Wenn eine Karnevalsgesellschaft Talente aus den eigenen Reihen fördert, dann ist es wohl die TSG Blau-Weiß Raeren. Denn hier hatten „Et Müske än der Wöösch“, die inzwischen auch andere ostbelgische Bühnen erobert haben, ihre ersten Auftritte. Der neue Stern am ostbelgischen Rednerhimmel ist jedenfalls der „Mulleflupp“ (Sam Wolf). Sein Thema sind die alltäglichen Frusterfahrungen eines Zehnjährigen. „Und war es grad‘ schon nett, muss ich ins Bett. Ich wusste nicht, warum man mich verbannt, die besten Witze habe ich eh schon gekannt“, reimt der in Vaters Hemd gewandete Steppke und Sohn der Sitzungspräsidentin Joëlle Xhonneux. Wenn diese jungen Redner, egal ob „et Müske“ oder „der Mulleflupp“ ihren Witz und Charme über die Pubertät hinaus retten können, hat die ostbelgische Büttenrede wieder Zukunft.
Tafelsilber der ostbelgischen Karnevalsszene auf der Bühne
Das hat auch Zauberstar Schmitz-Backes gesehen, der Sam noch einmal ermuntert hat, weiterzumachen. Auch das etablierte Duo „Et Müske än der Wöösch“ kam zum Ursprung zurück, und der arme Wöösch musste die Schlagfertigkeiten des „Müske“ (Maelle Cherrain) erleiden.
Wenn man zum Tanzcorps geht erwartet man logischerweise Tänze. Und die gab es auch zu sehen. Aber die TSG Blau-Weiß legt Wert auf ein abwechslungsreiches Programm mit allem, was dazu gehört. Und dazu hat man sich das Tafelsilber der ostbelgischen Karnevalsszene eingeladen. Sven ohne Girls, der sich prompt seinen alten Schwimmlehrer nach vorne holte, durfte am Anfang erst einmal die Stimmung puschen. Los Cannonos, wie Sven die Göhl heraufgefahren, und „de Belsch Jecke“ mit kölschen Klassikern wie „Superjeilezick, taten das ihrige. Letzteren Gruppen hat es bei den Blau-Weißen so gut gefallen, dass die bis zum Schluss mit den Raerenern gefeiert haben, bis es wieder durch die dunklen Wälder in die mehr oder weniger ferne Heimat ging.

Schmitz-Backes aus Nettetal schafft es hervorragend, Comedy und Zauberkunst unter einen Hut zu bringen und spontan zu reagieren. Kaum sieht er, dass eine Jessica im Publikum mit dem Handy spielt, nimmt er es ihr weg und zaubert es in einen Schlangenballon. „Unglaublich“, ruft das Publikum.
Aber beim Tanzcorps wird getanzt, und es waren ausgerechnet die Männer, die einen besonderen Eindruck hinterlassen haben. „Die sind heute sogar besser als letztes Jahr“, flüsterte eine ihrer Betreuerinnen. Tatsächlich, das Lontzener Männerballett legte einen Western vom Allerfeinsten hin. Als Cowboys warfen sie sich durch die Luft, zeigten Akrobatik und viele Hebefiguren vor Westernkulisse. Diese Jungs können tanzen und das besser als manche Damenformation. Hier waren auch die Zugaberufe am lautesten. Aus Gemmenich kam die Showtanzgruppe des Cercle 21 mit einer gelungenen James-Bond-Nummer. Die Tatas 2.0 taten es den Großen nach: höherer Blödsinn in Pantomime. Hier war es interessant zu erleben, dass eine Mineralwasserflasche ein wichtiges Requisit sein kann. Die Tatas haben sich damit kunstvoll nass gemacht.
Die Sitzung der Blau-Weißen besticht durch große Herzlichkeit.
Natürlich, die eigenen Kräfte der Blau-Weißen zeigten phantasiereich, was sie können. Calvin Kreusch und Jana Pfaff zeigten Brautwerbung der guten alten Zeit mit Nähe und Distanz, vielen Hebefiguren und einem dicken Kuss, als sich die Zwei endlich gefunden hatten. Joelle Xhonneux, die nicht nur Sitzungspräsidentin, sondern auch Schneiderin ist, hat die schicken Kostüme gemacht. Das gilt auch für die Geistertruppe der mittleren Showtanzgruppe, die in einer wunderbaren Tanztheaternummer Kinder erschrecken, die sich dann zur Wehr setzen und den Gespenstern die „Ghostbusters“ auf den Hals hetzen. Aber egal ob großer, kleiner oder mittlerer Showtanz, Garde oder Mariechen, die Blau-Weißen sind einfach tänzerisch stark.

Vor allem aber zeichnet sich die Sitzung der Blau-Weißen durch große Herzlichkeit aus. Die Mitglieder hatten eine Menge zu tun, um den Gästen beispielsweise dieses große Buffet mit jeder Menge meist selbst gemachter Leckereien anzubieten. „Es war eine wunderschöne Sitzung, und wer was anderes sagt, hat keine Ahnung“, meinte eine ältere Dame aus dem Publikum.







































































































































































































































































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