Raerener Publikum feiert gelungene Premiere eines frischen Schwanks

<p>„Chaos im Bestattungshaus“ ist klug inszeniert. Jede Figur steht da, wo sie muss.</p>
„Chaos im Bestattungshaus“ ist klug inszeniert. Jede Figur steht da, wo sie muss. | Foto: Klaus Schlupp

Dieser Gerd Speck hat es wirklich nicht leicht: Es stirbt einfach keiner! Ein Problem, wenn man sich als Beruf ausgerechnet das Bestattungsgewerbe ausgesucht hat. Und wenn sich dann die lang ersehnte Leiche als lebendig entpuppt und der Sohn in der Gothic-Szene unterwegs ist, ist der Schwank perfekt. „Ich musste die ganze Zeit lachen, als ich das Stück gelesen habe“, verrät Regisseur Jörg Lentzen. Ein Blick auf die Homepage der Autorin Winnie Abel und ihrer Themen verrät, dass mit der ZDF-Journalistin aus Südhessen eine junge Frau ausgezogen ist, mit frischen Ideen der manchmal altbacken daherkommenden Gattung „Schwank“ neues Leben einzuhauchen. „Chaos im Bestattungshaus“ ist intelligent gemacht und urkomisch ohne ins Zotige abzudriften.

Die Vorlage ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Umsetzung, und auch die hat so gestimmt, dass das Publikum am Schluss minutenlang applaudiert hat. Schauspielerisch hat jeder Akteur seine Figur gelungen ausgebaut und mit der nötigen Lebenskraft versehen. Michael Kirch ist der leicht verklemmte Bestatter, der nolens volens ins Chaos hineinrutscht. Serge Xhonneux hat als angebliche Leiche Udo Kemp gut zu tun. Schließlich dürfen ihn die Frauen ja nicht erwischen, wenn er einmal wieder zu Leben erwacht. Amüsant ist auch das Zusammenspiel der beiden Kegelschwestern. Gekonnte werfen sich Anja Haas und Astrid Baguette die Bälle zu. Urkomisch wirkt auch Odilia Van Eijs als schnapsliebende Gerichtsvollzieherin mit Gesichtszuckungen. Aber auch die kleineren Rollen sind gut besetzt. Jana Roderburg kommt als esoterisch angehauchte grüne Nudistin daher, die erst einmal ein Anti-Tihange Plakat aufhängt und sich gekonnt mit „Roswitha Kamp“ (Sabine Schumacher) zankt. Auffallend ist das authentische Spiel von Julian Klein, der seinem dauerhicksenden „Mitarbeiter Heller“ schon durch den Anzug von der Stange, die Verklemmtheit und das gegelte Haar den Nimbus des deutschen Betriebswirtschaftsstudenten einhaucht. Es macht Spaß, diesem Jungschauspieler, der eigentlich beim Jugendtheater „Inside“ mitspielt, zuzuschauen, und seiner Figur sei der späte Erfolg gegönnt. Ebenfalls dem Jugendtheater entstammt Sjon Xhonneux, der düster gekleidete und bemalte Goth. Er und seine schick berlinernde Freundin Melanie (Julia Hagelstein) sorgen für Verwechslungen und jede Menge Aufregung.

„Chaos im Bestattungshaus“ ist auch klug inszeniert. Jede Figur steht da, wo sie muss, das Stück hat keine unnötigen Längen und eine kluge und etwas düstere Musikbegleitung. Ein wenig Lokalkolorit ist auch dabei. Tihange ist nicht der einzige Bezug. Sorgfältig und teilweise subtil setzt Lentzen die kleinen Punkte, an denen sich das Lachen des Publikums entzündet. Die Ecolos bekommen einen Spruch gedrückt, und das Schaufenster des Bestattungshauses wirkt wallonisch. Vor allem aber ist es ein Stück, das richtig Spaß macht. Das gilt natürlich auch für das liebevoll gemachte Bühnenbild. Es ist natürlich ein Bestattungshaus mit Schauraum und Schreibtisch.

Von dieser klugen Autorin und in dieser gelungenen Umsetzung des „Kommödchen“ sollte noch mehr nach Ostbelgien kommen, vielleicht sogar auf Platt. Denn Abels Texte gibt es nicht nur auf Hochdeutsch, sondern auch auf Luxemburgisch, Schwyzerdütsch und norddeutschem Plattdeutsch. Es müsste daher nur jemand her, der es in hiesiges Platt übersetzt.

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