Stefan II. (Leyn) ist der neue Prinz im Töpferdorf

„Jetzt packen wir mal den Bürgermeister weg“, verkündete Erwin Güsting, um sich die Gitarre zu schnappen, die er extra für diesen Anlass aus dem Keller geholt hatte. „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“, sagte er hoffnungsvoll. Und ja, es klappte. Zur Melodie des „Wolkeplatzes“ (Miljö) klampfte und sang er zu Ehren des alten Prinzengespanns aus Samuel I. (Raxhon) mit seinen Pagen Caroline (Leclerc) und Sonja (Willems).

In diesem Jahr gibt es ein Viergestirn, und Hofnarr Michael (Mager) führt als neue Figur den Einmarsch an.

Die drei ließen es sich nicht nehmen, ihre letzten Stündchen und Minütchen zu feiern, bis Caroline und Sonja wieder im gemeinen Volk verschwinden und Samuel ein Schattendasein als Exprinz bleibt. Zur Musik der Belsch Jecke tanzten Prinz und Pagen auf den Tischen, und der FC Knabbe jubelte von hinten. Die Amateurfußballer hatten in der vergangenen Session jedenfalls eine maßgebliche Rolle gehabt, an die Exprinz Yannick (Braem) erinnerte: Die schönsten Beine Raerens mussten die Fußballschuhe ausziehen, gegen Tanzschühchen austauschen und bei einigen Sitzungen den „sterbenden Schwan“ geben.

Doch dann nach dem bürgermeisterlichen Ständchen hieß es Zepter abgeben, allen Beteiligten ein Dankeschön dazulassen, besonders auch dem ehemaligen Kinderprinzengespann mit Noah (Emonts), Lynn (Hilgers) und Aimée (Steffens). Der Ex-Kinderprinz bekam von seinem großen Kollegen eine violette Feder für die Kappe. Denn schließlich hat der Ex-Kinderprinz seinem großen Kollegen auch eine verehrt.

Und wie es immer ist: Nach dem Alten ist vor dem Neuen. Die Vereine marschieren ab, die Vereine marschieren auf mit dem neuen Prinzen im Schlepptau. Zuerst ist die Neuerung im Raerener Treiben zu sehen. Sei es, weil die Ehepaare komplett bleiben wollten und man den zweiten Mann nicht außen vor lassen wollte, sei es, weil Karneval immer wieder neu erfunden gehört: In diesem Jahr gibt es ein Viergestirn, und Hofnarr Michael (Mager) führt als neue Figur den Einmarsch an. Der Neue gibt sich jedenfalls reformfreudig. Er freue sich im Raerener Karneval mitmachen zu dürfen, weil es dort eine Kinderprinzessin gebe, während man andernorts lieber auf den Prinzen verzichte als eine Frau zu wählen, meinte er.

„Heimat ist nicht Domizil“ heißt es im Motto des Neuen. Denn Stefan Leyn wohnt nicht in Raeren, ist aber dem Raerener Karneval eng verbunden, wie schon am blau-weißen Kostüm zu sehen ist. Schließlich hat er lange Showtanz gemacht und ist wie seine Frau Jeannine bei der TSG Blau-Weiß aktiv. Das zweite Ehepaar im Viergestirn sind Claudia und Michael Mager als Page und Hofnarr. Alle Vier haben jedenfalls das Karnevalsgen. Claudias Großvater war Jubelprinz Arthur (Demeulenaere) 1957.

Eine gewisse Sympathie für alpenländische Folklore ist dem Viergestirn nicht abzusprechen. Die Familie soll jedenfalls in bayrischer Tracht an den Umzügen teilnehmen. Die Tradition, andere zum Arbeiten zu verdonnern hat sich jedenfalls bewährt. Allerdings sind statt Fußballer jetzt die Exprinzen die Opfer, die auf der Sitzung der TSG Blau-Weiß im kommenden Jahr einen Showtanz abliefern sollen.

Natürlich gab es auch ein entsprechendes Rahmenprogramm. Dr‘ Sach genoss sichtlich sein Heimspiel und brachte Stimmung in die Bude. Auch „Chouke & Kowalski“ und „de echte Kelemser Jonge“, „Los Cannonos“ sorgten für Stimmung. Aus Eupen zeigte Anouk Mattar ihren Mariechentanz. Aber auch die Raerener Vereine können tanzen. Die Karnevalspolizei zeigte im großen Showtanz die „Tribute von Panem“, während die Lustige 11 eine interessante Show zu Disneyfilmen mit vielen Hebungen ablieferte.

www.grenzecho.net

Kommentare

Kommentar verfassen