Trumps Polizeifoto - Ein Sinnbild für das Beispiellose

<p>Dieses vom Fulton County Sheriff's Office zur Verfügung gestellte Foto zeigt Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, nachdem er sich im Fulton County Jail in Atlanta gestellt hat.</p>
Dieses vom Fulton County Sheriff's Office zur Verfügung gestellte Foto zeigt Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, nachdem er sich im Fulton County Jail in Atlanta gestellt hat. | Foto: Uncredited/Fulton County Sheriff's Office/AP/dpa

Donald Trump starrt mit finsterer Miene in die Kamera. Die Augen geradeaus gerichtet, die Lippen aufeinander gepresst, die Stirn in Falten gelegt. Der Ex-US-Präsident wirkt fast wie ein Film-Bösewicht. Trump trägt wie üblich ein dunkelblaues Jackett, ein weißes Hemd und eine rote Krawatte. Nur eines ist anders als sonst: Neben Trumps blondem Schopf prangt oben links im Bild das Emblem eines Sheriff-Büros in Atlanta. Es ist das historisch einmalige Polizeifoto des einst mächtigsten Mannes der Welt - aufgenommen im berüchtigten Gefängnis von Fulton County.

Trump schreibt erneut Geschichte

Dort stellte sich der Republikaner am Donnerstagabend den Behörden. Der 77-Jährige ist im US-Bundesstaat mit 18 anderen wegen versuchten Wahlbetrugs angeklagt. Bis Freitag hatten die Beschuldigten Zeit, im Gefängnis vorstellig zu werden. Bei diesem Termin wurden Trumps Personalien aufgenommen und das bereits jetzt ikonische Foto wurde aufgenommen. Trump geht mit diesem Termin erneut in die Geschichtsbücher ein. Er ist nun der erste ehemalige US-Präsident mit einem sogenannten Mug Shot - so heißen die Polizeifotos in den USA.

Bereits zuvor schrieb der Mann, der bei der Präsidentenwahl 2024 erneut für die Republikaner antreten will, Geschichte. Dass ein Ex-Präsident wegen einer Straftat vor Gericht kommt, hat es in den USA vor Trump noch nie gegeben. Gegen Trump laufen mittlerweile vier Anklagen. In den vergangenen Monaten war bereits in drei anderen Fällen in New York, Miami und Washington Anklage gegen den Republikaner erhoben worden.

Das Polizeifoto steht nun sinnbildlich für die Strafverfolgung gegen Trump. „Als solches ist es auch ein Symbol für die Gleichheit vor dem Gesetz oder den Missbrauch desselben“, schreibt die „New York Times“. Es sei das ultimative Andenken an eine „normenzerstörende Präsidentschaft“.

Berüchtigtes Gefängnis

Mit großer Entourage erschien Trump im Bezirksgefängnis in Atlanta, ließ die Formalia und das Foto über sich ergehen. Etwa 20 Minuten später verließ seine Wagenkolonne das Gefängnisgelände wieder. Trump reiste kurz darauf mit seinem privaten Flugzeug aus Atlanta ab - nicht aber, ohne sich vor dem Einsteigen in die Maschine noch einmal bitterlich über die Strafverfolgung gegen ihn zu beklagen.

Das Fulton County Gefängnis in Atlanta, wo Trump erscheinen musste, ist nicht irgendein Ort. Die Haftanstalt ist berüchtigt. Das US-Justizministerium leitete im Juli eine Untersuchung zu den Haftbedingungen dort ein, nachdem ein Häftling bedeckt mit Läusen und Dreck in einer Zelle gestorben war und andere dramatische Berichte aus dem Inneren des Gefängnisses an die Öffentlichkeit gelangten: von Gewaltexzessen, massenhaft kursierenden Waffen, ominösen Todesfällen und einem Verfall des Gebäudes.

Dass der 45. Präsident der USA genau an diesem Ort auflaufen muss, um nach einer Anklage seine Personalien aufnehmen zu lassen, hat bereits eine neue Qualität in der Außenwirkung. Für das Polizeifoto gilt das umso mehr. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer bislang einmaligen Anklageserie gegen den ehemals ersten Mann im Staat. Und auch ein Fingerzeig für Trump, was ihm womöglich bevorstehen könnte.

Trump vermarktet Mug Shot

Trump zeigt sich gerne in einer Pose wie auf dem Polizeibild. Er will entschlossen, kraftvoll, unnachgiebig wirken. Er mag es nicht, schwach auszusehen. Es ist seine Art, eine eigentlich prekäre rechtliche Lage umzumünzen und politisch für sich auszuschlachten und sich als Märtyrer darzustellen. Trump genieße all dies nicht, die Anklagen seien eine ernste Sache, sagt Maggie Haberman im US-Fernsehen. Die „New York Times“-Reporterin gilt als am besten vernetzte Chronistin der Trump-Ära. Aber er wisse auch, all diese Dinge für sich zu nutzen.

Dass er eben dieses Polizeifoto als Anlass wählt, um sich mit einem Knall beim Twitter-Nachfolger X zurückzumelden, passt in sein Muster. Trump war im Januar 2021, kurz nachdem seine Anhänger das US-Kapitol gestürmt hatten, von Twitter verbannt worden. Die Plattformbetreiber befürchteten damals, dass es neue Gewalt geben könnte, wenn Trump nicht gesperrt würde. Elon Musk, der die Plattform vergangenes Jahr gekauft hatte, ließ seinen Account wieder freischalten. Doch Trump schwieg dort dennoch weiter - und konzentrierte sich auf seinen Twitter-Ersatz Truth Social. Mit dem Polizeifoto ändert sich dies nun. Das dürfte auch daran liegen, dass er auf X ein Vielfaches an Abonnenten hat.

Nach der ersten Anklage gegen Trump in New York im April hatten viele bereits damit gerechnet, dass es ein Polizeifoto geben könnte. Doch diesen Gefallen taten ihm die Behörden nicht. Und so bastelte Trumps Team damals einfach einen gefälschten Mug Shot und vermarktete ihn auf T-Shirts und Tassen. Kaum verwunderlich also, dass Trumps Wahlkampftruppe nur kurze Zeit nach dem Termin im Gefängnis das echte Polizeifoto zu Geld macht - auf Kleidung, Tassen oder Aufklebern. „Niemals aufgeben“ steht unter dem Foto.

Wahlkampf geht weiter

Die Anklagen gegen ihn haben dem Republikaner in parteiinternen Umfragen bisher nicht geschadet. Und so dürfte auch das Foto zumindest unter seinen Anhängern kein Nachteil sein. Außerdem ist es eine willkommene Gelegenheit, mehr Geld für den Wahlkampf einzutreiben. Wie all das bei unentschlossenen Wählerinnen und Wählern der Mitte ankommt, dürfte sich wohl erst bei der eigentlichen Wahl 2024 zeigen. Im Rennen um die Kandidatur in seiner Partei scheint es zumindest so, als habe er einen uneinholbaren Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten. Doch auch wenn der Wahlkampf längst begonnen hat, die Vorwahlen der Republikaner starten offiziell erst im kommenden Januar.

Trumps Foto geht nun um die Welt. Für Verwunderung sorgte allerdings etwas anderes: Trumps Gewicht. Denn der Republikaner, der mit der Häftlingsnummer P01135809 registriert wurde und den Dokumenten nach blaue Augen und blondes oder erdbeerblondes Haar hat, wird mit 97 Kilogramm gelistet. Und das mit 1,90 Meter Körpergröße. Bei Trumps letztem Gesundheitscheck als Präsident im Juni 2020 wog er noch gut 110 Kilo. Im Netz gab es viel Spott für den Gewichtsverlust, dem man ihm nicht unbedingt ansieht. Unklar war, wie das Gewicht im Gefängnis ermittelt wurde. Und ob hier, wie so oft bei Trump, der Wunsch der Vater des Gedankens war.

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