USA und GB („Great-Barrington-Erklärung“).
    Die WHO und zahlreiche Virologen und Epidemiologen weltweit haben diesem Ansinnen vehement widersprochen.

    Da es zum jetzigen Zeitpunkt keine gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, ob es nach einer Infektion zur Immunität kommt und wie lange diese andauert, lässt sich über Herdenimmunität tatsächlich nur spekulieren.

    "Fangfrage: Wie viele zirkulierende respiratorische Viren kennen Sie, die Herdenimmunität verursacht haben?", fragte vor Kurzem ein Virologe auf Twitter. Der Forscher löst selbst auf: "Keine, sonst würden sie nicht zirkulieren. Viren passen sich an, um der Immunantwort auszuweichen oder sie zu verändern, um zu überdauern." (aus SPON 20.8 - Warum ist Herdenimmunität der falsche Weg)

    Selbst wenn es individuelle Immunität gäbe und Herdenimmunität möglich wäre, wie könnte sie dazu beitragen, die aktuellen Herausforderungen zu meistern, die darin bestehen, eine Überlastung der Gesundheitssysteme zu verhindern und möglichst wenige Opfer zuzulassen?

    Gar nicht! Ohne wirksame Medikamente und/oder einen Impfstoff für die Risikogruppen, die rund 30% der Bevölkerung umfassen, lässt sich ein solches Experiment mit Menschenleben nicht durchführen.
    Es sei denn, man ist bereit diese Menschen zu opfern oder sie weitgehend zu isolieren.
    Eine Antwort auf die Frage, wie letzteres zu bewerkstelligen sein soll, gibt es bisher von den Verfechtern der Herdenimmunität nicht.

    Die bisherigen Krankheitsverläufe haben zudem gezeigt, dass das Virus in geringeren Maße auch für vermeintlich gefeite junge und/oder gesunde Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellt. Von möglichen Spätfolgen auch bei einer eher leichten Erkrankung ganz abgesehen.

    Eine Herdenimmunität lässt sich nicht planen und erst recht nicht kurzfristig durchführen, will man, dass die Gesundheitssysteme nicht kollabieren.
    Zu welchen Situationen, Bildern und Opferzahlen dies führt, haben uns Bergamo im März und New-York im April gezeigt. Tatsächlich ist dort der Grad der Durchseuchung der Bevölkerung besonders hoch. Dennoch steigen in New York die Infektionszahlen wieder deutlich.

    Wer auf Herdenimmunität setzt, weil er nicht an den Erfolg der Impfstoffforschung glaubt oder gar Impfgegner ist, spielt eine zynische Lotterie mit Menschenleben.
    Ohne Impfstoff bleibt Herdenimmunität ein fatalistisches Konzept.

    ————

    Am 26. Dezember 2004 saßen Menschen am Strand von Khao Lak und schauten gelassen auf den Ozean. Verwundert waren sie, als das Meer sich zurück zog und erstaunt, als eine anrollende Welle Fischerboote in der Ferne verschlang.
    Einige liefen der Welle gar erwartungsvoll entgegen.
    Erst, als die Welle am Strand brach, erkannten die Menschen die Gefahr.
    Zu spät! Über 200.000 Menschen mussten dies in Südostasien an diesem Weihnachtstag mit ihrem Leben bezahlen.

    Wenn sich das Meer heute in Khao Lak unerwartet zurück zieht und eine neue Welle droht, wissen die Menschen, was zu tun ist.

Kommentar verfassen

2 Comments