Die Resonanz war so groß, dass die Gemeinde zwei Termine statt nur einem anbot. Aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen konnte maximal 60 Bürgern nach vorheriger Anfrage Einlass gewährt werden. Im späten Nachmittag war der Saal zur Hälfte gefüllt, am Abend waren alle Stühle besetzt und der Austausch kontroverser. Zur Erinnerung: Das geplante Windrad soll mit einer Leistung von bis zu 2,99 Megawatt Strom für das im Bereich der synthetischen Schaumstoffe tätige Unternehmen produzieren. Der Standort liegt zwischen den Produktionshallen und dem Turm des Wasserversorgungsunternehmens SWDE im hinteren Bereich des Geländes an der Gert-Noël-Straße.
Luminus tritt auf dem NMC-Gelände als Bauherr auf.
Luminus tritt bei dem Vorhaben als Bauherr auf, der ostbelgische Betrieb stellt in diesem Fall den Baugrund zur Verfügung und ist anschließend dann Kunde des Energielieferanten. Der Antrag sieht unterschiedliche Höhen für das künftige Windrad vor: 130, 150 und 180 Meter. Das Windrad würde 40 bis 50 Prozent des NMC-Verbrauchs produzieren. Auf diesen Teil würde der Konzern 40 bis 50 Prozent der Transportkosten einsparen und so die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Außerdem würde man im Sinne der Nachhaltigkeit den Strom größtenteils lokal produzieren. Vor zwei Jahren hat Luminus im Auftrag von NMC bereits eine der größten privat finanzierten Solaranlagen in der Wallonischen Region auf dem NMC-Gelände installiert.
Die Gemeinde Raeren habe bekanntlich etwas für Windenergie übrig und unterstütze Projekte, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, doch müsse auch das Gemeinwohl Berücksichtigung finden, erklärte Umweltschöffe Uli Deller (Ecolo) eingangs und versprach eine vernünftige Abwägung der Argumente, ehe das Gemeindekollegium Ende Oktober seinen Beschluss fasse.
Das Studienbüro CSD hat sich im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt und kommt zu dem Schluss, dass keine signifikanten Auswirkungen für die Umwelt zu erwarten sind. Voraussetzung hierfür seien aber ein Abschaltsystem zum Schutz von Fledermäusen und ein Abschaltsystem zum Schutz vor Verschattung, betonte Ingenieur Ralph Klaus bei der Vorstellung. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt das Büro für die beiden kleineren Alternativen: „Die Auswirkungen für ein Modell von 150 Metern Gesamthöhe sind im Allgemeinen identisch mit den Auswirkungen für ein Modell von 130 Meter Höhe“, so Klaus. Bei der Implementierung eines 180-Meter-Turbinenmodels seien unterdessen die Auswirkungen für die angrenzenden Wohngebiete signifikant. Dass das Windrad Auswirkungen auf die Landschaft haben wird, will der Ingenieur nicht verhehlen. „Es wird ein neuer Markierpunkt in der Landschaft sein“, sagt der Ingenieur, der dies anhand mehrerer Fotomontagen dokumentierte. „Mehrere Wohngebiete liegen in unmittelbarer Nähe der geplanten Windkraftanlage und ihre Landschaftsgestaltung wird deutlich verändert. Dies gilt für die an die N68 angrenzenden Wohngebiete auf Höhe des Gewerbegebietes und für den Ortsteil Belven
“, heißt es in dem Bericht. Die Gesetzgebung geht von einem Radius von 400 Metern aus, in dem kein Haus betroffen sein darf. Dies ist im vorliegenden Fall so. Eine Empfehlung lautet, dass die vierfache Höhe des Rades zu berücksichtigen ist, was in der kleinen Ausführung 520 Meter bedeuten würde. Und hier sind in der Tat zwei Häuser betroffen, die aber außerhalb des Wohngebietes liegen.
Eine akustische Drosselung ist nicht erforderlich.
Geräuschentwicklung und Schattenwurf waren weitere Aspekte der Prüfung. Einerseits kam das Studienbüro zu dem Ergebnis, dass keine akustische Drosselung erforderlich sei. Andererseits sei ein Abschaltmodul erforderlich, damit kein Messpunkt in Sachen Schatten überschritten werde. Mit Ultraschalldetektoren war man der Tierwelt auf den Grund gegangen und empfahl auch daraufhin das Abschaltmodul, das von Anfang April bis Ende Oktober, also in den windärmeren Monaten, die Anlage bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang lahm legt. In Sachen Risikoanalyse, beispielsweise wenn der Mast brechen oder ein Flügel sich lösen soll, gab das Studienbüro grünes Licht.
Die Bürger hatten viele Fragen... und Sorgen. Viele erkannten für sich nur Nachteile und Wertverluste für ihre Immobilien. Bei diesem Projekt gebe es nur zwei Nutznießer: Luminus und NMC. Für alle anderen gebe es Belästigungen und einen spürbaren Wertverlust. Kann die Gemeinde mit Steuervorteilen entgegenwirken? Können die Anwohner an dem Projekt über eine Genossenschaft beteiligt werden? Bei Lumiwind können sich Bürger an Projekten dieser Art beteiligen, aber nicht an spezifischen Vorhaben, wie ein Sprecher verlauten ließ. Ein Teil des Stroms wird ins öffentliche Netz eingespeist. Mehrere Gäste wollten wissen, ob der Standort wirklich ideal und keine Anbindung an eine größere Anlage möglich sei. Dieses Projekt würde Tür und Tor für weitere Anliegen dieser Art öffnen. Auch wenn man nicht am Meer sei, so könne man hier effizient Strom produzieren, versicherte der Luminus-Vertreter. Ein Besucher wollte wissen, ob das Windrad die Leistung der Solaranlage beeinträchtige. Hier geht Luminus von einem überschaubaren Verlust von zwei bis drei Prozent aus. Aber es gab auch positive Wortmeldungen und den Appell, nicht gleich immer alles kaputt reden zu wollen. Das Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit, erneuerbare Energie zu produzieren, sowie den Ängsten und Sorgen wurde deutlich. Die öffentliche Untersuchung dauert noch bis zum 2. September, Ende Oktober wird sich das Gemeindekollegium abschließend äußern. NMC geht von einer Bauzeit von sechs Monaten aus.




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