Überbelegung verschärft sich: Neuer Negativrekord in Belgiens Gefängnissen

<p>Ein Blick von außen auf die Haftanstalt von Haren</p>
Ein Blick von außen auf die Haftanstalt von Haren | Foto: belga

Besonders betroffen ist Flandern, wo 364 Gefangene in zehn Haftanstalten keinen regulären Schlafplatz haben. Den traurigen Spitzenplatz belegt das Gefängnis von Antwerpen mit 69 Betroffenen. Es folgen Dendermonde (59), Ieper (47), Hasselt (45) und Gent (41). Auch in Brügge, Oudenaarde, Turnhout, Löwen und Mechelen ist die Überbelegung längst kein Ausnahmezustand mehr. In Hasselt betrifft die Situation sogar eine weibliche Inhaftierte.

Auch in der Wallonie ist die Lage angespannt: Dort schlafen 254 Gefangene auf dem Boden, ebenfalls verteilt auf zehn Gefängnisse. Besonders viele Bodenschläfer gibt es in Marche (41, darunter drei Frauen), Leuze (36), Mons (34, darunter fünf Frauen) und Doornik (30). Weitere betroffene Anstalten sind Namur, Nivelles, Jamioulx, Aarlen, Lantin und Huy.

In der Region Brüssel sind 54 Inhaftierte betroffen – sie alle befinden sich im neuen Gefängnis von Haren.

Die alarmierenden Zahlen wurden nur eine Woche nach einem rechtlichen Schritt der sozialistischen Gewerkschaft ACOD veröffentlicht, dem flämischen Pendant der CGSP,. Diese hatte die föderale Regierung wegen der anhaltend schlechten Haftbedingungen und der strukturellen Überbelegung vor Gericht gebracht. Nach Ansicht der Gewerkschaft ist die Situation sowohl für die Gefangenen als auch für das Gefängnispersonal nicht mehr tragbar.

Insgesamt verfügt Belgien über 39 Gefängnisse mit einer offiziellen Kapazität von 11.098 Plätzen. Tatsächlich sind derzeit jedoch 13.690 Menschen inhaftiert – fast 2.600 mehr, als das System eigentlich verkraften kann. (belga/calü)

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