Um kurz vor zehn Uhr wurden die Visitenkarten zurechtgerückt und die Kugelschreiber hingelegt. Rund 30 Unternehmen machten sich bereit für den Ansturm der Schüler bei der Talentum 2019. Projektautor Guy Andrian vom GrenzEcho hatte bei der „Jobmesse und Wirtschaftsschau“ drei Zielgruppen im Blick: Studenten, Schüler und Jobsuchende. Der Freitag ist allerdings vor allem den Schülern gewidmet, die aus der ganzen DG zum Robert-Schuman-Institut (RSI) strömten. „Die Jobwelt befindet sich im Wandel. Junge Menschen planen ihr Berufsleben ganz anders, als die vorherigen Generationen. Für sie ist die Arbeit kein Hamsterrad, in dem sie gefangen sind. Sie arbeiten eher in Zyklen, reisen viel und scheuen sich nicht, die Arbeitgeber zu wechseln. Bei der Talentum wird ihnen kompakt und an einem einzigen Ort aufgezeigt, welche Arbeitsmöglichkeiten sie in Ostbelgien finden“, so Adrian.
Den Standort empfinden auch die Unternehmen als günstig gewählt. Gene Simon von der Firma Asten Johnson aus Eupen beispielsweise ist überzeugt: „Das Publikum einer Schule entspricht genau unserer Zielgruppe. Wir suchen junge, formbare und Technik interessierte Menschen, die bei uns einsteigen wollen.“ Am Stand ihres Unternehmens habe sie daher versucht, die Komplexität des Arbeitsfeldes leicht verständlich und übersichtlich darzustellen: „Viele Menschen denken, wir würden Papier herstellen. Das stimmt aber nicht. Wir nutzen die Messe daher auch, um uns bekannter zu machen und zu zeigen, dass wir Textilien für die Papier- und Vliesstoffindustrie herstellen.“

Direkt gegenüber buhlt auch Marcel Laschet um die Aufmerksamkeit der Schüler. „Das Ziel ist es, hier wenigstens einen oder zwei neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Wenn es mehr werden, um so besser.“ Das Unternehmen Joskin, das Geräte zum Ausbringen und Transport landwirtschaftlicher Produkte verkauft, sucht händeringend nach Nachwuchs. „Wir brauchen Leute, die mehrsprachig sind. Als wallonisches Unternehmen hoffen wir hier in Ostbelgien fündig zu werden. Denn die Frankofonen tun sich mit dem Deutsch etwas schwer. Die Deutschsprachigen hingegen können oft auch Französisch reden.“
Ein Stück weiter steht Nadine Paquay. Sie ist Mitarbeiterin bei Gulf und stellt sofort klar: „Wir sind mehr als eine Tankstelle. Bei uns arbeiten Marketingleute, Buchhalter und IT-Spezialisten.“ Der luxemburgische Hauptsitz in Marnach verlange den Mitarbeitern zwar Mobilität ab, locke aber mit gutem Gehalt. „Es kommen mehrere Kollegen aus Eupen oder Kelmis. Die Leute aus dieser Gegend bringen Fachkompetenz und Sprachvielfalt mit. Außerdem passen sie vom Wesen her zu unserer Firmenkultur.“
Beim Rundgang an den Ständen wird schnell deutlich: Alle suchen händeringend nach gutem Personal. Ob bei der Stadtverwaltung, der Polizei oder im Privatsektor – es fehlt überall an Fachkräften. Etienne Simar, Sekundarschullehrer für Informatik und Elektronik am RSI, ist der Meinung, das Interesse der Schüler für das Handwerk muss bereits früh geweckt werden. „Im letzten Jahr wurde bei uns nur ein Schüler zum Elektriker ausgebildet. Auf dem Arbeitsmarkt hat man sich um ihn gerissen. In diesem Jahr sind es vier Informatiker und sechs Elektriker. Aber schon nächstes Jahr sinkt die Zahl wieder.“ Früher sei das ganz anders gewesen. Woran das abfallende Interesse der Jugendlichen festzumachen sei, weiß er nicht genau. Er wagt eine Vermutung: „Vielleicht sollte das Schulsystem grundlegend überdacht werden. Es scheint so, als ob die Schüler den leichtesten Weg suchen. Warum ein technisches Fach mit viel Matheunterricht wählen, wenn es auch anders geht? Wir müssen den Kindern schon früh zeigen, dass Wissenschaft und Technik Spaß machen können.“ Den Jugendlichen deutlich zu machen, wohin ihre Ausbildung sie im späteren Berufsleben führen kann, wie es bei der Talentum geschieht, sei ein guter Ansatz.
Der 18-jährige Florian Reinartz von der Maria Goretti Sekundarschule in St.Vith will die Jobmesse nutzen, um sich umfangreich zu informieren und erste Kontakte in die Arbeitswelt zu knüpfen. „Ich möchte herausfinden, was von mir verlangt wird, wenn ich auf den Arbeitsmarkt komme. Ist es besser noch zu studieren oder nicht? Ich frage mich, was die Unternehmen erwarten und hoffe hier Antworten zu finden“, erklärt er. Aus der Liste an Unternehmen, die sich vorstellen, hat er sich diejenigen herausgepickt, die ihn am meisten ansprechen. So ganz genau weiß er aber noch nicht, wohin ihn sein Weg führen könnte. Dem gleichaltrigen Luca Schmidt geht es ebenso. „Es war informativ, was die Unternehmen erzählten. Ich weiß aber noch nicht recht, was ich nach dem Abitur machen soll. Ich tendiere zu einer dualen Ausbildung. Nur Theorie wäre nicht mein Ding. Ich möchte auch gerne sofort Praxiserfahrung sammeln.“
Am Freitag schlenderten aber nicht nur junge Leute zwischen den Ständen. Die 45-jährige Anja Prickartz nimmt gerade an dem „Frida-Projekt“ teil. Gemeinsam mit anderen Teilnehmern dieser Weiterbildung erhält sie nicht nur PC-Crashkurse und Bewerbungstraining, sondern streckt bei der Talentum auch die Fühler aus. „Ich suche nach einer Praktikumsstelle. Am liebsten würde ich etwas mit Kindern machen oder im Bürobereich. Diese Jobmesse ist für mich eine gute Gelegenheit, einen Fuß in die Arbeitswelt zu bekommen.“
Wer die Chance ebenfalls nutzen will, und die Talentum besuchen möchte, hat am Samstag von 12 bis 15 Uhr noch die Gelegenheit (RSI an der Vervierser Straße 89-93 in Eupen).














































Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren