Tod auf dem Gehweg - Trauer nach schwerem Unfall in Berlin

Mehrere hundert Menschen nehmen an einer Mahnwache an der Stelle teil, an der am Freitag vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren.
Mehrere hundert Menschen nehmen an einer Mahnwache an der Stelle teil, an der am Freitag vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. | Foto:dpa

Hastig nur legt die Frau ihre Blumen vor den abgeknickten Ampelmast. Zu viele Augen ruhen auf der Gehwegstelle, wo schon Rosen und Sonnenblumen liegen. Stunden zuvor hat hier ein Geländewagen vier Menschen in den Tod gerissen, darunter ein Kleinkind. Die Frau geht weiter, setzt sich in einen Hauseingang, stützt den Kopf in die Hände und weint. Trauer und Fassungslosigkeit herrschen am Samstag in Berlin. Wie konnte das passieren? Warum kam der Porsche von der Straße ab?

Björn Möller ist an diesem Morgen wiedergekommen. Er war Zeuge des Unfalls am Freitagabend. Es habe einen lauten Knall gegeben und als er hinsah, habe er das SUV gesehen. SUV steht für Sport Utility Vehicle (Sportnutzfahrzeug).

Der Wagen hatte den Ampelmast abgeknickt und sei dann über den Gehweg geflogen. „Wie über eine Sprungschanze, es sah aus wie im Film“, sagt Möller. Die Fußgänger, die an der Ampel im Weg standen, habe das Auto mitgerissen.

Wie genau alles ablief, ist noch unklar. Eine offizielle Darstellung des Unfalls gibt es bislang nicht. Die Polizei wertete am Samstag noch die Spuren aus.

Passanten erzählen, der Wagen sei an der roten Ampel ausgeschert und habe die wartenden Autos mit hohem Tempo überholt. „Alle sagen 80 plus“, meint Möller. Bremsspuren sind nicht zu erkennen.

Grabkerzen stehen nun an dem Ampelmast. An einem eingedrückten Bauzaun hängt ein Werbeplakat für eine Superhelden-Ausstellung, „Giants of iron“. Ein Riese aus Metall ist mit knapp zwei Tonnen Gewicht auch das Unfallauto. Es kam völlig demoliert auf dem verwilderten Baugrundstück hinter der Ampel zu stehen. Auf dem Weg dorthin hat es sich offenbar gedreht.

Der Fahrer des Wagens kommt schwer verletzt ins Krankenhaus, ebenso zwei weitere Menschen - vermutlich auch Insassen des Unfallwagens. Polizei und Feuerwehr suchen in der Nacht zwei Stunden nach dem Unfall noch mit Wärmebildkameras nach möglichen weiteren Betroffenen.

Nico Müller hat seinen Frisörladen nahe der Straßenecke. Schon vor zwei Jahren habe es dort einen schweren Unfall gegeben, sagt er, ein Auto sei in einen Laden gefahren. „Die Leute rasen hier wie die Irren.“ Eine Tempo-30-Zone sei dringend nötig. Die Tram, die Autos, Fahrräder, Tretroller - „Das ist zuviel für diese Straße.“

Was am Freitagabend geschah, soll eine Rekonstruktion ergeben. Bis tief in den Abend waren Sachverständige an der Unfallstelle und vermaßen im grellen Scheinwerferlicht Unfallspuren auf der Straße, während ein Kran vorfuhr, um das Autowrack zu bergen.

Den ganzen Tag über kamen am Samstag Menschen zur Unfallstelle, hielten inne, diskutierten, machten Fotos. Am Abend war eine Mahnwache geplant - initiiert haben sie Interessenverbände, die gegen schwere SUV im Stadtverkehr argumentieren, jener Mischung aus Limousine und Geländewagen. Die evangelische Kirchengemeinde am Weinberg lud zu einer Gedenkandacht in der nahen Elisabethkirche.

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Kommentare

  • Wieder mal zeigt sich anhand dieser Tragödie die Irrsinnigkeit solcher Fahrzeuge, noch dazu in der Stadt. Die Rücksichtslosigkeit dieser Ellenbogenmenschen tut ihr Übriges dazu. Diese Fahrzeuge gehören verboten weil absolut überflüssig und dazu saugefährlich! und diese rücksichtslosen Raser zur Rechenschaft gezogen!

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