Nach Angaben der Gewerkschaften war die Aktion eine Reaktion auf mögliche Konsequenzen für Angestellte und Leitungspersonal, die eine offene Kritik an der Asylpolitik von Föderalministerin Anneleen Van Bossuyt (N-VA) unterzeichnet hatten. Die Unterzeichner seien von der Direktion vorgeladen worden.
„Das ist ein gefährlicher Präzedenzfall, das ist Repression“, erklärte André Gilles von der sozialistischen Gewerkschaft ACOD. „Wir werden uns solchen illegalen Praktiken nicht beugen.“
Die Arbeitsniederlegung begann gegen 11 Uhr und dauerte rund 59 Minuten. Besonders betroffen waren Einrichtungen in Brüssel, aber auch in der Wallonie und in Teilen Flanderns kam es zu Protestaktionen. Nach Gewerkschaftsangaben mussten sich zudem zwölf Leiter von Aufnahmezentren am Dienstagnachmittag vor der Fedasil-Direktion verantworten – unter anderem wegen ihrer Unterschrift unter dem offenen Brief.
Zusätzlichen Zündstoff lieferte der Fall eines Mitarbeiters, der an der Initiative beteiligt gewesen sein soll und nach Angaben der Gewerkschaften sogar mit einer Entlassung bedroht worden sei.
Die Leitung von Fedasil wies diese Vorwürfe jedoch zurück. Disziplinarverfahren im Zusammenhang mit der jüngsten Protestaktion gebe es nicht. „Es ist jedoch ein sozialer Dialog zu diesem Thema vorgesehen“, erklärte die Direktion. Zudem stehe man im regelmäßigen Austausch mit Führungskräften, in dessen Rahmen auch die aktuelle Situation besprochen werde.
Auch aus dem Kabinett der zuständigen Föderalministerin hieß es, man sei nicht in die Angelegenheit involviert. Die Behandlung interner Beschwerden liege in der Verantwortung von Fedasil selbst.
Für Donnerstag ist ein Treffen zwischen den Gewerkschaften und der Generaldirektion angesetzt. Ob es dabei zu einer Entspannung der Lage kommt, bleibt vorerst offen. (belga/calü)

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