„Ich schäme mich, Belgier zu sein“, wetterte Van der Plaetsen ungewöhnlich emotional. „Normalerweise sage ich nichts, aber jetzt reicht es. Jeder klagt über Belgian Athletics, alles läuft schief. Das ist Hochleistungssport, keine Klassenfahrt.“
Thiam hatte am frühen Samstagmorgen (MESZ) beim Weitsprung nur 5,99 Meter geschafft – Platz 11 von 22 Starterinnen. Damit fiel sie in der Gesamtwertung auf Rang acht zurück und verlor jede Chance auf eine Medaille. Es war ihr schwächstes Weitsprung-Ergebnis bei einem großen Turnier. Den ersten Tag des Siebenkampfes hatte Nafi Thiam noch auf Platz sechs beendet. Nach drei Disziplinen lag sie noch auf dem zweiten Platz.

Offiziell begründete ihr Coach den Rückzug mit den schwierigen Umständen. Neben körperlicher Formschwäche sei vor allem der Streit mit dem Leichtathletik-Verband ausschlaggebend gewesen: „Zu 99 Prozent hängt das mit dem Konflikt zusammen, nur zu einem Prozent mit ihrer physischen Verfassung.“
Streit mit dem Verband eskaliert
Thiam und Belgian Athletics liegen seit Wochen im Clinch. Auslöser ist ein Konflikt über Vermarktungsrechte und einem sogenannten Verhaltenskodex, den die Athletin nicht unterschreiben wollte. Als Folge wurde sie vom gemeinsamen Trainingslager mit den anderen belgischen Athleten ausgeschlossen. Zudem erhielt auch der Physiotherapeut der zweifachen Weltmeisterin und Olympiasiegerin keine Akkreditierung für die Wettkampftage und Stadien – ein Affront im Spitzensport. „In den Kabinen waren wir die einzigen ohne eigenen Physio. Trainer aus anderen Nationen kamen zu mir und entschuldigten sich für die Zustände in Belgien“, schilderte Van der Plaetsen.

Die Athletin selbst hatte bereits im Vorfeld von einer „negativen Atmosphäre“ berichtet, die sie massiv belaste. Nach dem Rückzug deutete sie an, dass es lange dauern werde, wieder Freude am Sport zu finden.
Konkurrenz zieht davon
Während Thiam enttäuscht ausstieg, kämpften andere weiter um Gold: Den Titel bejubelte erstmals Anna Hall aus den USA mit 6.888 Punkten vor der Irin Kate O’Connor (6.714 Punkte). Den dritten Platz belegten punktgleich mit jeweils 6.581 Zählern die Britin Katarina Johnson-Thompson und Taliyah Brooks aus den USA. (belga/calü)

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