Normalerweise sind die Flächen, die jetzt zu sehen sind, vom Wasser bedeckt. Doch aktuell tauchen verborgene Pfade und Steinflächen auf, was Spaziergänger begeistert. „Die Aussicht ist jetzt viel besser, weil man einen freien Blick hat“, berichtet ein Besucher gegenüber dem frankophonen Rundfunk (RTBF). Ein anderer schwärmt: „Wir hatten das Gefühl, mit dem Rad durch Kanada zu fahren – mit dem Wasser, das zwischen den Steinen hinunterfließt. Wirklich wunderschön.“
Nur noch ein Drittel der Kapazität gefüllt
Maximal kann der Stausee eine Wasserhöhe von 56 Metern erreichen. Derzeit liegt sie bei 39 Metern – gerade einmal zwei Meter über dem historischen Tiefststand aus dem Dürrejahr 1976.
„Wir sind momentan bei rund einem Drittel der Gesamtkapazität“, erklärt Serge Toussaint vom zuständigen Infrastrukturdienst der Wallonie gegenüber der RTBF. In Zahlen: 9,35 Milliarden Liter Wasser sind aktuell gespeichert, die Gesamtkapazität liegt bei 26,4 Milliarden.
Im Kontrollzentrum des Damms gibt man sich dennoch gelassen. „Wir liegen leicht unter der theoretischen Kurve, die wir einhalten müssen. Das heißt: Es ist ein trockenes Jahr, aber wir bewegen uns auf ähnlichem Niveau wie 2022“, erläutert Geoffrey Fraikin, Elektromechaniker am Staudamm.
Weniger Strom, aber genug Trinkwasser
Die Gileppe erfüllt zwei Aufgaben: Sie liefert Strom für den Standort und Trinkwasser für Hunderttausende Menschen.
Bei der Energieproduktion macht sich der niedrige Wasserstand bereits bemerkbar. „Nur eine Turbine läuft derzeit, die zweite ist gestoppt. Wir erzeugen also nur halb so viel Strom wie gewöhnlich“, führt Serge Toussaint aus.
Für die Trinkwasserversorgung gebe es hingegen keinen Grund zur Sorge: „Das Wasser, das durch die Turbine läuft, wird von der wallonischen Wasserverteilungsgesellschaft SWDE aufbereitet. Die Versorgung ist gesichert.“ Selbst wenn kein Tropfen mehr zufließen würde, könnte der Stausee die Bevölkerung noch ein halbes Jahr lang mit Trinkwasser versorgen. (calü)

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