Einnahme von Antibiotika wider Erwarten kaum zurückgegangen

<p>Obwohl die Eigenbeteiligung der Patienten an den Kosten für Antibiotika drastisch erhöht wurde, ist der Gebrauch dieser Medikamtenform nicht zurückgegangen.</p>
Obwohl die Eigenbeteiligung der Patienten an den Kosten für Antibiotika drastisch erhöht wurde, ist der Gebrauch dieser Medikamtenform nicht zurückgegangen. | Foto: dpa

Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) wollte mit dieser Maßnahme die Ärzte dazu ermutigen, weniger Antibiotika zu verschreiben. Gleichzeitig sollten die Patienten dazu angehalten werden, diese weniger schnell anzufordern.

„Das ist grundsätzlich eine edle Absicht, aber wir haben die Ministerin gewarnt, dass die Maßnahme nicht die richtige ist“, sagt Jean Hermesse, Generalsekretär der Christlichen Krankenkasse. „Nicht der Patient sollte zur Verantwortung gezogen werden, weil es nicht er ist, der sich für die Einnahme von Antibiotika entscheidet. Die Mittel werden von den Ärzten verschrieben.“

Seit Einführung der Maßnahme, also zwischen dem 1. Mai 2017 und dem 30. April 2018, ist der Verkauf von Antibiotika nur um ein Prozent zurückgegangen.

Die Leidtragenden sind einzig und allein die Patienten, die für ein Antibiotikum statt durchschnittlich 5,58 Euro nun 11,06 Euro bezahlen müssen.

„Das ist ein sehr geringer Rückgang, der wohl kaum auf den Anstieg der Kosten für die Patienten zurückzuführen ist. Der Antibiotika-Konsum schwankt seit Jahren um etwa drei Prozent nach oben oder unten“, so Hermesse. Weiter weist er darauf hin, dass innerhalb von nur einem Jahr die Patienten für Antibiotika rund 24 Millionen Euro mehr ausgegeben haben als vor Einführung dieser Maßnahme.

Die einzigen, die von der höheren Eigenbeteiligung für Antibiotika profitiert haben, sind die Krankenversicherungen, die immerhin rund elf Millionen Euro (-27%) eingespart haben. Die Leidtragenden sind einzig und allein die Patienten, die für ein Antibiotikum statt durchschnittlich 5,58 Euro nun 11,06 Euro bezahlen müssen. Die Mitglieder der Christlichen Krankenkasse hätten beispielsweise elf Millionen Euro an Mehrkosten tragen müssen, was eine Steigerung von 112 Prozent entspreche, heißt es in einer Mitteilung. Wenn man diesen Betrag auf die Gesamtbevölkerung umrechne, komme man auf die Summe von 24 Millionen Euro. Es sei eine Tatsache, dass die Belgier viel zu häufig Antibiotika einnähmen, und das trotz immer wiederkehrender Aufklärungskampagnen, so Jean Hermesse. Es sei allerdings höchste Zeit, dem entgegenzuwirken, da die Antibiotikaresistenzen mit wachsendem Konsum steige. Die Bekämpfung gewisser Bakterien stelle schon heute ein Problem dar. Allerdings werde man dieses Problem nicht mit der von der Föderalregierung eingeleiteten höheren Kostenbeteiligung lösen.

Die Christliche Krankenkasse fordert stattdessen, die Ärzte mehr in die Verantwortung zu nehmen. Sie seien es, die zu einem verantwortungsvollen Verschreibungsverhalten ermutigt werden müssten. Ärzte, die ohne triftigen Grund häufig Antibiotika verschreiben, sollten dafür zur Kasse gebeten werden, so der Standpunkt der Christlichen Krankenkasse. Ab dem 1. Januar 2020 sind Mediziner verpflichtet, Verordnungen elektronisch auszustellen. Damit wird es in Zukunft auch möglich sein, den Krankheitsverlauf besser zu verfolgen. Beim föderalen Expertisezentrum für Gesundheitsfragen geht man davon aus, dass man anhand der vorliegenden Infektion dann besser nachvollziehen kann, weshalb dieses oder jenes Antibiotikum verordnet wurde. Mediziner werden dank der elektronischen Verordnung praktisch gezwungen sein, sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der Wirkungsweise des verordneten Medikaments zu stützen. (um/sue/belga)

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