Gegenwind von der Gemeinde für Windrad bei NMC in Eynatten

<p>Das Raerener Gemeindekollegium gab ein negatives Gutachten zur Windkraftanlage von Luminus auf einem Firmengelände im Gewerbegebiet Rovert.</p>
Das Raerener Gemeindekollegium gab ein negatives Gutachten zur Windkraftanlage von Luminus auf einem Firmengelände im Gewerbegebiet Rovert. | Fotos: David Hagemann

Die private Energie-Gesellschaft Luminus hatte kürzlich einen Bauantrag für eine Windkraftanlage auf dem Gelände des Unternehmens NMC im Gewerbegebiet Rovert in Eynatten gestellt. Das Gutachten der Gemeinde fiel nun ungünstig aus. Der Entschluss war einstimmig. Bevor man sich aber zu dieser Entscheidung durchgerungen habe, seien in den einzelnen Fraktionen heiße Diskussionen geführt worden. Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) hob bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag die beiden Punkte hervor, die aus Sicht der Gemeinde ausschlaggebend waren:

Zum einen würden bei dem Projekt die Referenzrahmen der Wallonischen Region und der Gemeinde Raeren nicht eingehalten. Die Gemeinde hatte erst 2019 eine Leitlinie verabschiedet, laut der nur Standorte für Windkraft unterstützt werden, die sich auf öffentlichen Parzellen befinden und einen Nutzen für die Kommune und ihre Bürger ergeben. „Das ist hier nicht der Fall“, so das Urteil von Erwin Güsting. Als zweites wichtiges Argument führt er ins Feld, dass die Windkraftanlage „negative Auswirkungen auf das Industriegebiet für viele Betriebe und Mitarbeiter“ birgt. Güsting erklärte: „Die Gefahrenanalyse ergibt, dass das Umstürzen der Anlage, das Herabstürzen der Kanzel mit dem Generator oder Rotorbruch und Eiswurf eine direkte Gefahr für die umliegenden Betriebe, Gelände und Verkehrswege mit sich bringt.“ Außerdem könnte das Windrad ein mögliches Ausdehnen bestehender Firmen oder das neue Hinzukommen weiterer Firmen verhindern. Kurzum: Für das Gewerbegebiet Rovert sei das Windradprojekt von Nachteil.

Erwin Güsting fügte hinzu, er persönlich sei auch froh, diese „unschöne Landmarke“ zu vermeiden. Abgesehen von diesem ästhetischen Gesichtspunkt wollten er und seine Mitstreiter es aber auch vermeiden, einen Präzedenzfall in der Gemeinde oder der gesamten DG zu schaffen. Es sei nicht wünschenswert, dass „Bewohner ihre Grundstücke vermieten, in der Hoffnung Geld damit zu machen und dann unzählige, einzelne Windräder aufgestellt werden“. Stattdessen bevorzugen die Mehrheitsfraktionen des Raerener Rates eine andere Vorgehensweise: „Wir befürworten kompakte Windparks mit beträchtlichen Abständen von Wohngebieten und Beteiligungsmöglichkeit zu Gunsten der Allgemeinheit unserer Gemeinde.“

<p>Auf dem weitläufigen Gelände des Unternehmens NMC sollte ein Windrad aufgestellt werden.</p>
Auf dem weitläufigen Gelände des Unternehmens NMC sollte ein Windrad aufgestellt werden.

Energieschöffe Ulrich Deller (Ecolo) unterstrich mehrmals, seine Fraktion sei naturgemäß für erneuerbare Energien. In diesem speziellen Fall sei es aber nicht vertretbar das Windrad an dieser Stelle zu errichten.

Auch von den Bürgern sind zahlreiche Beschwerden eingereicht worden. Eine Petition mit 1.300 Unterschriften und mehrere Hundert Einzelbeschwerden sind bei der Gemeinde eingegangen. Aus der Bevölkerung kamen beispielsweise Anmerkungen zu möglichen Lärmstörungen, Schattenschlag oder Infraschall. Auch das Argument sinkender Immobilienwerte trat auf, genau wie die Kritik an der Veränderung des Landschaftsbildes. „Wir nehmen den Sturm der Entrüstung aus der Bevölkerung sehr ernst“, so Deller, der den Punkt des Bürgernutzens in den Fokus rückte. Dieser sei bei dem Windpark, den die Gemeinde in Eigenregie am Raeren Wald plant, im Gegensatz zu dem Luminus-Projekt, gegeben.

Noch in diesem Jahr sollen die Lastenhefte ausgeschrieben werden. Hier kommt „alles den Raerenern zugute“. Dieser Windpark sei der Ecolo-Fraktion „sehr wichtig und müsse abgesichert werden“. Wenn durch das Luminus-Projekt in Rovert in der Bevölkerung Gegenwind entstehe, der diesem Gemeinde-Projekt entgegenschlage, würde man dem Thema der erneuerbaren Energien einen Bärendienst erweisen.

Noch ist in Bezug auf das Luminus-Windrad auf dem NMC-Gelände nichts endgültig entschieden. Das negative Gutachten der Gemeinde wird nun mitsamt der Beschwerden aus der Bevölkerung an den zuständigen technischen Dienst in Lüttich und an die Raumordnungsbehörde in der DG gesandt. Diese werden eine Empfehlung an die Gemeinde aussprechen. Die Gemeinde muss daraufhin eine Entscheidung fällen. Wer mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sein sollte, kann in Rekurs gehen. Dann obläge es den zuständigen Ministern in Namur und in der DG, sich mit dem Projekt zu beschäftigen. Deren Entscheidung kann dann wiederum vor dem Staatsrat angefochten werden.

Alles ist also noch offen. Die Entscheidung der Gemeindeverantwortlichen dürfte dem Projekt allerdings schon mal eine Menge Wind aus den Segeln genommen haben.

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