KI-Woche zeigt Bedarf an Weiterbildungen in Ostbelgien

<p>Jurist David Röthler ist am liebsten mit seinem Löwen unterwegs. So zeigt es zumindest ein KI-generiertes Foto.</p>
Jurist David Röthler ist am liebsten mit seinem Löwen unterwegs. So zeigt es zumindest ein KI-generiertes Foto. | Foto: Medienzentrum

Ein perfekter Einstieg für die Entdeckung der Möglichkeiten, die unzählige KI-Programme bieten. Ausprobieren, testen, staunen und einfach mal schauen, was möglich ist, das rät er seinem Publikum. Und das Publikum staunte nicht schlecht, denn für viele Besucher war es der erste, tiefere Einblick in die Möglichkeiten KI-generierter Texte, Bilder und sogar Lieder. Röthler kam auf Einladung der Autonomen Hochschule, die im Rahmen ihrer Weiterbildungen dieses Thema für den schulischen Kontext aufgriff. Durch die gute Vernetzung untereinander nutzten andere Organisationen und Institutionen die Anwesenheit des Experten und planten maßgeschneiderte Veranstaltungen. So erreichte der KI- Experte an vier Tagen über 200 Personen in Ostbelgien. Das Bischöfliche Institut Büllingen organisierte für die gesamte Lehrerschaft einen Fortbildungstag, das Medienzentrum schloss sich mit anderen Institutionen zusammen. Gemeinsam organisierten sie zielgruppengerechte Themenabende. An einem Abend waren gemeinsam mit Anikos vor allem Vereinsvertreter geladen, die erfuhren, wie man mit KI-Tools in wenigen Minuten Tätigkeitsberichte, Power-Point-Präsentationen, Förderanträge oder Bildrecherchen erstellen kann. Bei dem Abend des Medienzentrums, der Frauenliga und der Landfrauen hieß es „Women only“ – und das Konzept ging auf: 50 Frauen, überwiegend im „besten Alter“ kamen oft zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung – zahlreiche weitere Teilnehmerinnen folgten am Bildschirm.

Das Kultkom im Jünglingshaus machte es möglich, die Veranstaltungen live zu streamen. Gefördert wurden die Veranstaltungen von Europe direct. Die EU hat sich bis 2030 ehrgeizige Ziele gesteckt, die „Digitale Dekade“ ausgerufen und stellt dafür hohe Fördermittel zur Verfügung. Europa müsse in Sachen Digitalisierung aufholen, um den Anschluss nicht zu verlieren, heißt es. Bis 2030 gibt es zahlenbasierte Vorgaben, die jedes Land in vier Achsen erreichen muss: E- Business, E-Government, E-Infrastructure und E-Skills. Bisher liegt Belgien im oberen Mittelfeld und ist in manchen Bereichen sogar Spitzenreiter. So können die Bürger Belgiens bereits mehr Verwaltungsdienstleistungen online erledigen als Bürger vieler anderer EU-Länder. Im Bereich E-Health ist Belgien sogar auf Platz eins der digitalen Möglichkeiten und hat sein Klassenziel für das Stichjahr 2030 jetzt schon erreicht. E-Health steht für die Nutzung digitaler Technologien und elektronischer Kommunikationsmittel zur Unterstützung und Verbesserung von Gesundheitsversorgung und -management.

Aber: Im Bereich Skills, also den Anwenderkompetenzen, liegt Belgien im unteren Drittel. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass es zwar bereits unzählige Möglichkeiten gibt, das Leben und Arbeiten mithilfe von Digitalisierung zu erleichtern, aber zu wenige Menschen (können) diese Möglichkeiten nutzen. Hier hat Belgien bis 2030 eine große Hausaufgabe. Das Land kann sich digital nur weiterentwickeln, wenn es seine Bürger mitnimmt. Deshalb liegt der Fokus neben wirtschaftlicher Förderung und Ausbau von Technologien vor allem auf Information und Weiterbildung. Vor allem muss Belgien mehr Menschen begeistern, sich mit dem Thema als Berufs- oder Studienthema zu beschäftigen, da der Fachkräftemangel eklatant ist. Dieser ist nur zu beheben, wenn sich viel mehr Mädchen und Frauen für digitale Themen interessieren. Auch die DG hat seit 2024 eine Digitalstrategie, die sich an den vier Achsen der EU-Strategie orientiert. Der Ausbau des flächendeckenden Glasfasernetzes, die Ausstattung aller Schulen, Lehrer und Schüler mit Hardware, die Initiativen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) im Schulterschluss mit den Kollegen von Digital Wallonia verstehen sich als Bausteine auf diesem Weg. So schließt sich bei der Achse Skills/Befähigung der Kreis zur KI-Woche und vielen Fortbildungen zu digitalen Themen, die folgen werden. Denn das Interesse und der Bedarf ist auch in Ostbelgien groß, wie die Besucherzahlen gezeigt haben.

Wie es nun weitergeht, fragten viele Teilnehmer nach den Veranstaltungen, denn David Röthler machte Lust auf mehr: Lust auf mehr Ausprobieren, Lust auf konkrete Umsetzung, – aber nicht jeder traut sich das alleine dazu. Das Medienzentrum plant vor diesem Hintergrund Kurzschulungen als Weiterführung der KI-Schnupperwoche, wie es in einer Mitteilung bekannt gibt. Angedacht ist für Vereine das Erstellen von offiziellen Dokumenten wie Tätigkeitsberichten oder Statistiken mit KI-Hilfe. Auch gibt es viele Möglichkeiten Archive zu digitalisieren, alte Fotos zeitlich einzuordnen und den „Archiv-Schatz“ allen zugänglich zu machen. Gefragt wurde auch nach einer Vertiefung der Bilderstellungsprogramme.

Nicht zu verschweigen sind Gefahren und Ängste, die der Technologiefortschritt mit sich bringt.

Nicht zu verschweigen sind auch die Gefahren und Ängste, die dieser rasante Technologiefortschritt mit sich bringt. Fake News, Deep Fakes, also täuschend echte Bilder, Filme und Stimmen sind nur einige Beispiele. Auch dies wurde kurz in den Seminaren angesprochen und braucht ebenfalls eigene Fortbildungsformate. Im Mittelpunkt dieser KI-Fortbildungsreihe stand jedoch das Entdecken und Ausprobieren – und auch hier gilt wie bei allen Technologiethemen: Digitalisierung und KI sind längst Teil unserer Gesellschaft und werden nicht mehr verschwinden. Nur, wer sich damit beschäftigt, wer hinschaut und wer ausprobiert hat eine Chance die Risiken zu erkennen und vor allem die Vorteile zu nutzen. Wer die Einstiegsseminare verpasst hat, der kann sich im Ostbelgien-Kanal des Medienzentrums die beiden Seminare von David Röthler anschauen. Wer den Newsletter des Medienzentrums abonniert, bekommt alle Infos zu weiteren Kursen und Aktivitäten. Und Anikos bietet aktuell ein „Medien-Bootcamp“ an, wo Vereine praxisnah entdecken können, wie sie generell und mit KI-Hilfe ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern. (red/sc)

Weitere Infos zum Thema: www.medienzentrum.be www.ostbelgienkanal.be www.anikos.be

HINTERGRUND

Digitale Dekade 2030 – EU und Ostbelgien

Die Digitale Dekade der EU zielt darauf ab, bis 2030 digitale Transformationen in den Bereichen digitale Fähigkeiten, digitale Infrastrukturen, Digitalisierung von Unternehmen und öffentlichen Diensten zu erreichen. Die „Digital Roadmaps“ sind nationale Pläne, die die Fortschritte der Mitgliedstaaten in diesen Bereichen überwachen. Der „Digital Economy and Society Index“ (DESI) bewertet die digitale Leistung der EU-Länder anhand von Indikatoren wie Konnektivität, Humankapital, Integration digitaler Technologien und digitalen öffentlichen Diensten. Auch die DG orientiert sich an diesen Vorgaben und folgt den Zielen anhand einer eigenen Digitalstrategie.

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