„Nachdem ich ein paar Tage vor meinem Wettkampf (bei der WM, A. d. R.) im Fernsehen als Lügnerin bezeichnet wurde – nur weil ich gesagt habe, was tatsächlich geschehen ist –, bin ich erleichtert, dass die Wahrheit nun ans Licht gekommen ist“, so Thiam in einer Stellungnahme, die sie am Freitagabend veröffentlichte. Aus zuletzt durchgesickerten internen E-Mails von Belgian Athletics gehe klar hervor, dass man sie nicht in Tokio haben wollte. „Der einzige Grund, weshalb ich letztlich doch in Tokio antreten konnte, ist dem schnellen Handeln meiner Anwälte zu verdanken“, schrieb Thiam in den sozialen Medien.
Seit Wochen befinden sich die Leichtathletin und der Verband im Streit und tragen diesen teils öffentlich aus. Die mehrfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin hatte sich aus Sorge vor Konflikten mit eigenen Sponsoren geweigert, im Anlauf zur WM einen sogenannten Verhaltenskodex zu unterzeichnen. Daraufhin wurde ihr die Teilnahme am gemeinsamen Trainingslager mit den anderen Athleten untersagt; auch ihr persönlicher Physiotherapeut wurde nicht für die WM akkreditiert. In Tokio brach Thiam den Siebenkampf letztlich nach zwei Disziplinen ab. Dem Verband wirft sie nun vor, für toxische und unsichere Bedingungen gesorgt zu haben.
„Die Personen, die alles darangesetzt haben, meine Teilnahme in Tokio zu verhindern, sind bekannt. Und es beunruhigt mich, dass sie weiterhin Einfluss auf künftige Nominierungen und Meisterschaften haben könnten“, so Thiam, die mit ihren Aussagen klar auf Rutger Smith, Spitzenfunktionär im flämischen Flügel des Verbandes, abzielt. Er soll sich intern dafür starkgemacht haben, Thiam nicht für die WM zu nominieren, und ihr nach dem Ärger um den Verhaltenskodex „eine Lektion“ zu erteilen.
„Letztlich ist es Belgian Athletics als Ganzes, das diese Entscheidungen absegnet – und somit trägt der Verband kollektiv die Verantwortung“, so Thiam weiter. Zum Schluss forderte die Siebenkämpferin „transparente Regeln und echte Verantwortung – mit fähigen Menschen, die sich dafür einsetzen, Athleten zu schützen, anstatt ihre Macht zu missbrauchen“. (mn/belga)

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