Raeren schafft den Rahmen für Windpark an der Grenze

<p>Die Stawag betreibt den Windpark Münsterwald nahe der Himmelsleiter auf dem Gebiet der Gemeinde Roetgen.</p>
Die Stawag betreibt den Windpark Münsterwald nahe der Himmelsleiter auf dem Gebiet der Gemeinde Roetgen.

Sowohl Schöffe Uli Deller (Ecolo) als auch Bürgermeister Erwin Güsting (Mit uns) sind bei der Kommunikation zu diesem Projekt (noch) sehr zurückhaltend. Wenn der Ausschuss und der Gemeinderat der Idee zustimmen, dann soll auch die Bevölkerung in das Projekt eingebunden werden. Schöffe Uli Deller spricht von einem „diffizilen Prozess“, den man jetzt anstoße, mit dem Ziel, irgendwann sagen zu können „Ja, die Raerener wollen diesen Windpark“. Im Ausschuss und im Gemeinderat will er sich um politischen Konsens bemühen. Er verspricht von vorne herein, dass Argumente wie Landschaftsgestaltung oder Lärmbelästigung im Rahmen der Studien zur Umweltverträglichkeit berücksichtigt werden sollen.

Auf der anderen Seite der Grenze, im Münsterwald auf dem Gebiet der Gemeinde Roetgen, stehen bereits sieben große Windräder. Diese sind übrigens auch von Raeren aus gut sichtbar. Dass der Wind diesseits der Grenze nicht anders bläst als jenseits, das bestätigt sich im Windkataster der Wallonischen Region. Das Gebiet unweit von Petergensfeld ist aufgrund der Windverhältnisse sehr geeignet für Windräder. „Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatten wir uns mit der Idee eines Windparks befasst“, sagt Schöffe Deller. Als jetzt potenzielle Investoren auf die Gemeinde zukamen, hat man das Thema im Gemeindekollegium aufgegriffen und vertieft. Mit einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss will man über eine öffentliche Ausschreibung allen Betreibern von Windparks die Möglichkeit bieten, ein Angebot zu unterbreiten. Offenbar gibt es auf dem ins Auge gefassten Waldgebiet, das der Gemeinde Raeren gehört, Platz für bis zu sechs große Windräder. Der Abstand zu den ersten Wohnhäusern – an der Roetgener Straße und an der Waldstraße – werde auf jeden Fall entsprechend den geltenden Normen ausreichend sein, versichern Bürgermeister Güsting und Erster Schöffe Deller.

<p>Die lange und gerade Vennstraße führt von Vennkreuz nach Petergensfeld. Die Windräder würden mitten im Wald stehen.</p>
Die lange und gerade Vennstraße führt von Vennkreuz nach Petergensfeld. Die Windräder würden mitten im Wald stehen. | Fotos: David Hagemann
Doch eigentlich wollen sie über solche Faktoren noch gar nicht öffentlich reden: „Wir halten das Projekt prinzipiell für sinnvoll und aussichtsreich und stehen ihm grundsätzlich positiv gegenüber. Jetzt prüfen und überlegen wir. Und wir wollen uns mit dem Einverständnis des Gemeinderates selber einen Referenzrahmen schaffen, innerhalb dessen wir uns eine Verwirklichung vorstellen können“, so Uli Deller. Es werde ein Prozess angestoßen und es werde über grundlegende Prinzipien gesprochen, fügt er hinzu. Ebenso wie der Bürgermeister will er derzeit auf keine Detailfragen eingehen. Der Gemeinderat solle nicht den Eindruck haben, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, heißt es. Offenbar gibt es auch Überlegungen, die Gemeinde und die Bürger über den Kauf von Anteilen sehr eng in das Projekt einzubinden. „Über diese und so viele andere Fragen werden wir noch zu reden und zu beschließen haben“, so die offizielle Aussage. Der erste öffentliche Termin hierfür ist die Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. Dezember.

Keine Angst vor Gegenwind

Es ist eine Gratwanderung: Einerseits bestätigen die Raerener Gemeindeverantwortlichen, dass es schon seit langem Überlegungen gibt, ebenso wie auf der anderen Seite der Grenze, auch im Wald zwischen Petergensfeld und Vennkreuz einen Windpark zu errichten. Andererseits sind sie aber zum jetzigen Zeitpunkt extrem zurückhaltend und wollen vermeiden, dass durch frühzeitige Aussagen der „diffizile Prozess“ schon von Anfang an zu viel... Gegenwind erfährt. Zuerst will das Gemeindekollegium versuchen, den Gemeinderat möglichst einstimmig hinter dem Vorhaben zu vereinen. Auf die geplante öffentliche Ausschreibung dürften sich Windparkbetreiber von „Courant d’Air“ bis Stawag bewerben. Und dann wünscht man sich die Unterstützung der Raerener Bevölkerung.

Natürlich wissen die Politiker, dass die meisten Bürger prinzipiell für Windenergie sind, nur eben nicht „vor der eigenen Haustür“, wie es immer heißt. Wie viele Bäume für die Windräder gefällt werden müssten, ob die Entfernung zu den nächsten Haustüren groß genug ist, oder ob Raerener Bürger nicht nur energiepolitisch, sondern über die Ausgabe von Anteilen auch finanziell von dem Windpark profitieren könnten – es gibt viele offene Fragen. Von deren Beantwortung wird abhängen, ob die Raerener irgendwann einmal sagen werden: „Ja, wir wollen das“.

Vorerst wünscht man sich Windstille. Erst wenn die Räder drehen, darf der heftige Wind kommen.

Kommentare

Kommentar verfassen