Für die Untersuchung wurden fast 1.400 verdächtige Tanker, Frachter und Aufklärungsschiffe analysiert, die dem Kreml zugerechnet werden – auch wenn viele nicht unter russischer Flagge fahren. Die Flotte wird laut den Recherchen genutzt für Öl- und Güterschmuggel trotz Sanktionen, für Waffentransporte, Spionage und Sabotageaktionen.
Herzstück des Befunds ist der Umgang der Schiffe mit dem AIS-Transpondersignal, das ihre Position offenlegen soll. Vergleicht man die Daten dieser „dunklen Flotte“ mit einer repräsentativen Kontrollgruppe von 100 unverdächtigen Schiffen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Norwegen, zeigt sich: Die Russland-nahen Schiffe waren bereits sechs Mal so oft ohne AIS-Signal unterwegs wie reguläre Handelsschiffe.
Tarnung für Angriffe – oder für verbotene Geschäfte
Das bewusste Abschalten der Transponder könne in Kriegszeiten zwar der Abwehr ukrainischer Angriffe dienen. Häufiger aber gehe es laut den Recherchen darum, heikle oder illegale Aktivitäten zu verschleiern.
Ein typisches Muster sind sogenannte Ship-to-Ship-Transfers: Auf hoher See werden sanktionierte Güter – etwa Öl – von einem Schiff auf ein anderes umgepumpt oder umgeladen, ohne dass die Behörden verfolgen können, wohin die Ladung letztlich geht.
Das belgische Verteidigungsministerium bestätigt die Erkenntnisse der Journalisten. Das Verhalten geschehe „vor allem, um wirtschaftliche Sanktionen zu umgehen“, heißt es. Doch auch AIS-Lücken ohne erkennbaren Sanktionsbezug seien „per Definition verdächtig“. Neben dem kompletten Abschalten des Signals senden einzelne Schiffe demnach gezielt falsche Positionsdaten, um ihre tatsächliche Route zu verschleiern und Kontrolleinrichtungen zu täuschen. (belga/calü)

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