„Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass ich mit 22 Jahren noch diese Möglichkeit erhalte“, hatte Ilan Hanf im März auf seine fußballerische Zukunft geblickt. Damals befand er sich im Saisonendspurt der 2. Provinzklasse, kämpfte mit dem KFC Weywertz um die Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Mittlerweile, etwas mehr als ein halbes Jahr später, geht er im Titelrennen der 3. Division Amateure auf Torejagd – und das mit einer beeindruckenden Quote: In zwei Startelfeinsätzen gegen Sprimont (5:3) und den FC Eupen (2:1) traf er dreimal, im Derby verwandelte er am Sonntag einen selbst herausgeholten Elfmeter.

Ilan Hanf, die AS Eupen hatte unerwartet viel Arbeit mit dem FC, kann das sein?
Im Endeffekt haben wir das Derby ja trotzdem dominiert, aber der FC kann stolz auf sich sein, denn er hat uns das Leben definitiv schwer gemacht. Nach unserem ersten Elfmeter kam direkt die Antwort zum 1:1. Am Ende ziehen sie wohl eher etwas Positives aus diesem Spiel als wir.
Und das, obwohl die AS in der Tabelle oben dranbleibt. Denn drei Punkte waren aufgrund der Siege der gesamten Konkurrenz ja extrem wichtig.
Es ist gut, dass wir nachziehen konnten. Das Ziel ist ganz klar der Aufstieg (direkt zurück in die 2. Division Amateure, A. d. R.), alles andere wäre eine Blamage. Angesichts der Qualität in der Mannschaft und beim Training tut jeder Punktverlust weh. Deshalb bin ich froh, dass wir unsere Hausaufgabe erledigt haben – wenn auch nicht mit Bestnote.
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Trainer Nicolas Collubry lobt Ihre Entwicklung, wie blicken Sie auf die ersten Monate am Kehrweg?
Ich bin allein schon glücklich, hier zu sein. Fünf Trainings pro Woche sind der Hammer, dabei war klar, dass ich erst einmal ein paar Schwierigkeiten beim Tempo haben würde. Von der A-Mannschaft sind ein paar Leute mit Profierfahrung runtergekommen, davon einer auf meiner Position. Deshalb musste ich mich im Training erst einmal durchsetzen. Aber es funktioniert gut – ich weiß, was ich kann, habe auf meine Chance gewartet und bin glücklich, dass ich sie genutzt und bestätigt habe.
Wie hat die Anpassung an den neuen Rhythmus geklappt?
Wenn ich da den ersten Monat als Beispiel nehme: Da hatte ich in den letzten 20 Minuten beim Training echt Probleme und kam nicht mehr hinterher. Das baute einen gewissen Druck auf, aber ich muss sagen: Nicolas ist sehr ruhig mit mir geblieben und hat mir Zeit gegeben. Ich hoffe, dass ich das Vertrauen jetzt und in Zukunft zurückzahlen kann.
Wie schaffen Sie das Jonglieren mit fünf Trainings pro Woche und der Arbeit in Luxemburg?
Zum Glück gibt mir mein Arbeitgeber da ziemlich freie Hand, ich bin da sehr variabel. Denn teilweise verschieben wir unsere Einheiten. Letzte Woche haben wir den ganzen Donnerstag trainiert, wobei ich normalerweise da arbeiten gehe. Mit den Fahrten habe ich jedenfalls kein Problem – ich weiß ja, wofür ich das alles mache.
Wofür denn?
Hoffentlich für den Sprung in die Erste Mannschaft.
Halten Sie den für realistisch?
Zuerst einmal geht es um Tore, daran wird man als Stürmer gemessen. Im Moment klappt das gut, aber ich weiß natürlich, dass der Weg noch ein weiter ist. Wir hatten mal ein Testspiel gegen die A – die Innenverteidiger da können schon richtig gut Fußball spielen (lacht). Ich lerne dazu, auch wenn ich mit 22 nicht mehr der Jüngste bin. Ohnehin sind die Chancen bei jedem von uns gering, aber vor allem, wenn man keine 16 oder 18 mehr ist. Ich gebe mein Bestes, und wenn es nicht klappt, habe ich immerhin eine Erfahrung gesammelt, die nicht jeder erhält.
Wie häufig richten Sie noch den Blick gen Weywertz und Honsfeld?
Generell schaue ich auf meine Ex-Klubs, auch auf den FF Norden (in Luxemburg, A. d. R.). Wenn es zeitlich klappt, fahre ich auf jeden Fall nach Weywertz. Das sind Leute, die ich ins Herz geschlossen habe und mit denen ich den Kontakt aufrechterhalten will.

Das sagt AS-Trainer Nicolas Collubry zu Ilan Hanfs ersten Monaten bei den „Young Pandas“ und seiner Leistung im Derby gegen den FC:
„Es war ein schwieriges Spiel für ihn, weil der FC tief verteidigt hat und er nicht viele Bälle bekam, weil wir die Aktionen nicht präzise genug bis zum Strafraum gespielt haben. Trotzdem war er wach, hat den ersten Elfmeter rausgeholt und ihn reingehauen. Er hat sich seinen Platz in der Startelf mit seinen Toren in den vergangenen Wochen verdient – und darauf kommt es an: Wir brauchen Stürmer, die treffen, deshalb bin ich glücklich über seine Leistung. Er kommt von einem deutlich tieferen Niveau und hat ein paar Wochen zur Anpassung gebraucht. Zudem arbeitet er neben den vier, fünf Trainingseinheiten pro Woche, das machen viele andere in der Mannschaft nicht. Chapeau, er macht das gut. Mal schauen, wohin es für ihn geht.“

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