Bauarbeiten an Raerens Hauptstraße dauern 360 statt 250 Arbeitstage

<p>In dieser Woche ruht die Baustelle. Die Baustellenfahrzeuge stehen sauber aufgereiht auf dem Parkplatz am Bergscheider Hof.</p>
In dieser Woche ruht die Baustelle. Die Baustellenfahrzeuge stehen sauber aufgereiht auf dem Parkplatz am Bergscheider Hof. | Foto: David Hagemann

Seit September 2018 wird an der Hauptstraße gearbeitet. Die Prognose des damaligen Bürgermeisters Hans-Dieter Laschet von einer etwa zweijährigen Dauer war „eher tiefgestapelt“, wie es jetzt heißt.

Zunächst war an der Hauptstraße der große Abwasserkanal tief unter der Straßenmitte verlegt worden, in zwei Phasen: einmal von Botz kommend „nach unten“, und dann von der Kreuzung Neustraße aus in die andere Richtung. Diese Vorgehensweise, die eine ständige Zugänglichkeit für die Anwohner und Geschäftsleute gewährleisten soll, ist bereits ein erstes Argument für die längere Dauer der Baustelle. Hinzu kommen einige andere Aspekte, sodass man derzeit eher von 360 als von den ursprünglich veranschlagten 250 Arbeitstagen ausgeht.

Doppelt so viele Hausanschlüsse wie erwartet.

Einen Termin für die Fertigstellung will Bürgermeister Güsting heute ebenso wenig nennen wie Michel Mattar, der das Großprojekt für das Bauamt begleitet. Beide berichten etwa von einer Blausteinader im Untergrund zwischen Titfeld und Bergscheid, die schon bei der Anlage des Abwasserkanals für erhebliche Mehrarbeit gesorgt hat und die auch beim Unterbau von Straße und Bürgersteigen noch für Zeitverlust sorgen könnte. „Ex-Bürgermeister Hans-Dieter Laschet wusste von diesem Blausteinvorkommen und hatte davor gewarnt, doch sind die Probebohrungen, die deren Lokalisierung und Ausmaß im Vorfeld hätten nachweisen können, wohl zufällig immer genau dazwischen bzw. daneben erfolgt“, sagen die beiden. Auch auf mehrere Quellen ist man im Untergrund der Straße gestoßen – ein Umstand, der sich weniger auf die zeitliche Dauer als auf die Kosten des Projekts auswirken wird. Denn das saubere Quellwasser darf nicht mit dem Schmutzwasser vermischt werden, sodass Zusatzarbeiten unumgänglich sind.

Und noch einen Umstand gibt es, den Bürgermeister Erwin Güsting als „unbegreiflich“ bezeichnet: Die Anzahl der zu verwirklichenden Hausanschlüsse an diesen Abwasserkanal war von der Gesellschaft AIDE und vom zuständigen Studienbüro vorab mit 90 angegeben worden, liegt aber tatsächlich unter Berücksichtigung einiger unbebauter Parzellen sowie eines ebenfalls schon jetzt angeschlossenen Teilstücks am Beginn der Eynattener Straße bei... 180. Doppelt so viele also wie geplant! „Ja, das hätte man vorher sehen können, einfach indem man die Anzahl der Häuser zählte“, gibt der Bürgermeister zu. „Wir haben uns auf die Angaben des Studienbüros verlassen, das wegen der zahlreichen Rohrbrüche im Straßenuntergrund keine Kamerabefahrung der Kanäle machen konnte. Jetzt ist die Situation wie sie ist, wir können nichts mehr daran tun.“ Auf dem eigentlich schon fertigen Teilstück der Straße zwischen Metzgerei Huby und Titfeld wird man ebenfalls stellenweise noch einmal die Straßendecke öffnen müssen, weil trotz bereits angelegter Seitenstiche vom Kollektor zu den Häusern noch unerwartete Zusatzarbeiten erforderlich werden.

Bei Regen keinen Schmutz in die Wohnhäuser tragen

Den subjektiven Eindruck mancher Bewohner, dass der Unternehmer eher schleppend arbeitet, teilt man im Gemeindehaus nicht. Unter Berücksichtigung der Zusatzarbeiten sei man im Zeitplan, heißt es. Dass nach der Unterbrechung zum Jahresende während zwei Wochen nicht gearbeitet wurde, habe der Unternehmer mit Weiterbildungen des Personals sowie mit einem generellen Unterhalt seines Maschinenparks begründet. Und dass aktuell wieder die Arbeiten ruhen, hat mit der sehr pessimistischen Wetterprognose zu Wochenbeginn zu tun. Michel Mattar erläutert verständnisvoll: „Bei Regen und Matsch werden möglichst keine Hausanschlüsse gemacht, um nicht noch mehr Dreck in die Häuser der Anwohner zu schleppen.“ In der nächsten Woche soll es aber nach aktuellem Stand der Dinge wieder weiter gehen.

Mit einem Beginn der Oberflächenarbeiten rechnet die Gemeinde ab dem Frühherbst. Dann werden zwar noch nicht alle Hausanschlüsse fertig sein, aber während diese Arbeiten noch „unten im Dorf“ laufen, kann man von Botz her kommend gleichzeitig dann schon Straße und Bürgersteige anlegen. Allerdings wird es dann verkehrstechnisch wieder schwieriger, denn dann werden Vollsperrungen unerlässlich sein und die Behinderungen für die Verkehrsteilnehmer entsprechend größer werden. 120 Arbeitstage sind ab dann für diese Oberflächenarbeiten vorgesehen. Aber wenn man des Bürgermeisters Wunsch entsprechend „ein Jahr weiter“ ist, dann dürfte es zumindest in Teilabschnitten der Straße wieder besser werden. Dann werden keine neuen Löcher mehr aufgerissen, sondern es wird „zugemacht“, sodass dann zumindest optisch ein Ende in Sicht kommt.

Anwohner haben viel Verständnis

· Der Bürgermeister wäre zwar gerne schon ein Jahr weiter, äußert sich aber gleichzeitig „angetan vom Verständnis, das Anwohner und Geschäftsleute für die Baustelle aufbringen“. Natürlich werde geschimpft – „der eine etwas lauter als der andere“ – aber im Allgemeinen würden die Beeinträchtigungen verständnisvoll hingenommen, so seine Einschätzung.


· Die Hauptstraße darf nur im Ortsverkehr befahren werden. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h hat „so manchem Autofahrer schon eine teure Überraschung in Form eines Strafzettels beschert“, so Erwin Güsting. Seine persönliche Einschätzung: „Für mich ist es schlimmer, langsam durch die Schlaglöcher zu holpern, als die Umleitung zu fahren. Und ich glaube, das sehen viele Autofahrer auch so.“

· Zum Zustand der Buckelpiste sagt Güsting: „Schlaglöcher sind unvermeidlich. Aber wenn wir sie wieder auffüllen lassen, stellen wir gleich fest, dass wieder schneller gefahren wird.“

· Die Kommunikation mit den Anwohnern und Geschäftsleuten läuft nach Einschätzung der Gemeinde gut. Manche Geschäfte bemühen sich auch um Ausgleichszahlungen, die die Wallonische Region bei Umsatzeinbußen aufgrund einer Dauerbaustelle zahlt. Allerdings, so stellt Michel Mattar fest, ist dies für die Geschäfte mit einem erheblichen administrativen Aufwand verbunden.

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