PFF peilt im Provinzialrat zwei Sitze an

<p>Die Kandidaten der PFF Ostbelgien für die Provinzwahlen: Maëlle Locht, Spitzenkandidat Donovan Niessen, Verena Posch und Raphaël Pelzer (von links).</p>
Die Kandidaten der PFF Ostbelgien für die Provinzwahlen: Maëlle Locht, Spitzenkandidat Donovan Niessen, Verena Posch und Raphaël Pelzer (von links). | Foto: David Hagemann

Auf der PFF-Liste für die Provinzwahlen präsentieren sich vier junge Kandidaten, die den Wahlen sehr ambitioniert entgegenblicken, wohlwissend, dass die Provinz ein Thema ist, das aktuell kaum einen Bürger interessiert, da deren Fokus auf den gleichzeitig stattfindenden und wesentlich spannenderen Kommunalwahlen liege, meinte Spitzenkandidat Donovan Niessen. Dass im Regierungsabkommen der frankofonen Schwesterpartei MR mit Les Engagés die Abschaffung der Provinzen explizit festgehalten worden ist, biete nach jahrelangem Stillstand nun endlich die Chance einer Veränderung, fügte er hinzu.

Bei der PFF ist man davon überzeugt, dass es die Provinz in ihrer aktuellen Form in sechs Jahren nicht mehr geben wird.

Donovan Niessen (31) tritt als Spitzenkandidat auf der PFF-Liste für die Provinzwahlen an. Aktuell ist er noch parlamentarischer Mitarbeiter im PDG. Zum 1. Oktober stehe eine berufliche Veränderung an. Er werde dann Mitarbeiter von Christine Mauel, der deutschsprachigen PFF-Abgeordneten im wallonischen Parlament in Namur. Die Tatsache, dass er lange Zeit in Lüttich gelebt habe, habe in ihm auch das Interesse für die Provinz und deren Politik geweckt, erklärte er bei der Listenvorstellung. Für ihn sei klar, dass er gerne im Provinzialrat arbeiten möchte, „weil ich es einfach spannend finde“.

Bei der PFF ist man davon überzeugt, dass es die Provinz in ihrer aktuellen Form in sechs Jahren nicht mehr geben wird. Aber mit Blick auf die anstehenden Reformen sei es wichtig, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft aktiv mitmische. Die im Provinzialrat vertretenen Politiker aus der DG müssten mit dafür sorgen, dass so viele Provinzkompetenzen und damit verbunden so viel Geld wie möglich an die Gemeinden übertragen würden. „Die DG darf nicht zum Spielball politischer Symbolpolitik werden“, so Donovan Niessen.

Es gehe darum, so viel wie möglich für Ostbelgien rauszuholen und den Steuerrückfluss in die deutschsprachigen Gemeinden deutlich zu erhöhen. Als konkretes Beispiel nannte Niessen die Hilfeleistungszone 6 der DG, die dringend mehr Geld benötige. Derzeit sei es die am wenigstens ausgebaute Hilfeleistungszone in der Provinz Lüttich. „Das ist untragbar“, so Niessen weiter, der den Fokus vor allem auf die Sicherheit legt und dabei das Beispiel Lüttich heranzieht.

Die Sicherheit der deutschsprachigen Studenten in Lüttich liege ihm sehr am Herzen. Aber in dieser Stadt gebe es schon lange kein Sicherheitsgefühl mehr. Die organisierte Kriminalität bezeichnete Niessen als „Krebsgeschwür, das nur sehr schwer zu behandeln ist“. Diese Kriminalität sei inzwischen Dauergast an der Maas. Dies sei inakzeptabel, da die Steuergelder der DG auch zur Finanzierung der Lütticher Hochschuleinrichtungen genutzt würden.

Bei den Wahlen am 13. Oktober biete sich zum ersten Mal in der Geschichte der Provinz Lüttich die Möglichkeit, eines politischen Machtwechsels. Die MR-PFF stehe ganz kurz davor, stärkste Kraft im Provinzialrat zu werden, meinte Donovan Niessen voller Optimismus. Sollte dies tatsächlich eintreten, würden die Sozialisten der PS erstmals nicht mehr sämtlichen wichtigen Interkommunalen vorsitzen. Je nachdem könnte es dann auch sein, dass man sogar zwei deutschsprachige PFF-Kandidaten nach Lüttich entsenden werde.

Soziales, Sport und Landwirtschaft im Fokus

Vor dem Hintergrund der anstehenden Abschaffung der Provinz, an der man in Reihen der PFF keinen Zweifel hegt, käme solch eine Vertretung beim sicherlich noch anstehenden politischen Gerangel um die Kompetenzübertragungen gerade recht. Ziel der PFF-MR sei es auf jeden Fall, den zweiten Sitz dazuzugewinnen.

Um dies zu erreichen, stehen dem Spitzenkandidaten mit Verena Posch (46 Jahre), Raphaël Pelzer (33) und Maëlle Locht (24) drei engagierte PFF-Mitstreiter zur Seite, die allesamt nicht zum ersten Mal kandidieren und die zumindest hinter den Kulissen schon einige politische Erfahrungen haben sammeln können. Auf Platz 2 bei den Provinzwahlen steht Verena Posch. Die 46 Jahre alte Altenpflegerin aus dem Weiler Weweler (Gemeinde Burg-Reuland) ist der PFF seit den Kommunalwahlen 2018 verbunden.

„Ich wurde damals ins kalte Wasser geschmissen“, erklärt sie rückblickend. 2018 belegte sie als absolute Newcomerin gleich Platz 2 auf der St.Vither Liste Freches. Inzwischen hat sie ihren Wohnsitz gewechselt und lebt wieder in ihrer Heimatgemeinde. Am kommenden 13. Oktober stellt sie sich dort auf der Liste „Bürgerstimme+“ um Spitzenkandidatin Shayne Piront – ehemalige PFF-Abgeordnete im PDG – auf Platz 3 zur Wahl. Seit 25 Jahren ist Verena Posch als Altenpflegerin tätig, wodurch sich automatisch ein besonderes Interesse für den Sozialbereich entwickelt habe, erklärte sie bei der Listenvorstellung. Auch die Provinz habe Zuständigkeiten in diesem Bereich, sodass sie ihr Augenmerk, sollte sie denn in den Provinzialrat gewählt werden, ganz sicher auf diese Thematik legen werde.

Platz 3 der PFF-Liste belegt der 33-jährige Eupener Raphaël Pelzer, der zeitgleich auch für die PFF bei den Stadtratswahlen mitmischt (Platz 15). Seine politischen Erfahrungen sammelte er als politischer Berater der ehemaligen Föderalabgeordneten Kattrin Jadin, die 2022 ja zum Verfassungsgerichtshof wechselte. Damals musste sich auch Raphaël Pelzer umorientieren und arbeitet inzwischen als Finanzexperte beim Finanzministerium. Seine besondere Vorliebe zum Sport und vor allem zur AS Eupen, wo er als sogenannter „supporter liaison officer“ – als Verbindungsbeamter zwischen dem Verein und den Fans – fungiert, führt dazu, dass er sich auch auf Provinzebene gerne für den Sport einsetzen würde.

Der vierte Listenplatz ging an die 24-jährige Lontzenerin Maëlle Locht, die schwerpunktmäßig die Belange des Agrarsektors im Auge behalten will.

Die junge Frau ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, den ihr Vater immer noch bestellt. Auf Provinzebene würden viele Entscheidungen getroffen, die die Landwirte direkt betreffen würden, erklärte sie. Damit gehe aber auch ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand einher, der manchen Bauern überfordern würde. Überhaupt müsse der Verwaltungsaufwand, der beispielsweise mit Subsidienanträgen an die Provinz Lüttich verbunden sei, reduziert werden, waren sich die vier Kandidaten einig.

Die Liste der PFF für die Provinzwahlen

1. Donovan Niessen, 31, Eupen

2. Verena Posch, 46, Weweler

3. Raphaël Pelzer, 33, Eupen

4. Maëlle Locht, 24, Lontzen

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