Klimagipfel der Blockaden: Was in Belém beschlossen wurde – Crucke ist enttäuscht

<p>Legale und illegale Goldminen nahe der Gemeinde Cachoeira do Piriá.</p>
Legale und illegale Goldminen nahe der Gemeinde Cachoeira do Piriá. | Foto: Larissa Schwedes/dpa

Mächtige Blockierer waren in Hochform und die USA als einer der größten Klimasünder gar nicht erst dabei: Wegweisende Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung sind auf der Weltklimakonferenz in Brasilien trotz turbulenter zweiwöchiger Verhandlungen nicht gelungen.

Umweltorganisationen und Aktivisten kritisierten die Beschlüsse als unzureichend und inakzeptabel. Der föderale Klimaminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés), der Belgien in der zweiten Woche der Klimakonferenz vertreten hat, zeigte sich enttäuscht über die geringe Ambition der verabschiedeten Abschlusserklärung. Besonders bedauert er, dass der Ausstieg aus fossilen Energien nicht im Text verankert wurde – obwohl COP30-Präsident André Corrêa do Lago angekündigt hat, hierfür eine Roadmap auszuarbeiten. Gleichzeitig betont Crucke, dass Belgien zu den ambitionierteren Staaten zählte: Es hat sich dem von Kolumbien initiierten Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen angeschlossen. Diese Dynamik, getragen von Ländern, „die nicht länger auf den kleinsten gemeinsamen Nenner warten wollen“, biete eine wichtige Perspektive für die Zeit nach der COP, so der Minister. Crucke verweist zudem auf einen Vorfall in der Schlussversammlung: Kolumbien legte offiziell Einspruch gegen die aus seiner Sicht unzureichenden Minderungsvorgaben ein. Dies zeige, dass die Welt „gespalten“ sei – zwischen ehrgeizigen Staaten und jenen, die an fossilen Energien festhalten. Das bestätige auch Belgiens Entscheidung, sich dem kolumbianischen Vorstoß anzuschließen. „Mehr denn je müssen wir unter anderem unsere Energieunabhängigkeit sichern“, sagte Crucke.

Zeitweise schien es unter dem Druck großer Proteste und breiter Länder-Allianzen möglich, einen Plan für den Ausstieg aus der klimaschädlichen Verbrennung von Kohle, Öl und Gas anzugehen. Doch selbst die Einigung, einen solchen Plan in den nächsten Jahren zu erarbeiten – über derartige Trippelschritte ringt man auf UN-Konferenzen – scheiterte.

Was beschlossen wurde – und was nicht

Vereinbart wurde statt des tagelang heiß diskutierten Wegs zum Ausstiegsplan lediglich eine freiwillige Initiative, um die Klimaschutz-Anstrengungen der Staaten zu beschleunigen. Schon bei der Klimakonferenz vor zwei Jahren in Dubai hatten die rund 200 Staaten eine Abkehr von diesen fossilen Brennstoffen beschlossen – wann und wie dies geschehen soll, wurde nun anders als erhofft in Belém nicht präzisiert. Die USA sind unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen und blieben Belém fern. In der Vergangenheit waren sie ein wichtiger Geldgeber im Kampf gegen den Klimawandel. Trotzdem sollen reiche Staaten ihre Klimahilfen an ärmere Länder zur Anpassung an die Folgen der Erderhitzung deutlich erhöhen: Von einer Verdreifachung bis 2035 ist die Rede. Doch wird kein Basisjahr dafür und kein konkreter Betrag genannt. Die Summe dürfte deutlich unter den jährlich 120 Milliarden US-Dollar liegen, die Entwicklungsländern vehement gefordert hatten. Sabine Minninger von Brot für die Welt kritisierte, auch die Bundesregierung habe in dem Punkt zu den „Bremsern“ gehört.

Gestartet wurde von Brasilien ein neuer Fonds zum Schutz des Regenwalds. Länder, die ihre Wälder erhalten, sollen nach diesem neuen Modell belohnt werden. Umgekehrt sollen sie für jeden zerstörten Hektar Wald Strafe zahlen. Einen konkreten „Waldaktionsplan“, um die Zerstörung von Wald einzudämmen, beschloss die Konferenz hingegen nicht. Es wird lediglich an einen früheren Beschluss erinnert, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen.

Eine „Konferenz der Wahrheit“ – nur anders als gedacht.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte, viele seien wohl enttäuscht, insbesondere junge Menschen, indigene Völker und alle, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. „An alle, die demonstriert, verhandelt, beraten, berichtet und mobilisiert haben: Gebt nicht auf! Die Geschichte ist auf eurer Seite!“, ermutigte Guterres. Brasilien hatte eine „Konferenz der Wahrheit“ versprochen und auf einen großen Erfolg gehofft. Stattdessen ist nun eher die Wahrheit über die mäßige Entschlossenheit der Weltgemeinschaft bei der Krisenbekämpfung ans Licht gekommen. Die Konferenz sei nicht von wegweisenden Beschlüssen geprägt, bemängelte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer. „Die Staaten versprechen zu wenig und selbst diese Zusagen werden nicht eingelöst.“ Andererseits: Parallel zum Klimagipfel bekannten sich am anderen Ende der Welt in Südafrika die G20-Staaten – wenn auch in abgespeckter Besetzung – zur verstärkten Bekämpfung des Klimawandels. Sie sind für den Mammutanteil der weltweiten Emissionen verantwortlich. (belga/dpa/sc)

Kommentare

  • .. diese Klimagipfel sind doch nur Theater.... macht die Natur und damit die Welt nur kaputt.. eure Nachkommen werden es nie verzeihen....

Kommentar verfassen

1 Comment