Ein EM-Stadion, in das keine 5.000 Fans passen? Für Island-Star Sara Björk Gunnarsdottir ist das schlicht respektlos. „Peinlich“, schimpfte die frühere Wolfsburgerin, sei das Academy Stadium von Manchester City als Arena für drei Gruppenspiele bei der Frauen-EURO in England.
Eine Diskussion ist entbrannt: Sind solche Mini-Stadien noch zeitgemäß angesichts der Zuschauerexplosion im Frauenfußball, wenn mittlerweile über 90.000 Menschen Champions-League-Spiele im Camp Nou verfolgen? Die Betroffenen sagen: Nein!
„Ich hatte gehofft, dass es sich ändern könnte“, sagte Hanna Glas. Die Verteidigerin bestreitet mit den Schwedinnen das letzte Gruppenspiel gegen Portugal im Leigh Sports Village, das auch nur 8.000 Plätze bietet. „Wir wollen so viel Publikum wie möglich, deshalb ist es schade“, pflichtete Mitspielerin Rebecka Blomqvist bei.
Nadine Keßler, UEFA-Abteilungsleiterin Frauenfußball, verteidigte die Strategie der Europäischen Fußball-Union als richtigen Weg für eine bestmögliche Atmosphäre. Die Ex-Weltfußballerin verwies im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP auf die „ehrgeizige“ Erhöhung der „Kapazität des Turniers von 430.000 auf 720.000“.
Die EURO wird von den Ausrichtern vollmundig als „größte Frauen-EM aller Zeiten“ betitelt – die nackten Zahlen: Durch bislang fast 500.000 verkaufte Tickets für die insgesamt 31 Spiele wird der bisherige Rekord (247.041 bei der EM 2017 in den Niederlanden) pulverisiert.
Eingerahmt wird das um ein Jahr verschobene Turnier von zwei Highlights. Das Eröffnungsspiel zwischen England und Österreich am kommenden Mittwoch steigt im Old Trafford von Manchester, das ebenso ausverkaufte Endspiel am 31. Juli in Wembley – die Zuschauerbestmarke vom EM-Finale 2013 zwischen Deutschland und Norwegen (1:0) in Solna/Schweden (41.301) wird gleich mehrfach geknackt.
Die anderen Spiele finden in weit kleineren Stadien statt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass über 200.000 EM-Karten noch nicht verkauft sind. Und: Rund um die Vergabe der Endrunde 2018 mussten die Ausrichter förmlich um Spielorte kämpfen. „Wenn Sie glauben, dass die Leute unsere Tür eingetreten hätten, um Spiele auszurichten, täuschen Sie sich“, verriet FA-Vorstandschef Mark Bullingham.
Unter dem Eindruck von ständig neuen Zuschauerrekorden in Europa gab er aber zu: „Die Veranstaltung, die wir diesen Sommer durchführen, wird weitaus größer sein als die Veranstaltung, die wir geplant und erwartet haben, als wir uns beworben haben.“
Die beglsiche Auswahl bleibt von der Problematik nicht verschont. Die Red Flames erwischten bei der Auslosung eine Hammergruppe und spielen in der Vorrunde gegen Island (10. Juli) und Italien (18. Juli) im Manchester City Academy Stadium, das „nur“ 7.000 Plätze bietet, sowie gegen Frankreich (14. Juli) im New York Stadium in Rotherham (12.000 Plätze). (sid/calü)

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