Im Hauseter Familienbetrieb Heutz-Homburg AG gehen die Lichter aus

<p>Hermann-Josef Heutz arbeitete seit 1976 für die Heutz-Homburg AG.</p>
Hermann-Josef Heutz arbeitete seit 1976 für die Heutz-Homburg AG. | Foto: privat

Hermann-Josef Heutz erscheint bestens vorbereitet zum Gesprächstermin. Schnell wird klar: Dem leitenden Angestellten der Heutz-Homburg AG liegt einiges auf dem Herzen.

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Kommentare

  • Den 60 Jahren einer erfolgreichen Firmengeschichte der Heutz-Homburg AG, die laut Hermann Josef Heutz nunmehr ein Ende nimmt, möchte ich dem interessierten Leser und der Öffentlichkeit noch zwei weitere Aspekte zur Kenntnis bringen, die aus dorfgeschichtlicher Sicht und aus dem Blickwinkel des Kulturerbes unserer Heimat, insbesondere in der Töpfergemeinde Raeren und ihrem Ortsteil Hauset, von Bedeutung sind.

    Es geht zunächst auch eine andere 150-jährige Epoche zu Ende, nämlich die der Dachziegelei Heutz in Hauset. Der Vorfahre der Familie Heutz, Arnoldus Heutz (*1849), kam von Jabeek in Niederländisch Limburg über Breinig um 1870 nach Hauset, wo er die Tochter des Baumeisters Krott, der am Klikert wohnte, heiratete. Bald gründete Arnold an Eynattener Heide eine eigene Dachziegelei. Das Unternehmen überstand die beiden Weltkriege und noch heute finden sich Dachziegel aus der Produktion dieser Ziegelei auf den Dächern verschiedener Gehöfte in unserer Gegend. Wie im Interview geschildert, stellte die Ziegelei ihre Aktivitäten 1953 ein, Franz Heutz aber gründete seine eigene Firma und verlegte 1977 ihren Hauptsitz in die alte Fingerhuts Mühle an der Göhl.

    Dieses Gebäude hatte bereits eine lange Geschichte hinter sich. Die Mühle wird in dem Kataster aus der Zeit Maria Theresias erwähnt, und war um 1773 wohl im Besitz der Wwe. Borstenbley aus Aachen. Noch in der Franzosenzeit hatte der Aachener Tuchfabrikant Carl Nellessen die Fingerhuts Mühle in Besitz genommen. Hier betreib er eine Spinnerei. 1862 wechselte die Mühle den Besitzer und jetzt produzierte hier die Spinnerei Bischoff & Bohlen verschiedene Textilien. Die Firma blieb nach dem Tode von Ortsvorsteher Egidius Bischoff 1880 im Besitz der Familie Bohlen und war über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber in Hauset. Über die Turbulenzen der beiden Weltkriege hinweg gehörte die Immobilie der Familie, stand aber zeitweise unter Sequester. Der Betrieb musste in den 1950-er Jahren eingestellt werden und die Immobilie wurde 1959 öffentlich versteigert. So kam die Fingerhuts Mühle schließlich 1977 in den Besitz der Familie Heutz-Homburg.

    Nutzung als Kultur- und Kunstzentrum?
    Vielleicht wäre es heute, wo die industrielle und gewerbliche Nutzung zu Ende gegangen ist, an der Zeit, über eine neue Nutzung der Immobilie auf dem etwa 10.000 qm großen Gelände nachzudenken. Die wunderbare Lage an der Göhl, gegenüber der Kunstakademie Máro, eingebettet im grünen Umfeld einer anspruchsvollen Wohnbebauung, eignet sich sicher hervorragend zur Errichtung eines regionalen und internationalen Kulturzentrums zur Unterbringung von Kulturinitiativen und Vereinen aller Art. Dafür stehen ein Wohn- und Bürogebäude mit zwei großen Hallen und Nebenräumen zur Verfügung, sowie eine große Außenanlage.

    Jetzt, wo die politischen Karten sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf Ebene der Gemeinde Raeren neu gemischt wurden und werden, wäre eine offene Diskussion über die Verwendung eines solchen Komplexes zur musealen, kulturellen, künstlerischen, kunstpädagogischen und sportlichen Nutzung vielleicht lohnend. Die Gemeinde Raeren und die Regierung der Gemeinschaft könnten hierzu die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und zur finanziellen Absicherung Fördermittel, selbst auf europäischer Ebene, einsammeln und zur Verfügung stellen. Der jetzige Besitzerin ist zu Verhandlungen bereit, um vielleicht im Rahmen einer langfristigen Konzession, den Komplex zur Verfügung zu stellen. Dabei möchte sie sich auch selbst insofern einbringen, als sie einen Bezug zur industriellen Vergangenheit der Fingerhuts Mühle gerne erhalten würde. So könnte dort zum Beispiel, ein Industriemuseum eingerichtet werden. Jedenfalls bietet es sich jetzt, nach über 250 Jahren an, dieses Kulturerbe als solches zu erhalten und einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Ein Versuch wäre es wert.

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