Durch die zweite Niederlage im dritten Spiel wird der Druck auf Genk langsam größer. Um im Rennen um Platz drei, der zum Überwintern in der Europa League berechtigt, eine Chance zu haben, müssen Punkte her. Und das im Bestfall ausgerechnet an der Anfield Road des FC Liverpool, wo Genk am 5. November zu Gast ist.
Der ohnehin schon riesige Respekt von Genk vor dem Titelverteidiger aus Liverpool wurde schon weit vor dem Spiel noch ein Stückchen größer. Der lange fragliche Topstürmer „Mo“ Salah spazierte putzmunter in Richtung Luminus-Arena, wo er in der Startelf stand. Gemeinsam mit Roberto Firmino und Sadio Mané bildete er eine Angriffsreihe, die keine Wünsche offen ließ – zum Leidwesen von Nationalspieler Divock Origi, der bei seiner Rückkehr nach Limburg auf die Bank musste.

Aus Sicht von Genk – Trainer Mazzu verzichtete auf eine Fünferkette in der Abwehr – hatte das Spiel kaum begonnen, als es gefühlt schon verloren war. Bereits in der zweiten Spielminute traf Oxlade-Chamberlain zum 0:1 für Liverpool – freistehend, ohne Druck und mit viel zu viel Zeit. Bei dem kontrollierten Distanzschuss des englischen Nationalspielers war Coucke nicht nur machtlos, sondern sah den wichtigsten Plan seiner Mannschaft in Rauch aufgehen: Gegen einen der besten Angriffe Europas so lange wie nur möglich die Null zu halten.
Wer ein zunächst verunsichertes Genk schon auf dem Weg zu einer ähnlich peinlichen Vorstellung wie in Salzburg (2:6) sah, wurde (noch) eines Besseren belehrt. Denn in der 5. und 8. Minute tauchten Samata bzw. Onuachu jeweils nach schnellen Kontern brandgefährlich vor Gästetorwart Alisson Becker auf. Ein dank des frühen Führungstreffers relativ sorgloses Liverpool hatte das Spiel zwar klar und deutlich im Griff, was Genker Nadelstiche aber nicht verhinderte. In der 26. Minute, Sekunden zuvor ließen die Gäste den zweiten Treffer liegen, wuchtete Genk-Kapitän Samatta einen Kopfball zum 1:1 ins Tor. Doch noch während er zum Jubel in Richtung Fankurve rutschte, brach ein Pfeifkonzert los: Die Fahne war oben, Abseits. Der Treffer zählte auch nach Überprüfung durch den Videoassistenten nicht. Trotzdem wusste Genk nun, dass und vor allem wie es dem Favoriten aus Liverpool wehtun konnte – und zwar vor allem durch Konter.
In der 40. Minute fehlten Samatta nach einem der besagten Gegenstöße nur Zentimeter zum vermeintlichen 1:1. Stattdessen rutschte der Angreifer an einem guten Zuspiel von Ito vorbei. Gezählt hätte der Treffer wieder nicht. An der Seitenlinie ging wegen Abseits die Fahne hoch.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Genk das Risiko, suchte sein Heil aber weiterhin in schnellen Kontern. Liverpool ließ die Gastgeber machen, schlug dann aber eiskalt zu. Der von seinem Gegenspieler vergessene Oxlade-Chamberlain erhöhte mit einem schönen Tor auf 0:2. Sein Schuss prallte von der Unterkante der Latte ins Tor des chancenlosen Coucke. Mit dem zweiten Treffer zog Liverpool dem Genker Widerstand endgültig den Stecker. Stattdessen spielte Liverpool weiter nach vorne – und legte nach: In der 77. Minute erzielte Mané das 0:3, ehe Salah in der 87. Minute das 0:4 besorgte. Feiern sollte das ohnehin gute und faire Genker Publikum trotzdem: Der eingewechselte Odey besorgte den Ehrentreffer für Genk, das den in allen Belangen perfekten Abend aber verpasste. Wer soll es ihnen verübeln?

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