Über die Untersuchung in Sachen Diebstahl in Supermärkten berichtet das Magazin „Humo“ in dieser Woche und zeigt das Ausmaß der in den belgischen Supermärkten verübten Ladendiebstähle am Beispiel von Bierkästen auf. Von allen Bierkästen, die die Supermärkte im Untersuchungszeitraum verließen, wurden lediglich 40 Prozent gescannt. Mit anderen Worten: Sechs von zehn Kisten wurden gestohlen oder es wurde zumindest versucht, sie zu stehlen. Tom Symons, Inhaber von CaddyCheck, einem Überwachungs- und Erkennungssystem für Einkaufswagen, meint dazu: „Dieses schockierende Ergebnis stammt aus einer einmonatigen Kontrolle, die wir Anfang des Jahres in einem belgischen Hypermarkt durchgeführt haben. Der Händler ging davon aus, dass er jede Woche etwa 70 Bierkästen verkaufte, aber in Wirklichkeit verließen 180 das Geschäft – 110 davon unbezahlt.
Erstaunlich ist aber auch die Tatsache, dass die Bierdiebe nicht einmal viel Mühe hatten: Sie ließen die Bierkästen einfach am Boden ihres Einkaufswagens stehen. Für die Kassierer ist es physisch unmöglich, den vollen Inhalt eines Wagens zu sehen. Während der Untersuchung habe CaddyCheck eingegriffen, wenn jemand mit einer unbezahlten Kiste das Geschäft verlassen wollte. Meistens hätten die ertappten Kunden lapidar geantwortet: „Ups, das habe ich vergessen zu sagen, tut mir leid.“ Manche seien aber auch wütend geworden und hätten darauf verwiesen, dass es Sache des Ladenpersonals sei, zu kontrollieren, ob tatsächlich alle Einkäufe auf dem Laufband an der Kasse landen. Laut Tom Symons ist bei vielen Zeitgenossen die Hemmschwelle, um einen Ladendiebstahl zu begehen, stark gesunken. So viele Produkte wie möglich unbezahlt mit nach Hause zu nehmen, sei heute zu einer Art Sport geworden.
Allerdings räumt Tom Symons ein, dass sich die Zahlen nicht auf alle Supermärkte übertragen lassen. Das Beispiel der Bierkästen stamme aus einer „Hochrisikoregion“. In manchen Regionen werde einfach mehr gestohlen als in anderen. „Aber seien Sie versichert, dass auch an anderen Orten die Diebstahlrate von Bier, Softdrinks und Wasser – alles Produkte, die angeblich zu schwer sind, um sie an der Kasse aus dem Einkaufswagen zu nehmen – sehr hoch ist. Er habe beispielsweise eine Studie in einem kleineren Supermarkt mit nur vier Kassen durchgeführt. Dort seien allein bei Wasser und Bier 2.500 Euro pro Kasse und Jahr verloren gegangen. Hierbei handele es sich jedoch um Zahlen, die bereits zehn Jahre alt seien. Symons ist davon überzeugt, dass der finanzielle Verlust in diesem Geschäft heute noch höher ist. Ganz zu schweigen von Deodorants, teurem Fleisch oder Rasierklingen, die immer häufiger hinter oder unter Einkaufstüten oder -taschen im Einkaufswagen liegen blieben.
Seit der Energiekrise nimmt die Zahl der Einkaufswagen, die an den Ladenkassen nicht komplett geleert würden, immer mehr zu. Die mehr als 500 Millionen Erkennungen, die CaddyCheck in den letzten fünf Jahren durchgeführt habe, zeigten, dass ein Viertel der Einkaufswagen immer noch mindestens ein Produkt enthalten, das nicht auf das Band gelegt werde, um gescannt zu werden. In Geschäften, die nicht über ein Sicherheitssystem verfügten, könne man deshalb davon ausgehen, dass fast immer ein Produkt unbezahlt die Kasse passiere.
Beim Thema Ladendiebstahl schneidet unser Land ziemlich schlecht ab. Wie die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ in ihrer Mittwochausgabe berichtete, zeige eine Umfrage aus dem Jahr 2019, dass belgische Händler 1,9 % ihres Umsatzes durch gestohlene Waren verlieren. In Europa habe nur Spanien mehr Diebstähle zu beklagen. Laut der Studie werden vor allem Einzelhändler und Supermärkte bestohlen (geschätzter Schaden 420 Millionen Euro), gefolgt von Einkaufszentren (51 Millionen Euro Schaden) und Bekleidungsgeschäften (50 Millionen Euro Schaden). Da die Einzelhändler diese Verluste direkt in den Produktpreis einkalkulieren, kostet dies jeden Kunden jährlich 119 Euro – auch den guten und ehrlichen Zahlern.
Ladendiebstahl ist auf internationaler Ebene ein großes Problem unterstreicht der Betreiber von CaddyCheck, der Supermärkten ein spezielles, computergesteuertes Sicherheitssystem anbietet, das den Händlern zwar Kosten verursacht, die aber laut Symons weit unter den finanziellen Verlusten durch Ladendiebstahl liegen. (um)

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