Mit dem Vorsatz „Ich lege Wert darauf, dass eigene Leute bei uns zum Einsatz kommen“, setzt sich Marek Kütz in den Chefsessel der RUS Emmels und spricht damit dem gesamten Verein aus der Seele. Lange Zeit galten die Rot-Weißen als Transfermannschaft, in der die Jugend nur die zweite Geige spielte und sich um „auswärtige“ Kicker scharen musste. Bis vor einem Jahr der Umschwung erfolgte. „In Emmels wird wieder Platt gesprochen“, hatte Dany Lehnen bei seinem Amtsantritt als Trainer gesagt und damit die Neuausrichtung in einem Satz zusammengefasst.
Etwas mit Ansage folgte eine Saison später zwar der Abstieg als chancenloses P2-Schlusslicht – doch Unmut kam in Emmels nie auf. Zumal die 3. Provinzklasse schon das eine oder andere Mal unter Beweis stellte, ein guter Ort für die Entwicklung junger Spieler zu sein. „Ganz ohne Transfers geht es natürlich nicht, aber dass von elf Mann auf dem Platz nur einer aus Emmels kommt – das kann´s in meinen Augen nicht sein. Das hat sich letzte Saison geändert, und das spornt mich an“, betont der neue Vorsitzende und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie sein Vorgänger.
Generell fällt auf, wie ähnlich Marek Kütz und Nico Dhur in vielen Punkten ticken. Beide preisen die Arbeit im zwölfköpfigen Vorstand, beide ordnen der eigenen Jugend absolute Priorität zu und beide sehen sich nicht als Präsidenten im Rampenlicht. „Im Fokus zu stehen, war nie mein Ding. Ich packe eher im Hintergrund an“, erklärt Nico Dhur, der die RUS nach seinem Rücktritt in gesunde Hände übergeben sieht: „Nach 15 Jahren ist es an der Zeit, dass junge Leute nachkommen. Mit 61 wird man langsam älter, ich bin viel für die Arbeit unterwegs, und es gibt keinen Tag, an dem ich nicht über den Fußball spreche oder nachdenke. Vor einem Jahr habe ich dem Verein mitgeteilt, dass es meine letzte Saison werden würde – aber auf gar keinen Fall wegen irgendwelcher Probleme im Klub oder Vorstand. Im Gegenteil, wir arbeiten sehr gut zusammen und sind einen guten Weg eingeschlagen.“
Nico Dhurs Amtszeit begann und endet mit Dany Lehnen als Trainer.
Sätze, die bei seinem Amtsantritt im Frühjahr 2010 noch komplett anders geklungen hätten. In der wohl chaotischsten Phase der Vereinsgeschichte stand Emmels in der 3. Provinzklasse mit dem Rücken zur Wand, klammerte sich an die letzten Strohhalme. Aufgrund zu großer Meinungsverschiedenheiten war Roland Schmitz (heute als Delegierter tätig) bereits im Dezember 2009 als Präsident zurückgetreten, die Entlassung von Trainer Marcel Drösch im Saisonendspurt spaltete den Vorstand zusätzlich.
Patrick Gilson sollte die RUS zum Klassenerhalt führen – wurde jedoch vor dem letzten Spieltag vom gerade neuen Präsidenten Nico Dhur vor die Tür gesetzt. „Die Mannschaft machte nicht mehr den Eindruck, als ob sie motiviert ist“, begründete Dhur damals. Kapitän Dany Lehnen führte Emmels als Spielertrainer ins Saisonfinale gegen den bereits feststehenden Meister RFC Raeren, konnte den Abstieg in die P4 aber nicht mehr abwenden. Im Sommer übernahm Hubert Kummeler die Rot-Weißen, die zwei Jahre später als Meister in die P3 zurückkehrten und seitdem mehrfach in der Endrunde am Sprung in die P2 scheiterten – bis es 2020 „dank“ des Covid-Saisonabbruchs endlich klappte. Die Tabelle wurde eingefroren und für gültig erklärt, Emmels stieg als Zweitplatzierter auf.
Der Name Kütz ist fest mit der Emmelser Geschichte verbunden.
„Eine langweilige Zeit war es mit Sicherheit nicht“, blickt Nico Dhur zurück: „Das ist die Gegenwart aber auch nicht, selbst wenn es mich sehr freut, dass viele aus dem Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Das merkt man auch an den Zuschauerzahlen, ob zu Hause oder auswärts. Uns war bewusst, dass der Anfang schwer werden würde, aber wir sind bereit, diesen Weg zu gehen.“
Und das fortan mit Marek Kütz (46) aus Meyerode, der bis zu den Kadetten selbst für die damalige Spielgemeinschaft Emmels-St.Vith auflief. Generell ist der Name Kütz fest mit der RUS verbunden: Das Elternhaus steht nicht weit vom Platz entfernt, Vater Leo war viele Jahre in der Vereinskantine und im Kassenhäuschen aktiv. Und dass Mareks ältester Sohn Romain in der Jugend kickte, führte vor acht Jahren zum Eintritt in den Vorstand. In der U16 bastelt mit Innenverteidiger Miguel ein weiterer Sohn an seiner Karriere im Provinzfußball – „ein totaler Kämpfertyp“, beschreibt ihn sein Vater.
Neben dem Präsidentenwechsel gibt es indes eine weitere Veränderung im Vorstand: Aus beruflichen und familiären Gründen legt Jennifer Otten, Schwester des langjährigen Kapitäns und Interimstrainers Pascal, eine Pause ein.

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