Seitdem sich gezeigt hat, dass die Mohnblume in der Wallonie trotz bestem Wetter im politischen Garten nicht zur Blüte gelangen würde, sitzen in der Wallonie drei Parteien um den Verhandlungstisch. Mathematisch braucht es nur zwei davon: PS und MR. Würde Ecolo irgendwann die Tür hinter sich zuschlagen?
Schlimme Ereignisse ergeben sich meist aus einer – wie es dann heißt – unglücklichen Verkettung von Umständen. Es gibt also oft nicht „die eine“ Ursache, sondern mehrere, die in Kombination zu der Katastrophe führen. Ohne Pessimismus versprühen zu wollen: Eine solche Konstellation braut sich derzeit über der Welt zusammen. Und man wird den Eindruck nicht los, dass, während die Brandstifter fleißig zündeln, die Feuerwehr ihren Sommerurlaub genießt.
Die Anzeichen häufen sich, dass es nach Jahren des Aufschwungs mit der Wirtschaft bergab gehen könnte. Die (geo)politische Lage wird mit jedem Tag prekärer, und die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte werden auch in Belgien immer sichtbarer. Rutschen wir langsam in eine Rezession?
Bis zum 31. Oktober sind es noch ziemlich genau 86 Tage. Und es ist Sommerpause. Bis Ende Oktober will Boris Johnson das schaffen, was seine Vorgängerin Theresa May in drei Jahren nicht geschafft hat: Großbritannien aus der EU führen. Denn er macht die Rechnung ohne den Wirt.
Für Bart De Wever (N-VA) ist dieser Sommer ganz nach Maß. Nicht etwa, weil der Narzist die Hitze besonders mag, sondern weil die Wahlen vom 26. Mai ihm dermaßen in die Karten gespielt haben, dass er alle anderen zappeln lassen kann: in Flandern sowieso, aber selbst in der Wallonie.
„Die ich rief, die Geister, werd ich nicht mehr los“, wusste schon Wolfgang Goethes Zauberlehrling, als er seinen Besen zum Wasserholen losschickte und dann das Zauberwort vergaß, um ihn zu stoppen. Trump erfährt in diesen Tages Ähnliches. Und die Welt mit ihm.
Während für die meisten Belgier derzeit die Frage im Mittelpunkt steht, ob man schon Urlaub hatte oder dieser noch ansteht, ist für das politische Belgien der Urlaub erst einmal gestrichen. Es gilt, Regierungen zu bilden. Denn im September möchte bzw. will man startklar sein.
Fast unbemerkt, aber darum nicht unwichtiger, geschieht Ende dieser Woche Historisches: Der INF-Vertrag zwischen den USA und Russland läuft aus, beide Seiten haben ihn gekündigt. Dabei hat dieser Vertrag, über seinen Inhalt hinaus, symbolischen Wert. Er war so etwas wie das Fanal zum Ende des Kalten Krieges.
Zumindest haben sie ja jetzt wenigstens miteinander an einem Tisch Platz genommen. Wer in diesem Sommer nach Brüssel schaut, ist gut beraten, sich in Bescheidenheit zu üben.
Ansprache des Staatsoberhauptes, Te Deum, Defilee. So kennt man ihn, den Nationalfeiertag, den 21. Juli in Belgien. Obschon in diesem Jahr die „drache nationale“, der traditionelle Wolkenbruch, ausbleibt, bleibt nationale Hochstimmung aus.