Ein zweiter Nationalpark neben der Eifel?

<p>Der Hürtgenwald taucht auf einer Karte mit sechs Regionen auf, die die NRW-Regierung als besonders geeignet für einen Nationalpark sieht.</p>
Der Hürtgenwald taucht auf einer Karte mit sechs Regionen auf, die die NRW-Regierung als besonders geeignet für einen Nationalpark sieht. | Illustrationsfotos: dpa

Die NRW-Landesregierung hat ein ergebnisoffenes Verfahren für einen zweiten Nationalpark gestartet. Bei diesem Prozess werde auf den Dialog vor Ort gesetzt, teilte die Landesregierung zum Verfahrensstart mit.

Der zweite Nationalpark soll mit der entstehenden Wildnis dem Schutz der Arten- und Biotopvielfalt dienen. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) betont, der anhaltende Artenverlust sei neben der Klimakrise die zweite große ökologische Bedrohung. Die Natur sein lassen ist das Motto in den Großschutzgebieten, wie der stellvertretende Amtsleiter des Nationalparks Eifel, Michael Lammertz, erklärt. Sie soll sich frei und ungestört entwickeln.

Im Nationalpark Eifel sind nach Angaben der Verwaltung bereits mehr als 11 200 Arten nachgewiesen. Davon stünden rund 2600 als bedrohte Arten auf Roten Listen. Die Landesregierung wirbt aber auch mit Beschäftigungschancen für den ländlichen Raum insbesondere durch einen sanften Naturtourismus. Der knapp 20 Jahre alte Nationalpark Eifel wird auch in diesem Punkt als Vorbild genannt. Im vergangenen Jahr ist demnach zum dritten Mal in Folge die Marke von einer Million registrierten Besuchern im Nationalpark Eifel überschritten worden.

In einem ersten Schritt können Kreise und Kommunen, aber auch etwa Vereine und Verbände unverbindlich ein Interesse an einem neuen Nationalpark bekunden. Dafür ist knapp ein halbes Jahr bis Ende März vorgesehen. Die Landesregierung will sich so einen Überblick über potenzielle Bewerber verschaffen. In einem zweiten Schritt ist anschließend ein Antragsverfahren geplant, der Kreisen und Regionen unabhängig von einer vorherigen Interessensbekundung offenstehen soll. An dessen Ende steht die Entscheidung. Einen Termin dafür nennt die Landesregierung allerdings nicht. In einem dritten Schritt ist dann schließlich das formale Ausweisungsverfahren vorgesehen.

<p>Der Nationalpark Eifel dient als Vorbild.</p>
Der Nationalpark Eifel dient als Vorbild.

Der Umweltminister zeigte sich beim Verfahrensstart optimistisch, dass es eine oder mehrere Bewerbungen von Kreisen für einen neuen Nationalpark geben wird. Es gebe keine Vorfestlegung auf eine bestimmte Region und es werde auch nichts übergestülpt. Die Landwirtschaftsministerin betonte, nur mit einer breiten Akzeptanz in der Region könne ein zweiter Nationalpark gelingen. „Und daher ist für mich jedenfalls klar, dass am Ende des Findungsprozesses auch eine deutliche Mehrheit der Kommunalparlamente stehen muss.“ Die Landesregierung kündigte an, im Internet fortlaufend berichten zu wollen und Fördergelder für den Dialog vor Ort bereitzustellen.

Umweltverbände hoffen auf eine breite Beteiligung im Land. Der Naturschutzbund Deutschland NRW (Nabu) sieht dafür Bürgerentscheide als eine Möglichkeit. Auch die Sorgen der Naturschützer müssten gehört werden, sagte Nabu-Landesvorsitzende Heide Naderer. Die Eignung einer Region, die sich aus dem Gesetz ergebe, sollte letztlich die wesentliche Rolle spielen, sagte der Landesvorsitzende des BUND, Holger Sticht. Beide Verbände hatten sich mit der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) bereits für das Eggegebirge ausgesprochen. Aus ihrer Sicht kommen aber auch andere Gebiete infrage. Wichtig sei ein Netz aus Wildnisgebieten.

Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) weist darauf hin, dass sie in den ländlichen Regionen auch viel Skepsis, viele Sorgen und Fragen zum Verfahren zweiter Nationalpark wahrnehme. Land- und Forstwirte sorgten sich, dass sie als unmittelbare Nachbarn Einschränkungen bei der Bewirtschaftung hinnehmen müssten. Auch ein Schutz vor einem möglichen Schädlingsbefall aus dem Nationalpark sei ein Thema. Betriebe der Holz- und Sägewerkindustrie hätten die Sorge eines Holzmangels. Aber auch Menschen in der Region hätten viele Fragen etwa zum Freizeit- und Erholungsraum Wald, ob er als Teil des Nationalparks zum Reiten oder Radfahren weiter genutzt werden könne.

Einige Kreise haben zurückhaltend auf den Vorstoß der Landesregierung reagiert. Die Regierung hatte vergangene Woche eine Liste von potenziellen Gebieten für einen neuen Nationalpark veröffentlicht. Fast alle betroffenen Kreise reagierten überrascht, teilweise zeigten sie sich auch skeptisch. In den politischen Gremien könnten manche Bewerbungen in den kommenden Wochen bereits beerdigt werden.

Als Input veröffentlichte das Land beim Verfahrensstart schon mal eine Karte mit sechs Regionen, die man als besonders geeignet sieht. Dazu gehörten der Reichswald (Kreis Kleve), Egge (Kreis Höxter), Arnsberger Wald (Kreis Soest), Ebbegebirge (Märkische Kreis), Rothaarkamm (Siegen-Wittgenstein) und der Hürtgenwald (Kreis Düren).

„Keine konkreten Überlegungen“ für weiteren Nationalpark im Kreis Düren.

Der Kreis Düren, der schon am ersten nordrhein-westfälischen Nationalpark beteiligt ist, zeigt im Gespräch mit der DPA wenig Elan für einen zweiten: „Derzeit gibt es keine konkreten Überlegungen seitens des Kreises Düren, neben dem schon bestehenden Nationalpark Eifel einen weiteren zu schaffen“, so ein Sprecher des Kreises: „Allerdings steht der Kreis Anregungen und Planungen grundsätzlich offen gegenüber.“

Das Umweltministerium teilte auf Anfrage mit, man sei „mit dem in der Öffentlichkeit bekundeten Interesse am Prozess und konkreten Anfragen zufrieden.“ Auch dass sich die ersten Kommunalparlamente mit der Interessensbekundung beschäftigen, begrüße man, so ein Ministeriumssprecher: „Es zeigt, dass derzeit im Land sehr viel über das Thema Nationalpark und die damit verbundene Notwendigkeit, den Artenverlust aktiv zu bekämpfen, diskutiert wird.“ (dpa/ab)

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