Infantino droht offen mit TV-Blackout bei Frauen-WM

<p>Die USA gehen als Titelverteidiger in die WM der Frauen.</p>
Die USA gehen als Titelverteidiger in die WM der Frauen. | Foto: Photo News

Gianni Infantino legte die Stirn in Falten, fuchtelte wild mit den Händen umher, ehe er den Fußballfans ganz offen mit dem Schreckensszenario drohte. Zu „diesen geringen Preisen“ werde der Weltverband die Rechte für die Frauen-WM in diesem Sommer „einfach nicht verkaufen, sodass die Europäer die WM nicht schauen können“, ätzte der FIFA-Boss - und zündete damit die nächste Eskalationsstufe im TV-Poker mit Deutschland, Frankreich, England, Spanien und Italien.

Der Ausgang der vertrackten Verhandlungen bleibt ungewiss, rund zweieinhalb Monate vor dem Start der WM wird die Vorfreude immer mehr von der Gefahr eines TV-Blackouts überschattet.

Doch der Ton wird rauer. „Um es ganz klar zu sagen: Es ist unsere moralische und rechtliche Verpflichtung, die Frauen-WM nicht unter Wert zu verkaufen“, lautete die Ansage des FIFA-Präsidenten rund um eine Podiumsdiskussion in Genf. Die bisherigen Angebote bezeichnete er als „sehr enttäuschend“ und „einfach nicht akzeptabel“, diese seien „ein Schlag ins Gesicht all der großartigen Spielerinnen und aller Frauen weltweit“.

Auch ohne Red Flames: In Belgien hat sich die RTBF die Rechte für 64 Spiele gesichert.

Infantino betonte erneut, 100 Prozent der Rechteeinnahmen würden in den Fußball der Frauen fließen, da sich die FIFA „für gleiche Bedingungen und gleiche Bezahlung“ einsetze. Zudem hätten die öffentlich-rechtlichen Sender „die Verpflichtung, den Frauensport zu fördern und in ihn zu investieren“. Laut Infantino seien die Angebote für die Frauen-WM in den fünf großen europäischen Ländern 20- bis 100-mal niedriger als für das Männer-Turnier.

Die Top-Quoten, etwa bei der EM im Vorjahr, machen es der FIFA leicht, den Sendern die Schuld zuzuschieben und ihnen mangelnde Wertschätzung für die Frauen vorzuwerfen. Aber: Aufgrund der aus deutscher TV-Sicht ungünstigen Anstoßzeiten am Vormittag werden bei der WM deutlich geringere Quoten erwartet. Zudem werfen Kritiker der FIFA vor, unter dem Vorwand der Frauenförderung nur mehr Geld generieren zu wollen.

Erstmals vergibt der Weltverband die Rechte an der Frauen-WM separat und nicht in einem Gesamtpaket mit der Weltmeisterschaft der Männer. Bei den deutschen Sender sorgen die Äußerungen der FIFA-Seite und die Verhandlungstaktik jedoch für reichlich Verwunderung. Für belgische Fans werden derweil 64 Spiele von der RTBF übertragen. Der Sender sicherte sich die Rechte an der Frauen-WM obwohl die belgische Nationalmannschaft die Qualifikation für die Endrunde verpasste. Die Rechte auf dem britischen, italienischen, deutschen und spanischen Markt sind derweil noch nicht vergeben. In Deutschland waren die EM-Spiele der DFB-Frauen im vergangenen Jahr für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF Quotenhits. Das Finale gegen England war mit einer Einschaltquote von durchschnittlich 17,9 Millionen Menschen in der ARD die meistgesehene Sportsendung im Jahr 2022.

Ein ähnliches TV-Ereignis in diesem Sommer wird immer unwahrscheinlicher.

Schwere Aufgaben für Belgien in der Nations League

In der A-Division der Nations League wurde die belgische Frauen-Nationalmannschaft in Gruppe 1 mit England, den Niederlanden und Schottland gelost. „Gerade England und die Niederlande sind zwei unglaublich starke Gegner“, so Trainer Ives Sernes in einer ersten Reaktion. Seine Red Flames, die aufgrund ihrer 19. Position in der FIFA-Weltrangliste in Lostopf 3 mit Österreich, Island und Italien gesetzt waren, stehen somit im Rennen um die in England ausgerichtete Finalrunde vor schweren Aufgaben. Die Nations League für Frauen folgt demselben Konzept wie die des Männerfußballs. Die Ergebnisse der Nations League beeinflussen auch die Qualifikation für die EM 2025 und die WM 2027. Die Qualifikationen beginnen im Frühjahr 2024. Die Nations League besteht aus drei Divisionen mit 51 teilnehmenden Ländern. „Für den Frauenfußball ist solch ein Turnier in allen Belangen ein Mehrwert“, so Sernels weiter. (mn/sid)

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