Lehrermangel in der Französischen Gemeinschaft flächendeckend
Bildung
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Der Beruf des Grundschullehrers gilt im laufenden Schuljahr in allen Regionen der Französischen Gemeinschaft (FG) als Mangelberuf. Das geht aus einer Bestandsaufnahme der Verwaltung hervor, die Bildungsministerin Valérie Glatigny (MR) am Montag vorstellte.
Der Mangel an Lehrern bleibt in der Französischen Gemeinschaft ein strukturelles Problem.
| Illustrationsbild: picture alliance/dpa
Auch im allgemeinbildenden Sekundarunterricht herrscht in sämtlichen zehn von der zuständigen Kommission beobachteten Zonen Lehrermangel – insbesondere in den Fächern Englisch, Niederländisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Geografie und Musik, wie die Citicap feststellt. Zwar nicht überall gleichermaßen, aber ebenfalls häufig schwer zu besetzen, ist der Französischunterricht im Sekundarbereich.
Im technischen und beruflichen Unterricht ist die Lage besonders angespannt: Von 170 technischen und praktischen Funktionen gelten derzeit 110 als Mangelberufe, darunter Küche, Mechanik und Elektrizität. Das erklärte die Ministerin in der Parlamentskommission als Antwort auf Fragen der Abgeordneten Bénédicte Linard (Ecolo), Bruno Bauwens (PTB) und Ersel Kaynak (PS).
Regierung plant neues Maßnahmenpaket
Um dem seit Jahren bestehenden Problem entgegenzuwirken, haben frühere Regierungen bereits verschiedene Schritte unternommen. Auf Grundlage der Ergebnisse mehrerer Arbeitsgruppen aus dem vergangenen Jahr bereitet die MR-Engagés-Regierung nun ein neues Maßnahmenbündel vor, das die Stabilisierung der Lehrerkarrieren beschleunigen soll, so Glatigny.
Geplant ist unter anderem, jungen Lehrkräften schneller eine volle Unterrichtsverpflichtung zu ermöglichen, die Berechnung der Dienstalter zu vereinheitlichen und frühere Berufserfahrung bei anderen Schulträgern besser anzurechnen. Zudem sollen die Fristen zur Meldung freier Stellen bei längerer Abwesenheit eines Lehrers harmonisiert werden.
Darüber hinaus will die Ministerin die administrativen Unterschiede zwischen den Lehrbefähigungen „erforderlich“ und „ausreichend“ abschaffen. Weitere Maßnahmen zielen darauf ab, Quereinsteiger für den Lehrerberuf zu gewinnen.
Ein Vorentwurf eines Dekrets, das all diese Punkte umfasst, soll in Kürze von der Regierung verabschiedet werden.
Weitere Anreize – aber kaum Neueinsteiger 2026
Die neuen Schritte ergänzen bereits angekündigte Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Berufs: eine Lohnerhöhung um fünf Prozent für Lehrkräfte mit vierjähriger Ausbildung sowie die Reduzierung der Unterrichtsstunden um zwei Perioden für Berufseinsteiger und Lehrer über 60 Jahre.
Zudem soll ab dem Schuljahr 2027 allen künftig vierjährig ausgebildeten Lehrkräften ein unbefristeter Vertrag (CDI-E) angeboten werden – bislang war dies nach drei Jahren der Fall. Paradoxerweise führt die verlängerte Ausbildung dazu, dass zum Schulstart 2026 nahezu keine neuen Lehrer in den Arbeitsmarkt eintreten werden.
Exakte Zahlen zur aktuellen Mangellage konnte die Ministerin den Oppositionsabgeordneten nicht liefern; entsprechende Statistiken seien derzeit administrativ nicht verfügbar. Abhilfe soll künftig die neue Gehaltsplattform Cepage schaffen, die einen schnelleren Überblick über fehlende Lehrkräfte ermöglichen soll.
Bei ihrem Amtsantritt im Sommer 2024 hatte die MR-Engagés-Regierung in der FG den Kampf gegen den Lehrermangel zur „politischen Priorität Nummer eins“ erklärt. (belga/rt)
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