An den Tagen des offenen Denkmals auf Zeitreise gehen

<p>In St.Vith gibt es einiges zu entdecken.</p>
In St.Vith gibt es einiges zu entdecken. | Archivfoto: David Hagemann

St.Vith ist eine Stadt, die auf den ersten Blick modern wirkt. Doch wer genauer hinsieht, erkennt Spuren einer bewegten Vergangenheit. Die Tage des offenen Denkmals bieten Gelegenheit, diese Geschichte in all ihren Facetten kennenzulernen. Unter dem Motto „Vom Mittelalter zur Moderne – St.Viths kulturelle Reise“ öffnet die Stadt historische Orte, die sonst im Alltag oft unbeachtet bleiben.

Ein Höhepunkt des Programms ist die Burgruine aus dem 14. Jahrhundert. Erst im Jahr 2020 wurde sie wiederentdeckt und zieht seitdem viele Neugierige an. Wer durch die alten Mauern geht, spürt die Atmosphäre des Mittelalters und erfährt, wie eng St.Vith schon damals mit den Handelswegen der Region verbunden war. Nur wenige Meter entfernt zeigt sich ein anderes Bild: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die nahezu vollständig zerstörte Stadt in moderner Architektur neu aufgebaut. Kirche, Kino Corso, Rathaus oder Jugendherberge stehen heute als sichtbare Zeugnisse dieser Epoche und sind an diesem Wochenende für Besucher geöffnet.

Neben den klassischen Führungen bietet das Programm viele interaktive Formate. Der Audio-Rundgang „Die Neun Häuser“ führt auf Spurensuche durch die Nachkriegszeit und erzählt vom Wiederaufbau in einer Zeit großer Not. Die Sauerteigbibliothek stellt ein Stück immaterielles Kulturerbe vor, das überrascht: Brotbacken als lebendige Tradition, die Geschichte, Handwerk und Genuss miteinander verbindet.

Auch Familien mit Kindern kommen auf ihre Kosten. Die Comicfigur Karlotta Kulturerbe begleitet die Jüngsten durch die Stadt. Bei einer Stempelsuche mit Hörstationen, beim Bauen wie die Römer in der Pfarrkirche oder beim Stadtbau-Spiel am Büchelturm können Kinder Geschichte selbst gestalten. In kindgerechten Führungen oder beim Mitmach-Parcours im Museum zwischen Venn und Schneifel wird Geschichte zum Erlebnis – spielerisch, kreativ und altersgerecht.

Die Liste der geöffneten Orte ist lang. Besucher können die archäologische Stätte der Burg, den Büchelturm oder die Kapelle von Wiesenbach mit ihrer Einsiedelei erkunden. Im Kultur- und Konferenzzentrum Triangel, im historischen Kino Corso oder in der Grundschule des Athenäums kann entdeckt werden, wie stark der Wiederaufbau das heutige Stadtbild prägt. Ein besonderer Blickfang ist die Pfarrkirche St. Vitus. Sie wurde wenige Jahre nach dem Krieg errichtet und fällt mit ihrer monumentalen Chordecke auf, die in diesem Jahr das Titelmotiv der Veranstaltung ist.

Ferner bietet das Wochenende in Ostbelgien weitere Möglichkeiten, Kulturstätten und Denkmäler zu entdecken. In Recht öffnen der Schieferstollen und das Blausteinmuseum, in Eupen zeigt das Stadtmuseum eine Ausstellung über „Kunst am Bau“. Wer den Sonntag musikalisch ausklingen lassen möchte, kann um 17 Uhr in der Kapelle des Klosters Heidberg in Eupen einem Orgelkonzert lauschen. Auch das Museum Vieille Montagne in Kelmis oder der Euregio-Keramikmarkt in Raeren sind spannende Ziele.

Alle Angebote sind kostenlos. Lediglich für einige Führungen ist eine Anmeldung erforderlich. Besucher können ihr Wochenende also flexibel gestalten – sei es mit einem kurzen Rundgang oder einem ganzen Tag voller Entdeckungen.

Die Tage des offenen Denkmals wollen sichtbar machen, dass der Lebensraum Ostbelgien mehr ist als Straßen und Gebäude. Sie zeigen, dass Geschichte weiterlebt – in Mauern, in Symbolen, in Erinnerungen. Wer sich darauf einlässt, erlebt die Region neu: als Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart in ständigem Dialog stehen. (red/svm)


Weitere Informationen: ostbelgienkulturerbe.be

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