X-Dream macht Jugendliche stark, solidarisch und verantwortungsbewusst fürs Leben

<p>Auch Ausflüge gehören zum Angebot des Jugendtreffs X-Dream in Eupen.</p>
Auch Ausflüge gehören zum Angebot des Jugendtreffs X-Dream in Eupen. | Foto: privat

Eupen

Im X-Dream leben alle Nachhaltigkeit. Ehrenamtliche des Foodsharings „retten“ beispielsweise Nahrungsmittel. „Wir bieten mittags leckere Croque-Monsieurs an und laden gegen Abend zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. So kommen durchschnittlich 30 bis 40 Jugendliche zusammen und erleben ein gemeinsames Abendessen“, sagt Projektleiterin Marie-Claire Hellmann. „X-Dream ist mir wie eine große Familie. Jeder ist willkommen und fühlt sich wohl“, lautet das Kompliment der zwölfjährigen Lena, die seit diesem Sommer zum Jugendtreff kommt. „Wir sind der einzige Jugendtreff dieser Art in Ostbelgien und das Konzept scheint nach vier Jahren voll aufzugehen, denn bei uns gibt es keine sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Unterschiede“, bemerkt Marie-Claire Hellmann. Kinderarmut sei auch in Ostbelgien ein Thema, doch beim X-Dream treffe man sich um gemeinsam mit Freunden eine gut Zeit zu verbringen. „Da wir alles kostenlos ausgeben, findet es auch niemand mehr komisch, so dass das Selbstwertgefühl von betroffenen Jugendlichen gestärkt wird.“ Außerdem sei das „Teilen“ ein probates Mittel gegen den vorherrschenden Egoismus in der Gesellschaft und somit für mehr Solidarität im Allgemeinen. Da keinerlei Einnahmen bei X-Dream generiert werden, sei man von Spenden und auch von Unterstützungen philanthropischer Organisationen wie die König-Baudouin-Stiftung (KBS) abhängig.

„Die KBS ist ein verlässlicher und treuer Partner; vor allem schätze ich die schnelle Reaktion und den geringen administrativen Aufwand“, wird Marie-Claire Hellmann in einer Pressemitteilung der Stiftung zitiert. Ob für Jugendaustausche, Projekte in Kooperation mit dem Asylantenheim, Graffiti-Workshops oder die Einrichtung eines Tonstudios, die KBS habe immer großzügig geholfen. Die seit dem Ukraine-Krieg prekäre Lage auf dem Energiesektor bereite den Verantwortlichen des Jugendtreffs jedoch ernste Sorgen: „Die horrenden Energiekosten sind schon eine enorme Belastung, da sie keineswegs vorhersehbar sind. Aus diesem Grund freue ich mich besonders, dass die KBS den Ernst der Lage rasch erkannt hat und den Akteuren in der aktiven Armutsbekämpfung tatkräftig unter die Arme greift. Nur so können wir weiter dafür sorgen, dass Solidarität gelebt und somit auch propagiert wird“. Mittel- und langfristig möchte sich das Team von X-Dream ohnehin energetisch autarker aufstellen. Neben neuen LED-Leuchtmitteln ist die Installation einer leistungsstarken PV-Anlage geplant. „Unser Haus soll frei von Energiekonzernen werden“, so das hehre Ziel der Projektleiterin.

Das Jugendzentrum selbst ist ein altes Nebengebäude des Eupener Schlachthofs und beherbergt neben einem Aufenthaltsraum mit Küche, eine Chill-Lounge mit Billard und Kicker, eine PS4- und PS5-Zocker-Area sowie im Obergeschoss eine kleine Kleiderbörse, ein Tonstudio sowie einen Fitnessraum mit Box-Sack. „Hier nervt niemand und man kann so toll mit den Kumpels abhängen“, berichtet der 14-jährige Noah, der darüber hinaus auch das kostenlose WLAN schätzt.

Als Aktivitäten stehen unter anderem Kochen und Backen auf dem Angebot. „Ich freue mich schon die ganze Woche auf das Backen am Freitag. Das ist cool und schmeckt auch noch mega“, meint die zwölfährige Fiona. Das eigentliche Highlight bildet jedoch das jährliche Ferienlager an der Küste. „Die sieben Tage am Meer sind ebenfalls kostenlos und wir bieten den Jugendlichen in Dreiergruppen viel Freiraum. Dieses gegenseitige Vertrauen stärkt die Harmonie der Gruppe ungemein“, so Marie-Claire Hellmann. Der Jugendtreff X-Dream funktioniert auch aufgrund seiner vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Die pädagogische Leiterin, Marie-Claire Hellmann, Hausmeister und Animator Murat sowie die 19-jährige Assistentin Celina sorgen für den reibungslosen Ablauf im X-Dream, während weitere sieben Ehrenamtliche den Jugendlichen Aktivitäten und Workshops anbieten und dabei stets ein offenes Ohr für die Probleme des Alltags haben. Für Celina ist die Assistenz im X-Dream ein Traumjob, mag sie es doch, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Ihre Kollegin Zoé (21) befindet sich im Vorpraktikum auf ihr Studium als Sozialarbeiterin in Aachen: „Mich fasziniert vor allem der Zusammenhalt hier im Treff. Es ist wie eine Familie, in der die Jugendlichen Rückzugsorte geboten bekommen und sich somit geborgen fühlen. Hier kommen alle Kulturen aus allen sozialen Schichten zusammen. Drogen, Gewalt und vor allem Rassismus sind hier kein Thema“. Die Spendenbereitschaft lasse aufgrund der wachsenden Inflation und der unsicheren politischen Lage nach. „Wir setzen alles daran, um auch weiterhin Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren stark, solidarisch und verantwortungsbewusst für das Leben zu machen“, erklärt Marie-Claire Hellmann abschließend. (red/hegen)

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