Bei der Schreinerei Rozein hat das Handwerk Zukunft

<p>Geglückte Betriebsnachfolge: Die Brüder Frederic (30, links) und Simeon (26, rechts) treten bei der Nidrumer Schreinerei Rozein allmählich in die Fußstapfen ihrer Eltern Jürgen und Karin Rozein-Niessen. Fotos: David Hagemann</p>
Geglückte Betriebsnachfolge: Die Brüder Frederic (30, links) und Simeon (26, rechts) treten bei der Nidrumer Schreinerei Rozein allmählich in die Fußstapfen ihrer Eltern Jürgen und Karin Rozein-Niessen. Fotos: David Hagemann

Gegründet wurde die Schreinerei 1998 von Jürgen (61) und Karin (55) Rozein-Niessen. „Wir haben damals ganz klein angefangen – eine Werkstatt, ein Lehrling“, erinnert sich Jürgen Rozein. Als Schreinermeister hatte er zuvor in mehreren Betrieben gearbeitet, bis irgendwann der Entschluss reifte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Seine Frau Karin übernahm von Beginn an die Büroarbeit.

Jürgen Rozein: „Unsere Vielseitigkeit sehen wir als klaren Vorteil.“

Der Betrieb entwickelte sich kontinuierlich. „Die Nachfrage war groß, die Resonanz sehr positiv. Wir sind oft weiterempfohlen worden, und so ist der Betrieb Schritt für Schritt gewachsen.“ Heute beschäftigt die Schreinerei Rozein neun Mitarbeiter und deckt nahezu das komplette Spektrum der Schreinerarbeiten ab – innen wie außen, mit Ausnahme von Dächern. Rund die Hälfte der Arbeiten entfällt auf den Fensterbereich, hinzu kommen Türen, Innenausbau, Treppen oder maßgefertigte Lösungen. „Wir haben uns bewusst nicht spezialisiert“, so Jürgen Rozein. „Diese Vielseitigkeit sehen wir als klaren Vorteil.“

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Diese Flexibilität zahlt sich vor allem im Privatkundenbereich aus, der den Großteil der Aufträge ausmacht. Renovierungen nehmen dabei einen immer größeren Stellenwert ein, ergänzt durch gelegentliche gewerbliche Projekte. „Oft kommt eins zum anderen. Wir bauen Fenster ein – und später fragt der Kunde, ob wir nicht auch noch etwas anderes machen können.“ Möglich ist das dank einer vollständig ausgestatteten Werkstatt, die individuell auf Kundenwünsche reagieren lässt.

Mit dem Wachstum kam irgendwann der Punkt, an dem der Platz nicht mehr ausreichte. Die Chance, das Gelände des ehemaligen Bauunternehmens Oswald Heck zu erwerben, bot eine Lösung – aber auch eine Grundsatzfrage. „Diesen Schritt haben wir nur gemacht, weil unsere Söhne klar gesagt haben, dass sie langfristig im Betrieb bleiben und ihn weiterführen wollen“, betont Karin Rozein. Der Kauf wurde 2021 vollzogen, seit Ende 2023 ist die Schreinerei vollständig am neuen Standort in der Feldstraße angesiedelt. Dort stehen nun rund 2.500 Quadratmeter Werks- hallen zur Verfügung.

Frederic (30) und Simeon (26) Rozein übernehmen zunehmend Verantwortung. Für Frederic stand der Weg früh fest. Nach dem Abitur absolvierte er die Schreinerlehre im elterlichen Betrieb, sammelte anschließend vier Jahre Berufserfahrung im Vertrieb eines anderen Unternehmens. „Mir war wichtig, auch mal rauszukommen und etwas anderes zu sehen“, sagt er. Heute zeichnet sich eine klare Rollenverteilung ab: „Simeon wird sich stärker um den handwerklichen Bereich kümmern, ich mehr um das Administrative.“

Simeon wiederum entschied sich mit 17 Jahren für die klassische Lehrlingsausbildung und arbeitete danach zwei Jahre in einem fremden Betrieb, der auf Möbelfertigung spezialisiert war. „Das war eine wichtige Erfahrung“, sagt er. „Als Sohn des Chefs wird man anders wahrgenommen. In einem fremden Betrieb bekommt man ein ehrlicheres Feedback – vom Chef und von den Kollegen.“ Zudem habe er fachlich viel gelernt. „Das war ein komplett anderer Bereich. Dieser Blick über den Tellerrand hilft mir heute enorm.“

Nach Blick über den Tellerrand zurück in den Familienbetrieb.

Die besondere Konstellation eines Familienbetriebs bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. „Die Beziehung Vater–Sohn im Betrieb ist nicht dieselbe wie unter normalen Kollegen“, sagt Simeon Rozein offen. „Das lässt sich nicht vermeiden.“ Umso wichtiger sei ein respektvoller Umgang – auch mit den Mitarbeitern. „Unser Team ist sehr jung, der älteste Mitarbeiter ist gerade einmal 31 Jahre alt“, erklärt Frederic. „Wir bewegen uns auf Augenhöhe, das ist für die Betriebsnachfolge ein riesiger Vorteil.“

<p>Simeon Rozein schätzt es sehr, eine klassische Schreinerausbildung genossen zu haben: „Ein guter Handwerker wird immer Anerkennung erfahren“, sagt er.</p>
Simeon Rozein schätzt es sehr, eine klassische Schreinerausbildung genossen zu haben: „Ein guter Handwerker wird immer Anerkennung erfahren“, sagt er.

Als Ausbildungsbetrieb legt die Schreinerei Rozein großen Wert darauf, Lehrlinge zu fördern und möglichst zu übernehmen. „Wir ziehen unsere Fachkräfte selbst heran“, sagt Seniorchef Jürgen Rozein. Zwar beobachtet er, dass immer weniger Jugendliche direkt eine Lehre beginnen und stattdessen länger zur Schule gehen. Dennoch bleibe das Handwerk attraktiv. Simeon Rozein ergänzt: „Ein neuer Lehrling ist viel mit mir unterwegs. Mit 26 verstehe ich noch gut, wie ein 16-Jähriger tickt – das macht es für beide Seiten angenehmer.“

Auf der IMO geht es für die Schreinerei Rozein vor allem um Sichtbarkeit. „Manchmal bringt die Messe viele Folgeaufträge, manchmal weniger“, weiß Jürgen Rozein. „Aber der persönliche Kontakt ist entscheidend.“ Das Einzugsgebiet reicht über Ostbelgien hinaus, vereinzelt bis nach Brüssel, in die nähere Wallonie und ins benachbarte Grenzgebiet Deutschlands.

Mit einer soliden Basis, klaren Zukunftsplänen und zwei Söhnen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, präsentiert sich die Schreinerei Rozein im St.Vither Triangel als das, was sie seit fast drei Jahrzehnten ist: ein gewachsener Familienbetrieb – und einer, dessen Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

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