Domina aus Leidenschaft

<p>Der Weg zu Lady Mantha führt über diverse Online-Plattformen und ihren Instagram-Account.</p>
Der Weg zu Lady Mantha führt über diverse Online-Plattformen und ihren Instagram-Account. | Illustrationsbild: dpa

„Knie nieder, du Würmchen“, befiehlt sie mit tiefer, strenger Stimme. Man wagt kaum, zu widersprechen, auch wenn Bild und Ton nicht so recht zusammenpassen wollen: An einem gewöhnlichen Donnerstagnachmittag sitzt in einem Aachener Café eine eher unscheinbare Frau Mitte 30 – ihr genaues Alter verrät sie nicht – , schlürft an einem Milchkaffee und erzählt ganz offen von Praktiken, die einen schon beim Zuhören schmerzerfüllt zusammenzucken lassen: vom Auspeitschen, von Bondage- und Fesselspielen, vom Hoden-Quetschen. Von 18-Zentimeter-Absätzen, mit denen sie über den Oberkörper ihrer „Sklaven“ stolziert, sie mit Nadeln malträtiert.

„Es amüsiert mich, wenn die Männer vor Schmerzen quieken.“

Lady Mantha, so nennt sie sich, ist Sozialarbeiterin und arbeitet nebenbei als Domina. Zwei- bis dreimal im Monat tauscht sie T-Shirt und Jeans gegen Lack-Overknees und Peitsche.

Spezialisiert ist sie auf Reizstrom. Damit versetzt sie ihren ausschließlich männlichen Untergebenen Stromstöße an den intimsten Stellen. Die Männer erregt das, Lady Mantha entspannt es, dieses Machtgefühl: „Für mich hat das nichts Sexuelles“, sagt sie. Befriedigend ja, aber nicht im erotischen Sinne. Sie lacht: „Es amüsiert mich, wenn die Männer vor Schmerzen quieken.“ Ihre Tonlage verändert sich: „Ist nicht mein Problem, Schatz, du wolltest es so“, haucht sie lasziv.

Vor viereinhalb Jahren ist Lady Mantha eher zufällig auf den Geschmack gekommen: Ein Mann, zehn Jahre jünger als sie, führte sie in das Spiel aus Dominanz und Unterwürfigkeit. Über ein Sexforum knüpfte sie irgendwann Kontakte zu anderen Gleichgesinnten. So kam eins zum anderen.

„Würmchen“ – so nennt Lady Mantha einen ihrer Sklaven: ein schmächtiger Mann Mitte 50. „Er steht drauf, wenn ich mich auf ihn setze oder ihn so feste gegen die Wand drücke, dass es für ihn kein Entkommen mehr gibt“, erzählt sie. Viele reize das Ausgeliefertsein. Die Kontrolle abgeben, einfach mal abschalten.

Während manche es mögen, körperlich gequält zu werden, betteln andere um verbale Erniedrigung. Oberstes Gebot: Immer schön artig sein. Ungehorsam duldet die Herrin nicht. Lady Mantha zuckt mit den Schultern: „Sie tun, was ich sage, so einfach.“ Niemals könne sie selbst den devoten Part einnehmen, „Ich lasse mir nicht gerne etwas sagen. Der einzige Mann, der mich dominiert, ist mein Kater.“

Zu den Regeln gehört auch, dass Lady Mantha, mit Ausnahme ihrer Füße, nicht angefasst werden darf. Wenngleich die Domina keinen Sex anbietet, gilt sie in Deutschland doch als Sexarbeiterin und verfügt über einen Prostituiertenausweis.

Sie erzählt ungeniert weiter: Wie „Würmchen“ seien viele ihrer Kunden verheiratet. Meist wissen die Frauen nichts von den Neigungen ihrer Männer. Das Klischee vom erfolgreichen Geschäftsmann sei im Übrigen ein Mythos. Auch Fließbandarbeiter, Postboten, Beamte und Lkw-Fahrer lassen sich von ihr „den Hintern versohlen“. Fast alle seien deutlich älter als sie selbst. Lady Mantha trifft sich mit ihnen in Hotels oder besucht sie zu Hause, niemals aber lädt sie sie zu sich ein. „Zuhause ist privat“, sagt die Domina . Eine Grenze, die sie nicht überschreiten möchte.

Sklavenvertrag regelt die Verhältnisse.

Bevor es jedoch richtig zur Sache geht, werde über Vorlieben und Wünsche gesprochen. Nicht allen komme sie nach: so etwa der Bitte nach richtig derben Beleidigungen. Und: „An dem Punkt, an dem es gefährlich wird, bin ich raus“, winkt Lady Mantha ab. „Blaue Flecken, Blutergüsse – so etwas kann vorkommen. Aber niemals würde ich riskieren, jemandem bleibende Schäden zufügen, weder körperlich, noch psychisch.“

Damit es soweit gar nicht erst kommt, werde vor jeder Session ein Codewort vereinbart, das zum sofortigen Abbruch führt, sobald es der Sklave ausspricht. „Meistens ist das eine Farbe. Etwas, was man sich leicht merken kann.“ Bei härteren Praktiken kann zur Absicherung zudem ein sogenannter Sklavenvertrag geschlossen werden, der die Rechte und Pflichten von Herrin und Sklave festlegt – vor Gericht allerdings kaum Bestand hätte.

Wie auch immer: Ihre Dienste lässt sich Lady Mantha gut bezahlen – auf Stundenbasis oder pauschal. Besonders ausgefallene oder skurrile Praktiken kosten extra. Wie viel sie allerdings als Domina verdient, verrät sie nicht. „Wen es aber interessiert, der findet meine Tarife im Internet.“

Grundsätzlich mache sie kein Geheimnis aus ihrem Nebenjob. Ihr Partner – Lady Mantha lebt in einer Beziehung – sei nicht begeistert, „aber er akzeptiert es“. Ihn dominiere sie nicht. Zumindest nicht mit der Peitsche.

Hintergrund

Lady Mantha wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lebendige Bibliothek“ aus ihrem Leben erzählen und so zum „lebendigen Buch“. „Lebendige Bücher“ sind Menschen, die mit Vorurteilen, Klischees oder sozialer Ausgrenzung zu kämpfen haben, einem außergewöhnlichen Beruf nachgehen, eine besondere Leidenschaft, einen nicht-alltäglichen Lebensweg eingeschlagen oder ein schweres Schicksal erlitten haben. Sie beantworten in kleiner Runde die Fragen ihrer Zuhörer. Dadurch sollen Vorurteile und Berührungsängste abgebaut und die Diversität von Lebenswegen erfahrbar gemacht werden.

Die Veranstaltung findet am 2. Oktober (19 bis 21 Uhr) im Medienzentrum in Eupen statt. Die Themen der „lebendigen Bücher“ lauten: Vom Hobby zum Beruf, Förderschule, Wohnressourcen, Unerfüllter Kinderwunsch, Domina, Depression, Recht und Gerechtigkeit, Umgang mit Trauer, Angststörung, Geburten weltweit, Fußballerin, Cosplay und Soziale Arbeit.

Am 3. Oktober (19 bis 21 Uhr) macht die „Lebendige Bibliothek“ Halt in der Pfarrbibliothek in St.Vith. Die Themen lauten: Angststörung, Mordprozess, Für die Seele sorgen, letztes Puzzlestück, Blindheit, Zirkuskind, Deutsch lernen, Recht und Gerechtigkeit, Cosplay, Adoption und Regenbogenfamilie.

Am 5. Oktober (19 bis 21 Uhr) ist die letzte Station der „Lebendigen Bibliothek“ die Pfarrbibliothek in Kelmis. Die Themen lauten: Depression, Cosplay, Bewährungshelferin, Domina, Sterbehilfe, Drag Queens, Trisomie 21, Frauenrechtlerin, A-Sexualität und Stalking. Die Veranstaltung ist sehr beliebt und stets gut besucht. Wer einen Platz in seiner Wunschlesung ergattern möchte, sollte zeitig da sein.

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment