In Belgien gibt es keine genauen Zahlen über die Zahl der gemeldeten Einwohner, die sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen. Der Religionssoziologe Wim Vandewiele (KU Leuven) schätzt auf der Grundlage internationaler Studien, dass sich im Jahr 2022 50,02 Prozent der gemeldeten Einwohner in Belgien zum römisch-katholischen Glauben bekannten, 8,9 Prozent besuchten mindestens einmal im Monat die Kirche. Die katholische Kirche zählt 2.277 Geistliche: Priester, aber auch Diakone, Gemeindehelfer und Pastoralreferenten. Sie waren zu 78,7 % Belgier und zu 21,3 % Ausländer (486), und nach Geschlecht 77,6 % Männer und 22,4 % Frauen (509).
2022 war das Jahr, in dem der Krieg in der Ukraine ausbrach und sich viele flüchtende Zivilisten auf den Weg nach Belgien machten. In vielen Bereichen der Kirche habe sich daraufhin eine „spontane Solidarität“ entwickelt, heißt es. Pfarren, Ordensleute, Dekanate, Diözesen und katholische Organisationen hätten sich mobilisiert.
Viele Ordensgemeinschaften hätten ukrainische Kriegsflüchtlinge aufgenommen. Der Jahresbericht beleuchtet die große Vielfalt dieser Solidaritätsaktionen.
Da es im Jahr 2022 keine Corona-Einschränkungen mehr für physische Versammlungen gegeben habe, sei das kirchliche Leben in vielen Regionen wieder aufgelebt. So hätten alle belgischen Wallfahrtsorte nach zwei schwierigen Jahren im Jahr 2022 wieder einen Anstieg der Besucherzahlen verbucht. Die vier größten Marienheiligtümer (Scherpenheuvel, Oostakker, Banneux und Beauraing) zählten im Jahr 2022 rund 1.270.000 Besucher. Die Exerzitienhäuser und die Hotellerie der Klöster und Abteien verzeichneten im vergangenen Jahr zudem 130.781 Übernachtungen.
Auch die Sakramentenzahlen zeigen einen deutlichen Aufholprozess nach der Gesundheitskrise. So gab es im Jahr 2022 immerhin 43.327 Taufen (+17,6 %) und 6.947 kirchliche Trauungen (+72,3 %). Viele Menschen, die eine Taufe oder Hochzeit aufgrund der auferlegten Einschränkungen verschoben hätten, holten diese 2022 nach, heißt es in dem Jahresbericht.
An Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag hätten zudem deutlich mehr Menschen an Eucharistiefeiern teilgenommen als im Vorjahr (404.195 Teilnehmer, +16,4 %). Der Jahresbericht weist ferner auf 32.255 Firmungen, 41.900 kirchliche Beerdigungen (36 Prozent der Sterbefälle) und 1.270 Anträge auf Abmeldung aus dem Taufregister hin.
Schließlich wird noch unterstrichen, dass sich der Bericht auf das Kalenderjahr 2022 bezieht.
Was die Auswirkungen der VRT-Dokumentation „Godvergeten“ auf Anträge auf Streichung aus dem Taufregister, religiöse Praktiken oder Meldungen über sexuellen Missbrauch betreffe, könne aktuell noch nicht mit Sicherheit informiert werden. Vor allem der Einfluss auf das Jahr 2023 sei derzeit noch nicht bekannt. Erst im kommenden Frühjahr werde die katholische Kirche dazu verbindlichere Angaben machen können, heißt es in einer Pressemitteilung. (um)

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