Das Institut für Demokratiepädagogik (IDP) steht vor dem Aus. Nach längeren Gesprächen mit der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft scheiterte ein neuer Geschäftsführungsvertrag – unter anderem, weil der Fokus stärker auf Ostbelgien und die Erwachsenenbildung gelegt werden sollte, wie Minister Gregor Freches (PFF) erklärt. Die Generalversammlung lehnte ab, das Institut wird abgewickelt.
Eine Stellungnahme des IDP selbst gibt es derzeit nicht. Wie die ehemalige Leiterin Tomke Lask bestätigt, dürfen die früheren Verwaltungsratsmitglieder während des laufenden Prozesses aus rechtlichen Gründen nicht im Namen des Instituts sprechen. Eine Einordnung aus erster Hand steht also noch aus. Das ändert allerdings nichts an der zentralen Frage: Was hat politische Bildung konkret bewirkt – gemessen an fast 290.000 Euro jährlich? Gleichzeitig arbeiten Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit deutlich weniger Mitteln und näher an den Menschen. Dass die Regierung diese Schieflage hinterfragt, ist nicht nur nachvollziehbar – es ist überfällig.
Das Problem liegt tiefer: Das IDP war aktiv, vernetzt, präsent. Doch vieles blieb im eigenen Kosmos. Politische Bildung wirkte hier zu oft wie Elfenbeinturmarbeit: konzeptionell stark, international anschlussfähig – aber für breite Bevölkerungsschichten kaum greifbar. Genau daran entscheidet sich ihre Wirkung. Politische Bildung darf nicht bei denen stehen bleiben, die ohnehin interessiert sind. Sie muss raus aus der Fachsprache, raus aus der Projektlogik, raus aus dem Kreis der immer gleichen Akteure – dorthin, wo Skepsis, Desinteresse und Frust gegenüber Politik entstehen. Gelingt das nicht, verfehlt sie ihren Auftrag.
Die Auflösung des IDP ist deshalb nicht automatisch ein Rückschritt. Sie kann auch eine notwendige Korrektur sein – hin zu Strukturen, die näher an den Menschen arbeiten. Die stärkere Rolle der Erwachsenenbildung bietet dafür eine Chance. Aber genau daran muss sich die Regierung der DG jetzt auch messen lassen. Wer politische Bildung zur Priorität erklärt, muss sie auch liefern: sichtbar, zugänglich, niederschwellig – und ausdrücklich über die Schule hinaus. Es reicht nicht, Strukturen zu verschieben. Entscheidend ist, ob Menschen tatsächlich erreicht werden. Denn Demokratie entsteht nicht im Seminarraum und nicht im Rechtfertigungsbericht für Zuschüsse. Sie entsteht dort, wo Menschen sich angesprochen fühlen – oder eben nicht.

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