Zu viel gewollt? Vielleicht. Zu viel riskiert? Ganz sicher. Aber genau dafür stand sie immer: voller Leidenschaft, mutig, kompromisslos. Mit 41 Jahren, mit kaputten Knien und trotzdem mit dem Willen, noch einmal ganz oben zu stehen. Vernünftig war das nicht. Aber typisch Vonn.
Verletzungen gehören zum alpinen Skisport. Wer lange genug diese Abfahrten fährt, weiß: Es ist nicht die Frage ob, sondern wann etwas passiert. Lindsey Vonn wusste das besser als jede andere. Nach sechs Jahren Pause kehrte sie zurück, mit Teilprothese im Knie und zuletzt sogar mit gerissenem Kreuzband – nur aus einem Grund: Sie wollte noch einmal Rennen fahren. „Ich liebe diesen Sport“, sagte sie zu ihrer Motivation. Mehr Erklärung brauchte es nicht. Sie war nie jemand für halbe Sachen. Genau das machte sie zur größten Abfahrerin ihrer Generation und zu einer prägenden Figur des Skisports. Man hätte ihr dieses Finale gegönnt: einen letzten Moment zum Jubeln, einen würdigen Abschied. Doch der Sport kennt keine Drehbücher, keine Gerechtigkeit, nur Ergebnisse. Vielleicht passt das zu ihr. Lindsey Vonn lebte immer am Limit, sie suchte die Bewährungsprobe statt der Sicherheit.
Der Gründer der modernen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, hat einmal gesagt: „Das Wichtigste ist nicht der Triumph, sondern der Kampf.“ Genau das hat sie getan, bis zum letzten Meter. Sicher ist auch: Der Skisport braucht solche Stars. Figuren wie Lindsey Vonn, die begeistern, Emotionen wecken und Millionen mitreißen können. Ohne sie wäre der Sport ärmer und leiser. Lindsey Vonn wird nicht wegen dieses Sturzes in Erinnerung bleiben, sondern wegen ihrer Erfolge, ihrer Rückschläge und ihres unbändigen Willens. Manche große Sportkarrieren enden leise. Ihre wird noch lange nachhallen.

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