Streit um Grönland: Europa darf sich nicht mehr erpressen lassen

<p>Dänische Soldaten im Hafen von Nuuk: Der Einsatz unterstreicht die dänische Souveränität über Grönland – in einem Konflikt, in dem die USA mit Zolldrohungen politischen Druck auf Verbündete ausüben und das transatlantische Verhältnis auf eine harte Probe stellen.</p>
Dänische Soldaten im Hafen von Nuuk: Der Einsatz unterstreicht die dänische Souveränität über Grönland – in einem Konflikt, in dem die USA mit Zolldrohungen politischen Druck auf Verbündete ausüben und das transatlantische Verhältnis auf eine harte Probe stellen. | Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Trump zeigt, wie weit sich das Denken im Weißen Haus von jeder Ordnungsidee entfernt hat. Grönland gehört zu Dänemark. Darüber gibt es nichts zu reden. Wer dennoch mit wirtschaftlicher Erpressung arbeitet, hat den Boden partnerschaftlicher Politik verlassen. Trump handelt nicht strategisch, sondern narzisstisch. Er sucht keine Lösungen, sondern Unterwerfung. Zölle sind für ihn kein wirtschaftliches Instrument, sondern ein Machtbeweis. Er droht, eskaliert, wartet auf das Einknicken. Beschwichtigung bestärkt ihn, Zurückhaltung reizt ihn, Vernunft interessiert ihn nicht. Besonders verheerend ist dieses Spiel unter NATO-Partnern. Die gemeinsame Sicherheitsarchitektur verkommt zur Kulisse für Demütigungen, Loyalität zur Druckmasse. Wer meint, man müsse dieses Verhalten hinnehmen, um sie zu bewahren, verkennt die Lage: Ein System kollektiver Sicherheit, das auf Erpressung beruht, ist bereits beschädigt. Europa darf sich jetzt nicht länger kleiner machen, als es ist. Die Europäische Union ist kein hilfloser Zuschauer, sondern der wichtigste Handelspartner der Vereinigten Staaten.

Ein harter Zollkonflikt würde amerikanische Unternehmen, Arbeitsplätze und Märkte genauso treffen wie europäische. Wer so tut, als säße Washington automatisch am längeren Hebel, macht sich freiwillig zum Unterlegenen. Genau deshalb gehört jetzt alles auf den Prüfstand: Handelsabkommen, Sonderkonditionen, politische Rücksichtnahmen. Nichts davon ist unantastbar, wenn die andere Seite bewusst die Konfrontation sucht. Die USA können nicht länger als verlässlicher Partner betrachtet, sondern müssen als das benannt werden, was sie hier sind: ein politischer Gegner, ein knallharter Konkurrent, der rücksichtslos Druck einsetzt, um eigene Interessen durchzusetzen.

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