Seit Tagen hatten die Behörden vor den Auswirkungen des Orkantiefs Ciarán gewarnt und eine Vielzahl an Präventivmaßnahmen ergriffen. So waren am Donnerstag zahlreiche Parks und Wälder im gesamten Landesgebiet geschlossen – auch in Eupen. „Wegen der hohen Bruchgefahr von Bäumen und Ästen ist am Donnerstag das Betreten aller Friedhöfe und Parks auf dem Gebiet der Stadt untersagt. Die Sperrung gilt für die Dauer der Sturmwarnung des Königlichen Meteorologischen Instituts“, teilte die Eupener Stadtverwaltung mit. Die Bevölkerung war gebeten, Autofahrten und Aufenthalte im Freien – insbesondere in der Nähe von Bäumen – nach Möglichkeit zu vermeiden.
Für die Küstenregion sowie die Provinzen Westflandern, Ostflandern und Hennegau wurde seitens des Königlichen Meteorologischen Instituts (KMI) vorsichtshalber die zweithöchste Warnstufe Orange ausgerufen. Die Böen könnten im Westen des Landes bis zu 110 Kilometer pro Stunde erreichen, warnte das KMI.
Aufgrund des Sturms kam es vielerorts auch zu Straßensperrungen. So wurde die Straße zwischen Eupen Schönefeld und Raeren in beide Richtungen für den Verkehr gesperrt.
Probleme bei der SNCB
Auch die Eisenbahngesellschaft SNCB hatte bereits am Mittwochabend informiert, dass der Sturm den Fahrplan durcheinander wirbeln würde. Die Folgen waren dann für Zugreisende am Donnerstag deutlich zu spüren. Zahlreiche Züge fielen aus – vorwiegend in Richtung Küste. Und diejenigen, die sich doch auf den Schienen befanden, durften nicht schneller als 80 Stundenkilometer fahren. Ferner meldete die SNCB, dass im Tagesverlauf immer wieder Züge aufgrund umgestürzter Bäume hätten anhalten müssen.
Die stärksten Auswirkungen des Sturms wurden – wie vorhergesagt – in Flandern verzeichnet. Am Nachmittag berichtete das flämische Verkehrszentrum von Dutzenden Zwischenfällen auf den flämischen Autobahnen. Auch hier waren umgestürzte Bäume und Verwehungen von Ästen oder Gegenständen die Hauptgründe für Staus und Verkehrsunfälle. Zudem sei es zu zahlreichen Problemen auf Landstraßen gekommen, so das Zentrum. Dies liege auch daran, dass die Wucht des Sturms Straßenschilder in Mitleidenschaft gezogen oder verdreht habe.
Im Genter Citadelpark trug sich indes ein tragischer Unfall zu. Zur Mittagszeit begrub ein umstürzender Baum zwei Spaziergänger unter sich. Eine der beiden Personen wurde dabei tödlich verletzt. Trotz einer schnellen Reaktion der Rettungsdienste konnte dem Opfer nicht mehr geholfen werden, hieß es. Dass der Park nicht für die Öffentlichkeit gesperrt war, hänge mit dessen Lage im Stadtzentrum und den zahlreichen Zugängen zusammen, betonten die lokalen Behörden. Generell waren sämtliche Verkehrswege des Landes betroffen. Am Abend meldeten die Behörden in Gent, dass auch ein fünfjähriges Kind nach einem Unfall auf einem Spielplatz gestorben sei.
Neben der Mobilität auf Schiene und Straße hatte Ciarán auch deutliche Auswirkungen auf den Luftverkehr. Auf dem Landesflughafen Zaventem konnte zwischenzeitlich nur eine Bahn für sämtliche An- und Abflüge genutzt werden. Dies führte zu einigen Verspätungen, erklärte eine Sprecherin des Flughafens. Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurden zudem Flüge von Ostende und Antwerpen nach Zaventem verlegt. In Ostende wurden präventiv auf dem Boden gebliebene Flugzeuge in einem Hangar untergebracht.
Das KMI deutete im Laufe des Tages an, dass sich die Situation im Laufe der Nacht im ganzen Land beruhigen werde. Demnach solle es Freitag viel weniger stürmisch sein. Gleichwohl sei der Wind aus Südwesten immer noch spürbar, mit Böen von 50 bis 60 Stundenkilometern.
Sturm hält Feuerwehren in Ostbelgien auf Trab

In Ostbelgien wurden am Donnerstagmorgen die ersten Sturmschäden gemeldet. Wie René Schoonbrood, Major bei der Hilfeleistungszone DG, berichtet, hat der Sturm Ciarán die Feuerwehren gegen kurz nach 5 Uhr morgens erreicht. In einer ersten Phase mussten die Rettungskräfte zu mehreren Einsätzen ausrücken. So war in Medell der Kirmesbaum in Schieflage geraten. Die Feuerwehr musste eingreifen und den Baum zu Boden bringen, um Schlimmeres zu verhindern. Im Süden der mussten die Wehren aus Amel, Büllingen und Burg-Reuland überwiegend wegen umgekippter Bäume ausrücken. Unter anderem ist in der Klosterstraße in St.Vith ein Baum umgefallen. In Meyerode ist indes die Stromleitung zu Bruch gegangen. Die meisten Sturmfälle – insgesamt waren es mehr als 40 – wurden allerdings im Norden der DG gemeldet. Im Eupener Land mussten die Wehren demnach zu 35 Einsätzen ausrücken. Immerhin: Trotz der vielen Sturmschäden wurde bislang niemand verletzt.

Sturm in Niederlanden: Ein Toter durch umfallenden Baum
Durch den heftigen Sturm Ciaran ist in den Niederlanden ein Mensch getötet worden. In Venray sei ein Baum umgestürzt und habe die Person erschlagen, teilte die Polizei am Donnerstag in dem Ort im Südosten des Landes nahe der deutschen Grenze mit. An mehreren anderen Orten hatten umstürzende Bäume Menschen verletzt, darunter war eine Frau in Den Haag. Auch Radfahrer waren von herabfallenden Ästen und Bäumen getroffen worden.
Wegen des Sturms mit Windböen von bis zu 110 Stundenkilometern waren hunderte von Flügen gestrichen worden. Auch die Züge von und nach Paris fuhren nicht. Auch die Schifffahrt war stark beeinträchtigt.
1,2 Millionen Haushalte in Frankreich ohne Strom
Das Orkantief Ciarán hat in der Nacht zum Donnerstag den Nordwesten Frankreichs sowie den Südwesten Englands und die Kanalinseln getroffen. In Frankreich gab es einen Toten und vier Verletzte. Etwa 1,2 Millionen Haushalte waren ohne Strom, umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Bahnstrecken. Es habe erhebliche Sachschäden unter anderem an Dächern gegeben, teilte Innenminister Gérald Darmanin mit. Mehr als 1.300 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Feuerwehren rückten zu rund 1.900 Einsätzen aus. Zehntausende Menschen waren außerdem vom Mobilfunknetz abgeschnitten.

An der Atlantikküste und der Nordküste Frankreichs galt bis zum Abend Überschwemmungsgefahr durch Sturmwellen. Ein Lastwagenfahrer starb, als sein Fahrzeug von einem umstürzenden Baum getroffen wurde, ein Pkw-Fahrer wurde durch einen Baum leicht verletzt. Außerdem erlitten drei Feuerwehrleute leichte Verletzungen. Sturmböen erreichten örtlich Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Vor dem zur Bretagne gehörenden Departement Finistère - dem westlichsten kontinentalen Zipfel Frankreichs - wurde eine 21 Meter hohe Sturmwelle gemessen.
Hohe Windgeschwindigkeiten im Ärmelkanal
Auf der der Insel Jersey im südwestlichen Ärmelkanal wurden der Polizei zufolge Windgeschwindigkeiten von bis zu 164 Stundenkilometern gemessen. „Bitte bleiben sie drinnen. Es ist sehr gefährlich da draußen“, so eine Mitteilung der Jersey Police. Medien berichteten von abgedeckten Dächern und umgestürzten Bäumen.
Auch an der Südküste Englands stellten sich die Menschen auf starke Einschränkungen durch den Sturm ein. Hunderte Schulen in den Grafschaften Cornwall und Devon blieben geschlossen. Berichten zufolge waren 6.000 Haushalte in Devon ohne Strom. Mehrere Bahnbetreiber im Großraum London riefen die Menschen auf, nur wirklich notwendige Reisen anzutreten. (belga/dpa/calü/svm)

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