„Es handelt sich um eine reine Privatinitiative“, erklärt die Anwohnerin des Viertels. Sie hat sich in das Thema eingelesen und sich auch vor Ort informiert: „Von ihrem Winterquartier im Freyenter Wald ziehen die Tiere ab Februar zum Laichen unter anderem zu den Teichen und Weihern von Burg Raaf“, so hat sie beobachtet. Und in umgekehrter Richtung gibt es Wanderungen vor allem von Erdkröten in Richtung von „Gut Charolie“. Gespräche mit der Gemeinde Raeren bewirkten bereits im letzten Jahr die Aufstellung von Warnschildern („Krötenwanderung“), um die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu wecken. Und in diesem Jahr kommen auf 500 Metern Länge Schutzzäune an beiden Straßenseiten hinzu. Die Anwohnerin erhielt dafür von der Gemeinde Raeren Unterstützung, die den Ankauf des Zaunes aus feinem, engmaschigem Gewebe finanzierte.
Das Aufstellen des Zaunes ist mit einiger Arbeit verbunden. Dieser muss gefädelt werden, damit man ihn spannen kann. Und 10 bis 15 Zentimeter des Zaunes werden im Boden vergraben, damit die Tiere sich nicht darunter durch buddeln, so erklärt die engagierte Naturschützerin. Mit Flyern, die sie in ihrem Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft streute, sowie in den sozialen Netzwerken warb sie um Mitstreiter. Mit dem Erfolg, dass am Samstag die (fast) letzten Meter von insgesamt zwei Mal 500 Metern Zaun in einer Gemeinschaftsaktion von bis zu einem Dutzend Anwohnern errichtet werden konnten.
Auf die Frage, ob die vergleichsweise wenig befahrene Stestertstraße einen solchen Aufwand lohne, ist Christiane Ponßen-von Wolff deutlich. „Man geht davon aus, dass ein vorbeifahrendes Auto je nach Zeitpunkt bis zu 15 Amphibien tötet – sei es durch Überrollen oder auch durch den Strömungsdruck schnell vorüberrollender Autoreifen“, so berichtet sie. „Und das kann auch bei nur vergleichsweise wenig Autoverkehr ein ganz schönes Massaker zur Folge haben“. Angesichts des in Europa um 60 Prozent zurückgegangenen Amphibienbestandes ist es nach ihrer Ansicht schon „fünf nach zwölf“.
Eine Amphibienschutzanlage ist komplex.
Alle zehn Meter wurde hinter dem Zaun ein Loch für einen 10-Liter-Auffangeimer gegraben, in den die wandernden Tiere hineinfallen, wenn sie an der Zaunkante entlang wandern. Mit Laub und Steinen, mit Kletterstöcken für gewisse Tierarten, mit einer Entwässerung und einer speziell konzipierten Abdeckung sind diese Eimer ausgestattet. „Ja, wenn man sich einliest, dann stellt man fest, wie komplex das Thema Amphibienschutzanlage ist“, sagt Christiane Ponßen-von Wolff. „Es gibt zwar auf dem Markt so einiges, was man fertig kaufen kann, aber eigentlich haben wir hier in Berlotte unser eigenes, an die örtlichen Gegebenheiten angepasstes Konzept erarbeitet.“

Schon kurz nach der Errichtung der ersten Zaunabschnitte konnte man erste Erfolge verbuchen. Einige hundert Kröten, Frösche und Molche wurden bereits eingesammelt und sicher auf die andere Straßenseite gebracht. Und das dürfte angesichts des Winterwetters der vergangenen Woche, bei dem die Tiere ihre Wanderungen unterbrochen hatten, erst ein kleiner Anfang sein.

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