Ja, Putin ist ein Kriegsverbrecher. Er trägt die Verantwortung für den Überfall auf die Ukraine, für Tod und Zerstörung. Aber er ist nun einmal der Machthaber im Kreml. Wer Frieden will, wird nicht darum herumkommen, mit ihm zu reden. Alles andere ist Selbstbetrug.
Wie soll denn dieser Krieg sonst zu Ende gehen? Mit Sturheit oder Schweigen? Mit einer offenen militärischen Konfrontation der NATO? Mit einem Flächenbrand in Europa? Es gibt keine Alternative zu Gesprächen – so bitter das klingt. Jeder Waffenstillstand, jede künftige Lösung muss mit Putin ausgehandelt werden, nicht mit einem idealisierten Gegenpart, den es nicht gibt. Die mediale Aufregung blendet das aus. Sie misst Trump an der großen Geste, am „Ergebnis“. Aber Diplomatie funktioniert nicht wie eine Schlagzeile: keine schnellen Siege, keine klaren Gewinner oder Verlierer. Dass die Präsidenten der beiden größten Atommächte überhaupt miteinander reden, ist in einer Zeit, in der täglich Menschen in der Ukraine sterben, bereits ein Fortschritt.
Trump hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Seine erratische Art, seine zur Schau gestellte Putin-Vertrautheit wirken geradezu provokativ und sind schwer erträglich. Aber eines unterscheidet ihn von vielen anderen: Er redet. Er sucht das Gespräch, auch mit Diktatoren. Das ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Einsicht, dass Kriege nicht mit warmen Worten über die Freiheit Europas entschieden werden, sondern am Verhandlungstisch. Die eigentliche Blamage liegt nicht in Alaska, sondern in der Empörungskultur, die jeden Versuch von Dialog als Kapitulation abtut. Dass Wolodymyr Selenskyj nun bereits für Montag zu Gesprächen nach Washington reist, zeigt: Der Gipfel zwischen Trump und Putin war nicht das Ende, sondern erst der Auftakt einer neuen Verhandlungsrunde. Wer Frieden ernst meint, muss Gespräche zulassen und aushalten, dass sie am Anfang ergebnislos bleiben. Reden ist besser als Schweigen.

Kommentare
Die Frage, die sich nach dem Treffen zwischen Putin und Trump stellt ist, mit welcher Absicht Trump Putin den roten Teppich ausgerollt hat und was dies für den Friedensprozess - insofern es diesen überhaupt gibt - bedeutet.
Die unisono Empörung der Diplomaten, Journalisten und welcher Beobachter auch immer ist deshalb begründet, weil das „Reden“ in Alaska den Frieden in der Ukraine - geschweige denn einen gerechten Frieden - keinen Millimeter näher gebracht hat. Das Gegenteil ist wohl der Fall.
Wer glaubt, dass das Reden mit einem Imperialisten, Mörder, Diktator und Kriegsverbrecher aus einer Position der Schwäche diesen zum Einlenken bewegen kann, blendet die Geschichte aus und verkennt, dass Putin von seinem Kriegsziel seit 3 1/2 Jahren keinen Jota abgerückt ist.
Nein, „man kann mit einem Tiger nicht verhandeln, mit dem Kopf in seinen Maul“ und mittlerweile stellen immer mehr Beobachter die Frage, warum Trump derart unterwürfig und kleinlaut dem russischen Diktator die Bühne überlässt.
Zentrales Werkzeug des größte Dealmakers aller Zeiten ist die Erpressung. Dies hat er mit seiner selbstzerstörerischen Zollpolitik mit Verbündeten und befreundeten Handelspartnern vorexerziert.
Dass er ausgerechnet Russland verschont, dass seine Ultimaten ergebnislos verstreichen und er stattdessen dem Mörder Applaus spendet, ist keine Strategie sondern riecht nach kaltem Schweiß.
Wäre Trump der mächtigste Machthaber der Welt - als der er sich doch sonst gerne sieht - würde er auf Augenhöhe mit Putin reden, ihm Grenzen aufzeigen, Ultimaten Konsequenzen folgen lassen. Nichts davon.
Nein, Reden ist nicht immer besser als Schweigen, zumindest dann nicht, wenn der Kopf sich im Maul des Tigers oder - hier wohl treffender - im Hinterteil des Diktators befindet.
Und sollte es sich nicht bewahrheiten, das Putin einen Faustpfand gegenüber Trump in der Hand hält, bleibt die Erkenntnis, dass der Kompass eines amerikanischer Präsidenten auf dem innenpolitischen Kurs zur Autokratie, der Verbündete brüskiert und erpresst und Autokraten und Diktatoren hofiert und schützt (von Orban über Kim bis Bolsonaro und Putin) schon lange nicht mehr genordet ist.
Es ist zu befürchten, dass Trump beim heutigen Treffen mit Selenskyj erneut die Interessen Russlands vertreten wird und die hochkarätigen europäischen Begleiter gute Miene zum bösen Spiel machen.
Alaska war keine Diplomatie sondern schlechtes Theater. Hoffentlich wird in Washington ein besseres Stück aufgeführt.
"Reden ist besser als Schweigen."
So der letzte Satz des Kommentars von Herrn Schmitz.
Dem könnte man aber das Sprichwort entgegensetzen: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."
Besonders, wenn wie hier, der mächtigste Mann der westlichen Welt völlig unterw¨ürfig seine eigene Drohkulisse umstößt und sich auf die Seite des Gegners schl¨ägt.
Aber ist Putin eigentlich noch ein Gegner? Wer die kumpelhaft herzliche Begrüßung bei der Ankunft auf dem Rollfeld gesehen hat,
dem kommt unweigerliche die französische Redewendung in den Sinn: "s"entendre comme larrons en foire".
Zwei Gauner, die zusammen einen Coup aushecken.
Wissen Sie meine Herren, Sie sollten in die Politik wechseln. Dann könnten Sie als Universalgelehrte Ihre hier gemachten Äußerungen sofort auf Wirksamkeit hin überprüfen.
War das der echte Putin in Alaska?
Es gibt inzwischen genug Hinweise, dass der Typ in Alaska nicht Putin persönlich war, sondern einer seiner Doppelgänger.
Ich stelle die Frage mal hier in den Raum zur Diskussion, denn unsere Experten Leonard und Schleck können hier weiterhelfen.
Danke schon im voraus.
Leider ist mein gestriger Kommetar bis jetzt nicht erschienen. Es muss wohl an einem Übertragungsfehler liegen. Deshalb hier der zweite Versuch:
Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, der wird bei dem Treffen von Trump und Putin unweigerlich an das Münchener Abkommen von 1938 erinnert.
Die Parallelen sind offensichtlich.
Die Folgen der dort praktizierten "Appeasement-Politik" sind bekannt.
"Uber uns, ohne uns", so könnte es auch heute heißen.
Wiederholte Erklärungen Trumps deuten in genau diese Richtung.
Hier ein kurzer Auszug aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel:
"Das Münchner Abkommen gilt als Höhepunkt der britisch-französischen Appeasement-Politik. Der Krieg in Europa, den Hitler hatte provozieren wollen, wurde zunächst verhindert. Großbritannien und Frankreich hatten der tschechoslowakischen Regierung unter Ministerpräsident Syrový bereits am 21. September 1938 klargemacht, dass sie im Falle einer Ablehnung der deutschen Forderungen keinen Beistand zu erwarten hätte. Um einen Krieg zu vermeiden, in welchem sie allein gegen Deutschland gestanden hätte, akzeptierte die Tschechoslowakei die Bedingungen des Abkommens. Aufgrund der Umstände wird das Abkommen auch als Diktat von München bezeichnet."
Kleine Fußnote: Bei der späteren "Zerschlagung" haben auch andere Staaten nicht gezögert, sich ein Stück von der Beute zu sichern: Polen und Ungarn. Was dann später mit ihnen selbst passierte, wissen wir auch...
Ob der Verfasser des Dreizeilenkommentars hiervor über so viel Geschichtskenntnis verfügt, sei dahingestellt.
Zu den inzwischen erschienenen Spekulationen des Herrn Scholzen erübrigt sich wohl jeder Kommentar.
Hallo Herr Schleck,
Habe es mir abgewöhnt, die Kommentare von bekennenden Klimawandelleugnern, Eike-Aktivisten, Corona-Leugnern (O-Ton: Klima-Quatsch, Corona-Quatsch,…) oder Verschwörungstheoretikern zu lesen und muss deshalb auf niveauloses, die Realität und die wissenschaftlichen Erkenntnisse negierendes oder provozierendes Geschreibsel auch nicht mehr antworten.
Niemand wird mich allerdings davon abhalten, mir eine Meinung zum gesellschaftspolitischen Geschehen zu bilden und zu „Papier“ zu bringen und diese - wenn mir danach ist - auch an dieser Stelle zu veröffentlichen.
Nochmal als Tipp für diejenigen, die sich dadurch belästigt fühlen: einfach nicht mehr lesen.
Beste Grüße!
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